Wir erleben – selbst wenn wir es nur schemenhaft wahrnehmen – einen Weltwechsel. Die Welt, in die wir hineingeboren wurden, zieht sich zurück, ausgehöhlt und umgeformt durch menschliches Handeln. Was bleibt, ist die Frage, was wir mitnehmen und wo wir uns weigern, uns selbst preiszugeben. Will Oldhams neues Album We Are Together Again wirkt wie eine Antwort, leise, aber beharrlich. In seinen Songs – und im Kreis jener, die sich unter dem Namen Bonnie „Prince“ Billy versammeln – werden Freundschaft, Gemeinschaft und die eigensinnige Freude am gemeinsamen Musizieren zu einer Praxis des Überlebens.
Das ist keine Verdrängung des Kollapses, das wäre Selbstbetrug. Es ist eher eine Form von Trotz: ganz Mensch zu bleiben, ganz gegenwärtig, in einer Welt mit schrumpfendem Horizont. Das Album rahmt sich selbst mit „Why is the Lion?“ und „Bride of the Lion“, These und Epilog zugleich. „Hope of something beginning to rise … is it my voice, or, better yet, ours?“ Genau so klingt diese Platte: Menschen, die nicht reparieren wollen, was zerbrochen ist, sondern das Licht lange genug halten, um einander noch zu erkennen.
Dass sich hier ein echtes Gemeinschaftsgefühl einstellt, ist kein Effekt, sondern Ergebnis. We Are Together Again ist ebenso sehr Zusammenkunft wie Tonträger. Das Studio wird zum Versammlungsort, zu einer kleinen Republik des Klangs, weitgehend unbehelligt von technischer Glättung. Freund:innen, Weggefährt:innen und Familie – von Sally Timms bis Ned Oldham – verleihen ihre Stimmen, verwandeln Einsamkeit in geteiltes Zeugnis.
Diese Musik löst die Angst nicht auf. Sie begegnet ihr mit Harmonie. Und erinnert daran, dass dort, wo Stimmen gemeinsam fragen, das Fragen selbst schon Hoffnung ist.
Text: Pressemitteilung
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