Jowee Omicil – Smilles
Mit Smilles legt der haitianisch-kanadische Multiinstrumentalist Jowee Omicil ein Album vor, das sich konsequent jeder stilistischen Schublade entzieht. Zwischen Jazz, Spiritual Music, Afrobeat, Improvisation und Spoken-Word-Ästhetik entfaltet sich eine Klangwelt, die weniger auf klassische Songstrukturen als auf Atmosphäre, Energie und spirituelle Offenheit setzt.
Omicil versteht Musik als Kommunikationsform – und genau das ist auf Smilles deutlich zu hören. Seine Bläserarbeit (Saxofon, Klarinette, Bassklarinette) steht dabei im Zentrum: mal meditativ schwebend, mal eruptiv und expressiv. Die Stücke wirken oft wie musikalische Gespräche, in denen sich Rhythmus, Melodie und freie Improvisation ständig neu begegnen. Dabei geht es weniger um Virtuosität als Selbstzweck, sondern um das gemeinsame Erforschen von Klang und Emotion.
Produktion und Arrangements lassen bewusst Raum für Unvorhersehbarkeit. Smilles lebt von Dynamik, Brüchen und Übergängen, die sich nicht immer sofort erschließen, aber mit jedem weiteren Hören neue Details preisgeben. Das Album fordert Aufmerksamkeit – und belohnt sie mit einer dichten, organischen Klangreise.
Thematisch schwingt eine starke spirituelle und humanistische Dimension mit. Omicils Musik wirkt wie eine Einladung zum Innehalten, Zuhören und Verbinden. Gerade in einer Zeit, in der vieles auf schnelle Hooks und algorithmische Verwertbarkeit getrimmt ist, setzt Smilles auf Tiefe, Prozess und kollektive Energie.
Smilles ist kein leicht konsumierbares Jazz-Album, sondern ein offenes, suchendes Werk voller Wärme, Kraft und musikalischer Neugier. Jowee Omicil zeigt eindrucksvoll, wie zeitgenössische Jazzmusik zugleich spirituell, politisch und zutiefst menschlich klingen kann.
Text: Dennis Kresse
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