Freakshow im Düsterkostüm: Zappas Halloween ʼ78 als anarchisches Meisterstück“

Frank Zappa – Halloween 78

Frank Zappa und Halloween – das war nie nur Konzert, sondern Ritual, Kontrollverlust und musikalische Beweisführung, dass Genie und Wahnsinn einander nicht nur berühren, sondern fröhlich Arm in Arm auf der Bühne Polka tanzen. „Halloween 78“ dokumentiert jene legendären Auftritte im New Yorker Palladium und zeigt Zappa auf dem vielleicht kompromisslosesten Zenit seiner Kreativität: wild, virtuos, völlig enthemmt und mit einer Band, die selbst in den komplexesten rhythmischen Verwerfungen keine Sekunde Orientierung verliert.

Hier taumelt nichts – auch wenn es manchmal so klingen soll. Gitarrenlinien peitschen wie Nachtwind durchs Hirn, Saxophon und Keys setzen irre Stiche, und rhythmisch wird jongliert, bis Zeitgefühl nur noch ein freundlicher Vorschlag ist. Zappa führt sein Publikum wie ein Hexenmeister: mal mit mörderischem Funk, mal mit jazziger Präzision, mal mit groteskem Humor, der so scharf ist wie ein Halloween-Kürbis frisch geschliffen. Und immer wieder sind diese Soli da – monströs, unverschämt lang, aber so zwingend, dass man sie nicht schneiden, sondern rahmen möchte.
Das Publikum? Ekstatisch. Der Sound? Rau, lebendig, scharfkantig, wie Live-Musik nun mal sein sollte, wenn sie nicht nur unterhalten, sondern elektrisieren will.

„Halloween 78“ ist kein nostalgischer Rückblick – es ist eine Zeitkapsel voller glühender Energie und musikalischer Anarchie, die bis heute frischer klingt als viele aktuelle Konzertaufnahmen.
Wer Zappa verstehen will, muss hier durch. Wer Zappa liebt, weiß schon, warum. Und wer glaubt, Prog, Jazzrock und Avantgarde seien trocken – der hat Halloween mit Zappa nie erlebt. Hier wird nicht gebettelt, hier wird gebissen. Und man genießt jeden Biss.

Text: Dennis Kresse

Erzählt von uns: Facebooktwitterby feather