Mit den Alben Retrospective, Conspiracy und Innuendo hat das Tobias Hoffmann Jazz Orchestra in den vergangenen Jahren ein geschlossenes Werk vorgelegt, das von kontinuierlicher Entwicklung, kompositorischer Sorgfalt und einem ausgeprägten Sinn für orchestrale Dramaturgie geprägt ist. Tobias Hoffmann erweist sich darin gleichermaßen als Saxophonist, Komponist und Arrangeur, der den Jazz nicht neu erfinden will, sondern ihn aus innerer Notwendigkeit weiterdenkt.
Retrospective bildet dabei den Ausgangspunkt. Das Album wirkt weniger wie ein Rückblick als wie ein Fundament. In der überschaubaren Besetzung entfalten sich melodisch geprägte Kompositionen, die Raum lassen für Individualität, ohne die formale Klarheit aus den Augen zu verlieren. Hoffmanns Schreiben ist hier bereits geprägt von struktureller Präzision und einem feinen Gespür für Balance zwischen Ensemble und Solist*innen. Nichts wirkt beiläufig, nichts überdekoriert – die Musik erzählt ruhig, aber bestimmt.
Mit Conspiracy öffnet sich das Klangbild deutlich. Der Schritt zur Big Band ist kein bloßes Größenwachstum, sondern eine inhaltliche Erweiterung. Die Arrangements sind dichter, rhythmisch vielschichtiger und zugleich klar geführt. Kraftvolle Tutti-Passagen stehen neben kammermusikalisch anmutenden Momenten, Spannung entsteht weniger durch Lautstärke als durch innere Bewegung. Hoffmann gelingt es, die klassische Big-Band-Tradition hörbar zu würdigen, ohne in museale Gesten zu verfallen. Stattdessen entwickelt sich ein moderner Orchesterjazz, der Energie und Kontrolle miteinander verbindet.
Innuendo schließlich markiert den bisherigen Reifepunkt dieses Weges. Die Kompositionen sind komplexer gedacht, ohne an Zugänglichkeit zu verlieren. Große Bögen und feine Details greifen ineinander, die Musik entfaltet sich organisch und verlangt Aufmerksamkeit. Hier zeigt sich Hoffmanns besondere Stärke: das Denken in Formen, die nicht auf Wiederholung, sondern auf Entwicklung setzen. Solistische Momente sind präzise eingebettet, das Orchester agiert als atmender Körper, nicht als bloßes Klangvolumen.
Über alle drei Alben hinweg wird deutlich, dass das Tobias Hoffmann Jazz Orchestra kein Projekt des schnellen Effekts ist. Es geht um Haltung, um handwerkliche Tiefe und um eine Musik, die ihre Wirkung aus Konzentration und innerer Logik bezieht. In einer Zeit, in der Jazz oft zwischen Traditionspflege und Grenzüberschreitung zerrieben wird, behauptet dieses Werk einen eigenen Raum: selbstbewusst, durchdacht und von nachhaltiger Wirkung.
Text: Dennis Kresse
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