Zweilaster, das ist Sparring mit Alltagszuständen, das sind schlaue Reflexionen aus dem beschissenen Leben, das sind unbedachte bis ungedachte Gedanken aus Internet-vermüllten Köpfen – übertragen in Lyrics, vielmehr allerdings noch in Sounds. Zweilaster haben – letztlich schon im Zuge ihres ersten Albums „bellend bin ich aufgewacht“ aus 2021 – ein musikalisches Genre erspielt, das sich explizit nicht vor Königin Musik verbeugt und sogenannte Profimucker verlässlich pikiert.
Vielleicht wäre „Low-Fidelity-Flat-Wave“, vielleicht „Outsider-Pop“‚ die richtige Bezeichnung für das, was da vor sich geht – sicher ist, dass im Staate Zweilaster alles kann und nichts muss; dass auf wirklich nichts Verlass ist; dass Langeweile und Gefälligkeit stets mit allen Mitteln fieberhaft bekämpft werden. Gitarrist AK99 und Schlagzeugerin Ollenixxe tragen durch ihre Frontsänger*innen-Koexistenz gleichermaßen zur Sprengung des überbewerteten Hüftgürtels Melodie bei. Schiefe Chöre, salzige Riffs, ruppige Taktbrüche, anarchische Freestyles, schwer nachvollziehbare Assoziationsketten, cholerische Nervgeräusche, schlingernde Saxofon- und Mundharmonika-Passagen und offene wie sperrige Lied-Strukturen sind explizit erlaubt, Dilettantismus ist hier Stilmittel und Werkzeug, kein Defizit – und Teil der Performance.
Zweilaster sind eine Band aus Stuttgart-Nord, die nicht erklärt, deren Kryptizität nicht durchbrochen werden, deren Korsettbefreitheit nicht in ein Korsett gezwängt werden sollte. Wer den bizarren Anti-Style des Duos markttauglich machen will und versucht, es in Zusammenhänge hineinzuschreiben, mit denen Ollenixxe und AK99 nicht zusammenhängen wollen, wird höchstwahrscheinlich und hoffentlich scheitern. Ebensowenig sollte versucht werden, die nahende vierte, beim Berliner Kleinstlabel Tomatenplatten erscheinende Zweilaster-LP – das „Poesiealbum“ – als auch nur im Ansatz stringentes Konzeptprojekt zu framen, denn: Diese Band ist immer dann am hörens- und sehenswertesten, wenn sie das Konzept Konzeptlosigkeit auf das nächst-absurdere Level hebt.
Dass das „Poesiealbum“ einem wilden Ritt durch einen noch wilderen Popkultur-Referenzenkatalog gleicht, verdeutlicht schon das collagenartige Artwork der Platte, in dem kitschige Porträtfotos, Pinienzapfen und Web-1.0-Clipart-Ästhetik vermengt werden. Hier haben Menschen Musik gemacht, die gleichermaßen von Iggy Pop und Bushido, Helge Schneider und Kraftwerk, Ronnys Popshow und Pipilotti Rist geprägt wurden und bereit sind, die sich dadurch ergebende himmelschreiende Unstringenz auszuhalten, ja, sogar offen zur Schau zu stellen.
Text: Pressemitteilung
Credits: Maxim Schipko