Kontrollverlust als Konzept: Die Dorks bleiben „Unberechenbar“

Die Dorks – Unberechenbar

Mit Unberechenbar liefern Die Dorks genau das ab, was der Titel verspricht: ein Album, das sich konsequent jeder klaren Erwartungshaltung entzieht. Punk ist hier nicht nur musikalische Grundhaltung, sondern Methode – roh, kantig, manchmal sperrig, dann wieder erstaunlich eingängig. Die Songs wirken bewusst unfertig im besten Sinne, voller Brüche, Tempowechsel und überraschender Richtungsänderungen.

Musikalisch bewegen sich Die Dorks irgendwo zwischen klassischem Deutschpunk, Garage-Attitüde und rotzigem Indie-Rock. Die Gitarren sind scharf, der Bass treibt stoisch nach vorne, das Schlagzeug hält alles zusammen, während der Gesang oft mehr deklamiert als schmeichelt. Gerade diese Unmittelbarkeit verleiht Unberechenbar seine Wucht: Hier wird nichts geglättet, nichts erklärt, nichts entschärft.

Textlich pendelt das Album zwischen Alltagsbeobachtung, persönlicher Überforderung und gesellschaftlicher Reibung. Die Dorks stellen Fragen, ohne Antworten liefern zu wollen, und beschreiben Zustände, die sich oft genauso widersprüchlich anfühlen wie die Gegenwart selbst. Ironie blitzt immer wieder auf, kippt aber nie ins Beliebige – dafür bleibt der Ton zu ehrlich, zu direkt.

Unberechenbar ist kein Album für den schnellen Konsum. Es fordert Aufmerksamkeit, Reibung und ein gewisses Maß an Offenheit. Wer sich darauf einlässt, bekommt ein kompromissloses Statement: laut, unbequem und angenehm frei von Kalkül. Genau so sollte Punk auch heute noch klingen.

Text: Dennis Kresse

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