Sleaford Mods – The Demise of Planet X Politik, Punk und Perpetuum Mobile des Zorns

Mit The Demise of Planet X schlagen Sleaford Mods wieder jene unverwechselbare Mischung aus lakonischem Spoken-Word-Punk, wuchtigen minimalistischen Beats und sozialer Schärfe, für die sie längst ikonisch stehen. Dieses Album ist weniger ein lyrisches Werk als eine Momentaufnahme eines kollektiven Nervenzustands – laut, bissig, direkt und manchmal bitterböse komisch.

Was Sleaford Mods über die Jahre perfektioniert haben, ist keine musikalische Virtuosität im klassischen Sinne, sondern eine Art rhythmisch-monotones Manifest: elektronische Drum-Loops und Bass-Muster, reduzierter Groove, keine Schnörkel, dazu Jason Williamson, der wie ein wütender Chronist der Normalität spricht – oder, besser gesagt: schreit, mokiert, klagt, beleidigt und analysiert, als hinge sein Leben davon ab. Auf The Demise of Planet X ist diese Haltung noch schärfer, direkter, weniger entschuldigend.

Textlich bleibt das Album ein Rundumschlag gegen neoliberale Arbeitswelt, Konsumlogik, digitale Entfremdung und die allgemeine Misere des Spätkapitalismus. Williamson spuckt seinen Frust in lakonischen, oft witzigen Monologen, die zwischen bitterem Sarkasmus und blanker Verzweiflung changieren. Die Beats – monoton, repetitiv, wie ein Punk-Metronom für die Apokalypse – treiben den Sound konsequent voran: Immer vorwärts, ohne Blick zurück.

Sleaford Mods suchen auch auf The Demise of Planet X die volle Aufmerksamkeit des Hörers, ein offenes Ohr und den Mut zur Konfrontation mit unbequemen Wahrheiten. Wer sich darauf einlässt, bekommt ein Album, das nicht nur Soundtrack, sondern auch Statement ist: roh, unverstellt und mit einem unmissverständlichen Blick auf eine Welt, die sich selbst ins Chaos manövriert.

Bei den Sleaford Mods wird aus Musik eine Waffe – nicht zum Töten, sondern zum Wachrütteln.

 

Live gibt es die Herren auch zu sehen.

LIVE:

14.03. Berlin – Tempodrom
15.03. Hamburg – Grosse Freiheit 36 (ausverkauft)

Text: Dennis Kresse

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