The NØ! im Interview mit soundchecker.koeln

Zwischen Ska-Punk, Reggae, Bossa Nova und Metal: The NØ! machen auf ihrem neuen Album „UNERHØRT – Ihre schönsten Songs bis jetzt“ genau das, worauf sie Lust haben – ohne Rücksicht auf Genregrenzen oder Social-Media-Algorithmen. Wir haben mit der Band über Ironie, Stilbrüche, Fußballfrust und Monty Python gesprochen.

soundchecker.koeln: Euer Album heißt „UNERHØRT – Ihre schönsten Songs bis jetzt“. Klingt ein bisschen nach „Best of“, obwohl es euer erstes Album mit neuen Songs ist. Wie ironisch ist dieser Titel gemeint?

The NØ!: Da steckt überhaupt keine Ironie hinter. Es ist tatsächlich so, dass die Songs auf dem Album bis zur Aufnahme einfach unsere schönsten Songs waren. Wir hatten allerdings bis dahin auch noch keine weiteren selbstkomponierten Songs im Repertoire. Bis zum Sommer 2025 waren oder sind das die schönsten Songs von The NØ! Das „Best of“-Album kommt dann 2035.

soundchecker.koeln: Ihr kommt aus der Ska-Punk-Ecke, aber auf dem Album tauchen plötzlich auch Bossa Nova, Roots Reggae und sogar Sludge Metal auf. War das ein bewusster Stilbruch oder einfach das Ergebnis von „Warum eigentlich nicht?“ im Proberaum?

The NØ!: Diese „Stilbrüche“ gab es auch schon zu No Life Lost Zeiten und hoffentlich bleibt das auch bei The NØ! so. Der jeweilige Stil entsteht eher willkürlich. Jemand kommt mit einer Textidee, dann schauen wir, welcher Sound dazu passt. Bei „Der Tapezierer“ war schnell klar, dass Reggae oder Ska nicht funktionieren würden – der Text brauchte ein Metal-Gewand. Die Frage „Warum eigentlich nicht?“ stellen wir uns meistens gar nicht. Wir machen einfach. Entweder es passt – oder eben nicht. Letzteres passiert auch… öfter.

soundchecker.koeln: Viele Songs greifen aktuelle Themen auf – Social Media, KI, Ego-Kultur. Ist Ska-Punk für euch eher politisches Ventil oder satirische Beobachtung?

The NØ!: Beides irgendwie. Musik machen ist für uns immer auch ein Ventil. Bands wie The Clash oder The Specials haben uns geprägt – die waren politisch, klar. Wir nutzen unsere Songs aber eher für satirische Beobachtungen. Und das ist dann oft automatisch politisch.

soundchecker.koeln: „Ich mag Ich Nicht“ beschäftigt sich mit Selbstbild und digitalem Leben. Wie sehr beeinflussen Social Media euch als Band?

The NØ!: Ehrlich gesagt: kaum. Unser Label hat uns irgendwann freundlich dazu gedrängt, überhaupt auf Social Media stattzufinden. Hat dann nochmal ein halbes Jahr gedauert, bis das jemand übernommen hat. Unser Highlight war ein Club, der uns sagte: „Bei uns spielen nur Bands mit über 5000 Followern.“ Wir dachten bei 200 noch: läuft doch! Der Song selbst zielt aber eher auf Influencer-Kultur ab – und darauf, wie wenig Niveau oft noch eine Rolle spielt.

soundchecker.koeln: Mit „Der Tapezierer“ habt ihr einen Ausflug in Richtung Metal – inklusive Gast von Rob Gonnella von Assassin. Wie kam das zustande?

The NØ!: Ich kenne Rob seit 25 Jahren. Wir haben sogar mal zusammen Fußball in China gespielt – lange Geschichte. Für mich war immer klar: Wenn es passt, muss er dabei sein. Und bei „Der Tapezierer“ hat es einfach perfekt gepasst.

soundchecker.koeln: „Töten mit Witz“ ist eine Hommage an Monty Python. Was hat euch daran am meisten geprägt?

The NØ!: Schwer zu sagen, es gibt so viele Momente. Filme wie „Das Leben des Brian“ oder „Der Sinn des Lebens“ haben unseren Humor auf jeden Fall massiv beeinflusst.

soundchecker.koeln: „Fußball, Du bist ein Arsch“ ist ziemlich deutlich. Frustrierte Fans oder genervt vom Busin
ess?

The NØ!: Beides. Frustriert sind wir wegen unserer Teams – das ist hausgemacht. Aber das moderne Fußballbusiness finden wir einfach nur noch schlimm. Der Song beschreibt genau diese Hassliebe: Eigentlich will man nicht mehr hin – und steht eine Woche später doch wieder im Stadion.

soundchecker.koeln: Ihr habt zuvor Songs eurer alten Band neu interpretiert. Ist The NØ! eher Neuanfang oder Fortsetzung?

The NØ!: Ein bisschen von beidem. No Life Lost war die Vorgeschichte, The NØ! ist jetzt der Hauptteil. Aber es fühlt sich auch wie ein Neuanfang an, weil sich personell und musikalisch einiges verändert hat.

soundchecker.koeln: Welche Songs vom neuen Album funktionieren live am besten?

The NØ!: Aktuell vor allem „Golfplatzhooligans“ und „Das Leben ist Schön“. Der eine lädt zum Mitgrölen und Pogen ein, der andere ist eher eine entspannte Reggae-Nummer.

soundchecker.koeln: Wenn „UNERHØRT“ nur der Anfang ist – wie soll ein zukünftiges The-NØ!-Album klingen?

The NØ!: Am besten: wilder, politischer und komplett anders. Wir wollen uns nicht wiederholen. Einige neue Songs gibt’s schon – und wir sind guter Dinge, dass das in eine spannende Richtung geht.

Fragen: Dennis (soundchecker.koeln)

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