Sleaford Mods – The Demise of Planet X ab dem 16.01.2026

Kein Grund zur Panik, es ist nur das Ende der Welt… welcome to The Demise Of Planet X.

In ihrer mittlerweile 15 Jahre andauernden Karriere, in der ihr eigenwilliger Entwurf aus minimalistischer Elektronik und maximaler Einsicht eine ganze Generation von Künstler*innen inspiriert hat, haben sich die Sleadord Mods von ihren Lo-Fi-Anfängen zu einem Top-5-Act mit ausverkauften Touren und Festival-Headliner-Slots entwickelt. wer wäre da besser geeignet als Andrew Fearn und Jason Williamson, um den Zerfall der Zivilisation zu kartieren?

Wie gewohnt bewegen sich die beiden entlang der gesellschaftlichen Bruchlinien und beschreiben auf ihrem achten Album The Demise Of Planet X eine ganz eigene Vision der Apokalypse. Anstatt sich auf die üblichen Weltuntergangs-Klischees zu stützen, gehen die beiden davon aus, dass es das langsame aber sichere Abgleiten in soziale Langeweile, kulturelle Entropie und selbstsüchtige Korruption sein wird, das uns lange vor der Supernova hinwegrafft.

Ausgelöst wurde das Ganze durch chaotische Szenen in einem Nachtclub in den Midlands, die Williamson Mitte der 2000er miterlebte – und die ihn nie ganz losgelassen haben. Planet X kreist um die Befürchtung, dass sich die Apokalypse vielleicht nicht in einem Mad Max-artigen, orgiastischen Zusammenbruch äußern wird, sondern vielmehr in einem Nebel aus immer weiter um sich greifender monotoner Alltäglichkeit manifestiert. Vergesst die Biker-Gangs und Cyborgs – der wahre Untergang des Planeten besteht womöglich darin, dass alles einfach immer beschissener wird.

„Ich erinnere mich, wie ich in diesen Club kam, und es war, als wäre die Welt untergegangen, hätte neu angefangen und wäre gleich wieder verrottet – alles auf einmal. Man war über die Apokalypse hinaus, und so würde die Welt danach aussehen“, erinnert sich Williamson, der beim Schreiben dieses Albums zu der Erkenntnis kam, dass „das Gleiche, nur schlimmer“ keine ungenaue Beschreibung dessen wäre, wie die Dinge derzeit laufen.

„So fühlt sich im Moment alles um mich herum an“, fährt er fort, nachdenklich über die tägliche Verfallserscheinung, die die Welt seit dem Ende des Lockdowns verfolgt. „Wir peitschen ein totes Pferd, wenn es um Massenkonsum und Geldgier geht, während Teile der Welt völlig zerfallen und der Westen das einfach ignoriert. Es ist, als hätten wir Armageddon übersprungen und wären direkt in die Zeit danach gesprungen.“

Trump’sche Wutausbrüche und globale Machtkonflikte werfen natürlich ihren Schatten auf dieses imaginierte Endspiel, doch auch alltägliche Dinge wie Supermärkte und Serverfarmen, lähmender Selbstzweifel und ständige Reizüberflutung zersetzen das gesellschaftliche Gefüge. Während Sodom und Gomorrha biblisch für ihre Sünden ausgelöscht wurden, werden ihre modernen Gegenstücke heute gewissermaßen durch verpasste Online-Lieferungen getilgt – der Untergang von Planet X ist tiefgründig, persönlich, aber zugleich banal.

Doch während die Welt vielleicht mit einem Wimmern statt einem Knall untergeht, gilt für The Demise Of Planet X das Gegenteil. Wie die Visionen des Jüngsten Gerichts Hieronymus Bosch zu seinen farbenprächtigsten und eindringlichsten Gemälden inspirierten, hat auch Demise… einige der ausdrucksstärksten Werke von Sleaford Mods hervorgebracht. Wut und Witz, Beats und Bleeps brennen weiterhin mit der kompromisslosen Energie des Nottingham-Duos, doch auf diesem Album werden sie durch neue Ideen und Mitwirkende erweitert, die der Band zusätzliche Tiefe, Empathie und Raffinesse verleihen.

Passenderweise zeigt der Eröffnungstrack The Good Life, wie sich die Horizonte des Albums erweitert haben, während Identität und Wirkung der Gruppe so unvermittelt wie eh und je bleiben. Fearns Bassgroove pulsiert mit gewohnter Wucht, aber der fast schon Disco-artige Beat bringt eine neue Wärme ins Spiel. Ebenso trifft Williamsons rasante Sprachgewalt weiterhin mit sprachlicher Präzision, doch diesmal wird er unterstützt von Schauspielerin Gwendoline Christie (Severance/Game of Thrones) und Big Special, die seiner inneren Stimme Ausdruck verleihen. Letzterer singt ruhig über die Vorzüge eines glücklichen, „guten Lebens“, während Christies exzentrischer Rap die Selbstverachtung und Verwirrung verkörpert, die durch selbstzerstörerische Impulse ausgelöst werden – Impulse, die dieses mentale Gleichgewicht immer wieder zerschlagen. Ein Sleaford-Mods-Kitchensink-Drama, neu inszeniert im Palast des Geistes.

Sicher trug auch die Arbeit in Studios wie Abbey Road – zum ersten Mal –, neben Bristols Invada und ihrem gewohnten Zuhause bei Nottingham’s JT Soars, zur Weite des Albums bei, da dem Duo dort neue Geräte und Instrumente zur Verfügung standen. Doch dieser Ansatz selbst ist Ausdruck des Umdenkens, das Fearn und Williamson darüber vollzogen haben, wie sie Sleaford Mods sein wollen.

Während Fearn bei früheren Alben jeden Aspekt der Aufnahme selbst betreute, wurde er diesmal in den Studios technisch unterstützt – was ihm erlaubte, seine kreative Energie anders zu channeln. „Früher verbrachte er viel Zeit mit dem Engineering, also sagten wir: ‚Probieren wir mal was anderes‘ – und er konzentrierte sich auf die Produktion“, erinnert sich Williamson. „Wir waren im März in Abbey Road und arbeiteten an Elitest G.O.A.T. und Flood The Zone, die ursprünglich einfache Akustikgitarren-Ideen von mir waren. Da begann sich der Sound wirklich zu verändern. Er konnte sich auf die Produktion konzentrieren – und das hat alles geöffnet. Was er in diese Songs brachte, wäre mir nie eingefallen. Ich hatte sie mir als schmutzige Garagenrock-Stücke vorgestellt – ich hörte damals viel das erste Ramones-Album – aber er verwandelte sie in etwas Sternenhaftes, fast Northern-Soul-artiges. Danach ging es richtig voran.“

Von dieser neuen Dynamik beflügelt, begann Williamson, noch vor den nächsten Aufnahmesessions neue Songs zu schreiben, inspiriert von Bands wie The Specials, The Selecter – und, wie er freimütig zugibt, von seinen eigenen Tränen. „Ich habe in letzter Zeit viel mehr geweint – nicht zu viel, aber es hat alles verändert“, erklärt Williamson. Die Arbeit an seiner mentalen Gesundheit habe seine Texte emotional vielfältiger gemacht. „Ich war neulich im Urlaub und habe einfach beim Essen angefangen zu weinen, weil ich glücklich war. Total verrückt, aber es hilft – ich beginne endlich, mit meinen Gefühlen in Kontakt zu kommen.“

Als Ergebnis dieser tiefgreifenden Veränderungen ist The Demise Of Planet X zweifellos ein Sleaford-Mods-Album – aber eines, das Orte erreicht, die das Duo zuvor nie betreten hat.

Das klingelnde Elitest G.O.A.T. bringt Aldous Harding in die Umlaufbahn der Band – ihre federleichte Stimme kontrastiert süß mit Williamsons Schmirgelpapier-Rap –, während auf Vorschlag ihres Labels Rough Trade No Touch ein Duett zwischen Williamson und Sue Tompkins (von der schmerzlich vermissten Band Life Without Buildings) präsentiert. Mit einem auffallend anrührenden Herzen verweben sich ihre menschlichen Stimmen über einem geschmeidigen Bass und einem Spieluhr -Motiv.

Der Nottinghamer Singer-Songwriter Liam Bailey fügt dem weltmüden MAGA-Abgesang Flood The Zone eine soulig-klagende Note hinzu, während der ebenfalls aus Nottingham stammende Rapper Snowy auf The Kill List mit präzisen Zeilen glänzt – ein Horror-Hip-Hop, dessen zentrale Bildsprache vom gleichnamigen Film des Bandfreundes und gelegentlichen Partners Ben Wheatley inspiriert ist.

„Mit den Leuten, die wir auf dieses Album eingeladen haben, haben wir sie fast wie Instrumente eingesetzt“, sagt Williamson über die Kollaborationen. „Man mag ihre Arbeit, kennt ihre Stimmen – also geht man mit einer Idee auf sie zu, von der man weiß, dass sie funktioniert. Sue Tompkins kannten wir vorher nicht. Sie kam nach Bristol, um mit uns aufzunehmen, und hatte all diese kleinen, skurrilen Einzeiler, die wir an den Anfang und das Ende des Songs gesetzt haben – und in einer Stunde war das Stück fertig.“

Fearns und Williamsons Zusammenarbeit zu zweit ist ebenso erfinderisch. Bad Santa sprengt die Rückkehr Trumps und toxische Männlichkeitsideale mit der vielleicht bislang reflektiertesten Atmosphäre der Mods, während das Schulzeit-Flashback Gina Was mit rohen gesprochenen Worten beginnt, bevor ein federnder Rap einsetzt – The Demise Of Planet X ist ein Album voller Tiefe und Zwischentöne, ohne dass der gewohnte Biss der Band fehlt.

Indem sie das Thema aus The Magic Roundabout verfremden, verwandelt der Titeltrack die Handlung von Shirley Valentine in eine Allegorie für Englands Niedergang, während die erste Single Megaton mit bedrohlicher Elektronik tickt und kulturelle Mittelmäßigkeit und Klischees auseinandernimmt – Beat für Beat.

Man kann mit Recht sagen: „Untergang“ hat noch nie so lebendig, vielfältig und… lebendig geklungen.

„Ich will mir nicht selbst auf die Schulter klopfen, während der Rest der Welt vor die Hunde geht“, grinst Williamson, „aber ich bin wirklich glücklich mit The Demise Of Planet X. Es springt dir nicht einfach ins Gesicht – man muss schon die Brille aufsetzen und genau hinsehen, um die Zutaten zu erkennen.“

Mit seiner musikalischen Feinheit und seiner Zeitkritik, die sich von den Machtkorridoren bis in die dunklen Ecken des Geistes erstreckt, haben Sleaford Mods ein aufrüttelndes und berührendes Album geschaffen, das bis zum Ende der Zeit Bestand haben wird… wann auch immer das sein mag.

LIVE:
14.03. Berlin – Tempodrom
15.03. Hamburg – Grosse Freiheit 36 (ausverkauft)

Text: Pressemitteilung

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