RIOPY – Be Love
Be Love ist ein Album, das nicht aus Erfolg heraus entstanden ist, sondern aus einer existenziellen Zäsur. RIOPY, dessen Karriere mit Klassik-Chartspitzen, Milliarden Streams und ausverkauften Konzerten scheinbar unaufhaltsam verlief, wurde jäh ausgebremst, als sein Körper versagte. Dieses fünfte Album erzählt von der Rückkehr – nicht auf die Bühne, sondern ins eigene Leben.
Musikalisch besinnt sich RIOPY auf seine Wurzeln: das Solo-Klavier. Reduktion ist dabei kein Stilmittel, sondern Haltung. Neu ist der Einsatz seiner eigenen Stimme, den er bislang bewusst vermieden hatte. Auf Be Love wirkt sie nicht wie ein zusätzlicher Ausdruck, sondern wie ein notwendiger. Flüsternd, vorsichtig und verletzlich fügt sie sich in die geschichteten Klavierarrangements ein und schafft eine besondere Nähe.
RIOPYs Biografie war schon immer von Resilienz geprägt. Aufgewachsen in einer Sekte, isoliert von der Außenwelt, fand er früh in der Musik einen Weg zur Selbstheilung. Diese Erfahrung zieht sich auch durch Be Love. Intime Stücke wie „Long Way Home“ verweben Gesang, Atem und Klavier zu einer stillen Zwiesprache zwischen Überleben und Transzendenz.
Das Album verzichtet auf große Gesten und Pathos. Stattdessen setzt es auf Ruhe, Geduld und Offenheit. Be Love ist keine Musik für den schnellen Konsum, sondern für Momente des Innehaltens. Wer sich darauf einlässt, erlebt ein Werk, das weniger gehört als gefühlt werden will – und gerade darin seine größte Stärke entfaltet.
Text: Dennis Kresse
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