Ausverkauft meldet das Pantheon zu dem Stück, in dem Gerd Dudenhöfer nochmal in seine Paraderolle Heinz Becker schlüpft. Die Frau Hilde ist gestorben und er kommt gerade von der Beerdigung zurück und setzt sich an den Küchentisch. Von da an denkt Heinz Becker über sein Leben nach, auch über sein künftiges. Dass er jetzt allein sein Bier holen muss und gucken muss, wie er alles organisiert. Mit pechschwarzem, sarkastischem Humor spielt Dudenhöfer als Becker verschiedene Lebenssituation durch und spricht verschiedene gesellschaftliche Themen an. Seine Kindheit, viel Arbeit, wenig Gefühl(e), harte Strafen, wenn er nicht spurte. Hier wird schonungslos das Problem der Generation Silent in der heutigen Zeit aufgedeckt.
Was mir gefällt, dass Dudenhöfer in seinem Monolog hin und wieder sarkastische Wortspiele einbaut, auch wenn er ernste Themen streift, wie bei passiver und attraktiver Sterbehilfe. Er hält der jetzigen Gesellschaft auch den Spiegel vor, wie eventuell manche sich abgehängt fühlen können und liefert somit die Basis des unzufriedenen Deutschen oder eines Misanthropen. Interessanterweise wird Dudenhöfer dabei allerdings nie parteipolitisch.
Für all das braucht Dudenhöfer extrem wenig. Eine Lampe von der Decke hängend, ein Tisch und ein Stuhl und er fängt an zu reden. Es gleicht einem Kammerspiel. Für jene, die die Figur Heinz Becker nicht kennen oder nicht mögen, mag das schwer nachvollziehbar sein. Doch die Kombination aus Mundart, Mimik, Gestik, sprachlichem Witz und einer grotesk-realen Darstellung macht das Programm auch nach über 30 Jahren noch unterhaltsam. Heinz Becker bleibt eine beständige Figur, die versucht, sich in einer sich wandelnden Welt zurechtzufinden. Besonders auffällig sind die kurzen, überraschenden Trauermomente, die Gerd Dudenhöfer überzeugend spielt.
Gute zwei Stunden nimmt und gibt er sich dafür Zeit und Raum und bleibt dabei doch stets meist bei sich. Das Altersheim oder der Umgang mit Behinderungen wird nur kurz gestreift, für Heinz Becker scheint es wichtiger zu überlegen, wer jetzt die Wäsche macht und den Kartoffelsalat zaubert. In Zeiten, wo sich Sprache und Themen rasant wandeln, mag sich der ein oder andere Besucher daran stören, dass es sprachlich und politisch nicht korrekt sein. Es kann aber auch wohltuend sein. Und zu guter Letzt, mag man doch erschrecken, wenn man erkennt: Ein bisschen Heinz Becker steckt in uns allen.
Text: Jan Rombout
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