V.A. – Barfuß in Scherben Compiled by Gunther Buskies & Jochen Schneider

Es geht weiter in Sachen 50 Jahre Punk: nach der Buchveröffentlichung und Compilation „Angriff aufs Schlaraffenland“ nimmt der Ventil Verlag das Jubiläum zum Anlass, einen Songcomic zu herausragenden Songs des Deutschpunk zu veröffentlichen. Tapete Records begleitet diese Veröffentlichung mit einer Compilation zum frühen deutschsprachigen Punk, mit einem Fokus auf die Jahre zwischen 1979 und 1986 – den Jahren also, in denen die Welt noch unterging. Mit insgesamt 14 Songs zeigt die Compilation, wie aufregend und vielseitig der frühe deutsche Punk geklungen hat.

„Die Revolution ist vorbei – wir haben gesiegt“, betitelte Alfred Hilsberg 1978 einen Artikel in „Sounds“ über Punk, der auch Deutschland mittlerweile erreicht hatte. „Barfuß in Scherben, die Zukunft ist vorbei“, haben dagegen Hans-A-Plast wenige Jahre darauf die Endzeitstimmung ihrer Gegenwart zusammengefasst. Was denn nun? „No Future“ oder siegreiche Revolution?

Wahrscheinlich beides gleichzeitig, denn Punk setzte vor dem Hintergrund des atomaren Wettrüstens auf eine Revolution der unmittelbaren Gegenwart und des Alltags. Und auf von der Musikindustrie unabhängige Strukturen: Ab 1979 veröffentlichte Hilsberg auf seinem Label ZickZack erste Tonträger von Bands wie Palais Schaumburg, The Wirtschaftswunder, Abwärts oder Freiwillige Selbstkontrolle und leistete damit Übersetzungshilfe für Punk aus dem Englischen ins Deutsche. „Mir blieb gar nichts anderes übrig, als schließlich ZickZack zu gründen. Veröffentlicht werden sollte, was Veränderung ausdrückt und Veränderungen nach sich zieht“, hat Hilsberg rückblickend gesagt.

Ab den späten Siebzigern war Punk also in Deutschland gelandet und in immer mehr Städten entstanden Bands, Plattenläden, Fanzines, Label, Clubs, Szenen. Die Selbstkritik folgte auf dem Fuße: Schon für das Jahr 1981 konstatieren die Liner Notes des Samplers „Paranoia in der Straßenbahn“ „negative Tendenzen“ durch die Popularität und daraus folgende Verwässerung von Punk, und über das Jahr 1983 heißt es: „Das Jahr muss gelten als Abschluss der ersten Hochphase von Punk in Deutschland. Fanzines, Platten, Konzerte bringen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nichts Neues mehr.“

Ob diese pauschale Kritik angesichts von Bands wie Angeschissen, Die Goldenen Zitronen, EA80 oder Mutter haltbar ist, sei dahingestellt, dennoch konzentriert sich diese Compilation auf die frühen Jahre des deutschsprachgien Punk, auf jene Zeit, „als die Welt noch unterging“.

Text: Pressemitteilung

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