Ich kenne beide und schätze vor allem Philip Simon sehr. Tobias Mann hätte ich jetzt doch eher als Comedian eingeordnet, werde aber an diesem Abend eines Besseren belehrt. Und das gleich mehrfach.
Das Bonner Publikum wird in den Verlauf des Abends eingewiesen. Jeder weiß das Thema des anderen aber eben nicht mehr. Zwischen den beiden Protagonisten mit ihren Themenblöcken gibt es eine Pause. In dieser kann jede/r Fragen notieren und zur Beantwortung einreichen. Zu guter Letzt rundet eine Überraschung den Abend ab.
Tobias Mann beginnt und nimmt sich den CDU-Parteitag vor. Dazu werden Passagen aus Reden abgespielt. Vor allem Friedrich Merz‘ Rede wird von Mann beleuchtet. Diese ist ehrlicherweise rhetorisch einwandfrei und bietet auch sonst nicht viel Anlass zur Aufregung. Ein Aspekt ist aber das Sprachtempo und wann er Pausen setzt. Und das wirkt manchmal erheiternd, denn das passt nicht immer gut zusammen. Ab und zu denkt man, dass ein Satz stimmig beendet ist und dann kommen doch noch ein paar Worte. Ebenso merkt man an, dass in China an Parteitagen geklatscht wird.
Nach der Pause machen wir alle miteinander weiter. Doch bei den Fragen macht das Bonner Publikum nicht die beste Figur. Wirklich gute und vollwertige, konkrete Fragen kann Tobias Mann kaum finden, dadurch ist dieser Punkt zügig abgehakt.
Danach ist Philip Simon mit seinem Punkt „Politischer Aschermittwoch“ dran und hat von jeder Partei und Rede Ausschnitte im Gepäck. Natürlich waren auch die Statements vom CDU-Parteitag nicht angenehm, aber was jetzt folgt stimmt nachdenklich und ist beängstigend und lässt mich als Teil einer Randgruppe fassungslos, geschockt aber auch hilflos zurück. Und es ist interessanterweise nicht die AfD, die mich aufregt. Die Rede ist einfach nur wirr und beinhaltet zum Beispiel, dass man jetzt schon in der eigenen Wohnung den Bademantel verstecken muss, wenn die Polizei kommt. Wie bitte? In der Schule hätte man in einer Arbeit eine Sechs bekommen, da das Thema verfehlt wurde.
Nein, die CSU, bzw. Markus Söder ist es. Er greift die Presse massiv an, unterstellt ihr absichtlich zu lügen und wertet sie übelst ab. Er stellt Leben von Polizisten höher als von Asylanten, greift aber wenige Passagen die AfD an, dass bei ihr nicht alle Menschen gleich sind. Die CSU ist die einzig wahre Partei, der Rest ist links und somit unbrauchbar. Und nur die CSU kenne die Wahrheit.
Das ängstigt, weil exakt so argumentiert auch Trump. Und Simon merkt an, dass die Kritik an Söders Rede weitgehend ausblieb und ausbleibt. Das sei eine echte Gefahr für die Demokratie. Zum Glück ist die Überraschung zum Schluss von Humor geprägt. Das Publikum darf einige Stichworte reinrufen und Bademantel und In China wird geklatscht sind ganz vorne mit dabei. Daraus erstellt eine KI dann einen Schlagertext mit passender Musik. Der Abend hat mir nochmal gezeigt, mit welch harten Bandagen gekämpft wird und was für Aussagen und Absichten wieder salonfähig sind. Und deshalb war der Abend toll und wertvoll, auch wenn mir das Lachen im Halse steckenblieb und ich jetzt leider verängstigter in die Zukunft blicke.
Text: Jan Rombout
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