Dignity: Wenn Zurückhaltung stark klingt!

Isabelle Bodenseh – Dignity

Mit Dignity zeigt die Jazzflötistin Isabelle Bodenseh, dass Würde nicht laut, aber umso eindringlicher klingen kann. Die Bassflöte fungiert hier nicht als Showinstrument, sondern als sprechende Stimme, die zuhört, statt zu erzählen. Zusammen mit Hammond‑Orgelschwaden, subtilen Gitarrenlinien und Drums, die den Raum eher öffnen als füllen, entsteht eine Klangwelt, die so intim wie atemlos ist.

Das Album vermeidet den üblichen Jam‑und‑Solo‑Jazzkosmos. Stattdessen setzt Bodenseh auf stille Klarheit, auf Phrasen, die atmen, und auf Momente, die Fragen stellen, ohne sie gleich zu beantworten. Dignity ist weniger ein dramatisches Feuerwerk als ein Spaziergang durch emotionale Landschaften: mal fragend, mal sonnendurchflutet, mal konzentriert atmend.

Was das Album besonders macht, ist nicht virtuoses Gefrickel, sondern die spürbare Präsenz jeder Note. Man merkt sofort, dass hier jemand wirklich zuhört – und uns dabei mitnimmt. Die Musik lädt zum Innehalten ein, zur Reflexion, ohne dabei belehrend zu wirken.

Fazit: Dignity ist ein eleganter, nachdenklicher Dialog zwischen Atem, Klang und Menschlichkeit. Kein prahlerisches Jazzfeuerwerk, sondern ein Album, das leise berührt, klug komponiert ist und seine Würde in jeder Phrase spürbar macht. Für alle, die Musik nicht nur hören, sondern fühlen wollen.

Text: Dennis Kresse

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