🎧 The Hara – The Fallout . Wenn der emotionale Absturz zum kreativen Höhenflug wird

Manche Alben klingen, als wären sie im Studio entstanden. The Fallout, das neue Werk von The Hara, klingt eher so, als wäre es mitten in einer emotionalen Kernschmelze geschrieben worden – und genau das ist seine größte Stärke. Das Trio aus Manchester macht keine halben Sachen: Hier wird nicht therapiert, hier wird rausgeschrien.

Zwischen Selbstreflexion und Selbstsabotage

Frontmann Josh Taylor legt seine inneren Dämonen auf den Tisch – ohne Filter, ohne PR-Politur. Psychische Gesundheit, Selbstzweifel und das Gefühl, im eigenen Kopf manchmal der größte Feind zu sein, ziehen sich wie ein roter Faden durchs Album.

Und ja: Das ist stellenweise schwerer Stoff. Aber The Hara vermeiden die Emo-Klischeefalle, indem sie ihre Verletzlichkeit nicht romantisieren, sondern roh und unbequem präsentieren. Wenn Taylor singt, dass Selbstzerstörung manchmal einfacher wirkt als der Blick ins Ungewisse, klingt das nicht nach Pose – sondern nach ehrlicher Überforderung.

Sound: laut, roh, und nicht hier, um nett zu sein

Musikalisch bleibt die Band ihrem explosiven Hybrid aus Alternative Rock, Emo und Metalcore treu. Fette Riffs, aggressive Breakdowns und Refrains, die sich direkt ins Ohr prĂĽgeln, treffen auf eine Energie, die klar von der BĂĽhne kommt.

Das Ganze fühlt sich weniger nach „wir schreiben Hits fürs Radio“ an und mehr nach „wir bauen Songs, die live alles zerlegen“. Kein Wunder – The Hara haben sich ihre Reputation vor allem als kompromisslose Liveband erspielt, mit Support-Slots für Sum 41, Escape the Fate oder Nothing More sowie Festivalauftritten von Download bis Reading & Leeds.

Keine Perfektion – und genau deshalb funktioniert es

The Fallout ist nicht glatt, nicht perfekt und definitiv nicht immer angenehm. Manche Songs wirken wie ein emotionaler Schlag in die Magengrube – aber gerade das macht das Album glaubwürdig.

Hier wird nichts weichgespült, keine Verletzlichkeit in TikTok-kompatible Hooks verpackt. Stattdessen gibt’s rohe Emotion, die manchmal chaotisch, manchmal überwältigend, aber selten langweilig ist.

Mit The Fallout liefern The Hara ein Album ab, das sich nicht anbiedert. Es ist laut, ehrlich, unbequem – und genau deshalb relevant. Wer auf emotional aufgeladenen Alternative Rock mit ordentlich Metalcore-Kante steht, bekommt hier keine sterile Hochglanzproduktion, sondern ein wütendes, verletzliches Statement.

Kein Feelgood-Album. Aber eines, das hängen bleibt – wie ein Gespräch, das man eigentlich vermeiden wollte, aber dringend führen musste.

FĂĽr Fans von: Bring Me The Horizon (frĂĽh), Fever 333, Nothing More, Yungblud (mit mehr Wut)

Text: Dennis Kresse

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