Im Gespräch mit Martin McCann (SACK)

1. Sack hat schon immer einen eigenen Sound gehabt. Wie fühlt sich für dich die musikalische Entwicklung der Band über die Jahre an?

Ich glaube, es gibt verschiedene Phasen des SACK-Sounds. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass immer wieder neue Mitglieder dazukamen, die ihren eigenen Einfluss in ein gemeinsames Grundverständnis des Sounds einbringen. Wir sind immer offen für Veränderungen, aber es gibt ein paar Grundregeln, an die wir uns halten – zum Beispiel keine bluesigen Gitarrenriffs und kein Slap-Bass!

2. Als Frontmann: Welche Themen oder Emotionen kehren beim Schreiben oder Performen immer wieder zu dir zurück?

Meine Songs entstehen meist aus persönlichen Erfahrungen, werden aber in vielen Fällen unbewusst zu Fiktion. Dadurch öffnen sich die Inhalte für ein breiteres Verständnis bei den Hörer*innen. Auf der Bühne pflege ich verschiedene Marotten und Aktionen, die man als Versuch deuten könnte, meine ehrlichen Gefühlsausbrüche ein bisschen zu kaschieren.

3. Du bist eine wichtige Stimme in Irlands LGBTQ-Community. Wie hat das deine künstlerische Identität geprägt?

Es ist enorm wichtig, sich selbst zu vertrauen und an sich zu glauben. Zu wissen, wer man ist und wofür man steht – von der eigenen Sexualität bis zu politischen Ansichten. Wenn man sich in der eigenen Haut wohlfühlt, prägt das automatisch die künstlerische Identität und lässt sie freier fließen.

4. Beeinflusst deine Sichtbarkeit als queerer Künstler, wie das Publikum eure Musik wahrnimmt?

Es gab eine Zeit, in der ich das Gefühl hatte, dass es mir als queerer Künstler in einer ansonsten „straighten“ Band eher hinderlich war – besonders im Hinblick auf Musikpresse und Vernetzung innerhalb der irischen Musikszene. Mittlerweile sehe ich aber eine deutlich größere LGBTQ+-Präsenz, vor allem bei unseren Liveshows.

5. Dublins Nachtleben verändert sich ständig. Wie hat die Clubszene deine kreative Arbeit beeinflusst – sowohl mit Sack als auch als DJ?

In den 90ern, als ich tief in der Clubkultur steckte und bereits seit über 30 Jahren als DJ aktiv bin, ist ein Teil dieser Welt in die Musik von SACK eingeflossen – und wir haben das auch bewusst zugelassen. Als DJ habe ich eine Clubnacht für die Bear-Community in Dublin ins Leben gerufen, „The Furry Glen“, benannt nach einem Cruising-Bereich im Phoenix Park. Seit Covid habe ich nicht mehr wirklich aufgelegt, gehe aber gelegentlich zurück zu den Wurzeln und spiele Soul, Ska und 80er-Singles in einer beliebten Bar in Dublin.

6. Was gibt dir das DJing, was dir das Spielen mit Sack nicht gibt – und umgekehrt?

Mein DJ-Leben und mein SACK-Leben sind zwei völlig unterschiedliche Identitäten. Das Publikum unterscheidet sich deutlich. Als DJ kann ich Musik präsentieren, die mich beeinflusst hat – während ich mit SACK Musik und Texte präsentiere, die ich erschaffen habe, und damit hoffentlich andere motiviere, selbst kreativ zu werden.

7. Haben Erfahrungen aus der LGBTQ-Clubszene ihren Weg in Sack-Songs gefunden – textlich oder atmosphärisch?

Spontan fallen mir ein paar Momente auf unserem dritten Mini-Album Adventura Majestica ein, die klare Verweise auf Clubkultur enthalten. Das Album startet mit einem Sample des Publikums einer Nacht, bei der ich in Dublin aufgelegt habe – HAM (Homo Action Movies) – gefolgt von einem klassischen Four-to-the-Floor-Kick.

8. Was ist die größte Veränderung, die du in der Darstellung von LGBTQ-Künstlern in der irischen Musik seit deinem Beginn wahrgenommen hast?

Es gibt heute deutlich mehr Sichtbarkeit unter LGBTQ+-Künstler*innen in Irland – und das ist sehr gesund für die Szene.

9. Wenn du mit einem aktuellen irischen Artist – innerhalb oder außerhalb der queeren Szene – zusammenarbeiten könntest, wer wäre das und warum?

Ich liebe die Texte von Conor O’Brien (Villagers). Er hat vor ein paar Jahren wunderschöne Bläser für einen Track beigetragen – „The Hit From That High“ –, der leider noch unveröffentlicht ist. Eine weitere, klarere Zusammenarbeit mit ihm würde ich jederzeit begrüßen.

10. Was inspiriert dich im Moment – musikalisch oder persönlich –, wenn du an das nächste Kapitel von Sack denkst?

Touren war für mich immer einer der reizvollsten Aspekte des Musikerlebens. Ich freue mich darauf, mehr von der Welt zu sehen und die Möglichkeit zu bekommen, meine künstlerische Arbeit neuen Zuhörer*innen näherzubringen.

Vielen Dank für das schöne Gespräch.

Fragen: Dennis Kresse

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