Franz Ferdinand – 04.04.2026 – Palladium Köln

Es ist schon interessant zu sehen, wie schnell es mit der Gunst beim Publikum abwärts aber eben auch aufwärts gehen kann. Zuletzt war die schottische Band erst im Februar 2025 in der Domstadt zu Gast und spielte „nur“ in der Kantine. Jetzt ist es wieder das Palladium, welches auch gut gefüllt ist.

Bei dieser Tour gibt es zwei Bands als Support zu sehen. Nummer eins sind The Great Leslie, die bereits beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest von sich Reden machten und soliden Indierock aufbieten. Der Applaus zwischen den Songs ist spürbar länger als gewöhnlich für eine Vorband. Sie bieten guten Indierock, der zu der Musik von Franz Ferdinand passt:

The Great Leslie Setlist:

Feel Alive
I Like It Here
Under Your Skin
Can’t Touch
King Beard Man
These Days
The Party
Die Zweite im Bunde ist die Band Irnini Mons.

IRNINI MONS stammen aus Lyon, Frankreich, und sind keineswegs zufällig vom Noiserock-Himmel gefallen. Sie sind die Nachfolgeband der allseits bekannten und beliebten DECIBELLES, die sich im Herbst 2021 nach über zehn erfolgreichen Jahren Bandgeschichte aufgelöst haben. In dieser Zeit veröffentlichten die DECIBELLES zahlreiche Tonträger und spielten hunderte Konzerte, wodurch sie sich eine treue Fangemeinde erarbeiteten und einen festen Platz in der französischen Punk- und Noiserock-Szene einnahmen. IRNINI MONS benennen sich nach einem Vulkan auf der Venus, was bereits auf ihre kraftvolle und explosive Musik hinweist. Ihre musikalische Ausrichtung stellt eine spannende Weiterentwicklung aus Hardcorepunk, Noiserock und „Rock Français“ dar.

Dabei versteht sich die Band nicht nur als Bewahrer dieser Genres, sondern verfolgt das Ziel, konventionelle Genregrenzen kontinuierlich zu sprengen und neue klangliche Wege zu erkunden. Mit ihren energiegeladenen Songs und emotional mitreißenden Texten schaffen IRNINI MONS es, sowohl Härte als auch Melodie zu vereinen und setzen damit ein klares Zeichen innerhalb der aktuellen Rocklandschaft. Auffällig ist die gleichgeschlechtliche Besetzung (2 Männer und 2 Frauen). Durch den insgesamt schwächeren Applaus scheint diese Band nicht so zu gefallen, was aber auch dem französischen Gesang geschuldet sein kann.

Dann sind endlich die Schotten von Franz Ferdinand an der Reihe und servieren gleich mal mit „The Dark of the Matinée“ einen Hit zur Eröffnung. Der Sound ist laut und kräftig, selten wirkt der Bass gering übersteuert. Und sofort fällt mir etwas zum wiederholten Male am Sound von Franz Ferdinand auf. Die Stimme und der Gesang von Gründungsmitglied, Frontmann und Sänger Alexander „Alex“ Paul Kapranos Huntley ist wunderbar zu hören und zu verstehen und geht nicht unter bei den Instrumenten, wie es sonst fast immer der Fall ist. Das bekommen die Tontechniker bei Franz Ferdinand gefühlt immer hin. Hier übertönt kein Schlagzeug, keine Gitarre, sondern der Sound ist ausbalanciert. So lässt sich gerne mitgehen, mitsingen oder den Gesang weiterführen, wenn Alex Kapranos das Mikro in Richtung Menge hinhält. Bei sieben Songs vom Erstlingswerk Franz Ferdinand, kann man wohl getrost von einer „Best-of“-Setlist sprechen. Dadurch fällt die Stimmung nie ab und Längen entstehen nicht. Brav wird mitgesungen, streckenweise geklatscht und das auch durchaus mal unaufgefordert. Trotzdem ist in den vorderen Reihen keine Moshpit-Stimmung oder wilderes Gedrängel. Daran ist spürbar, dass auch das Publikum mitaltert und jeder Move mehr Kraft kostet. Der Stimmung tut dies aber keinen Abbruch.

Für die Bühnenshow ist Alex allein verantwortlich. Er fordert zu Mitgesängen auf, springt und rennt auf der Bühne, so dass es ansteckend wird. Und auch bei den Zugaben lassen sie sich nicht lumpen. Ordentliche fünf Stücke runden das Set ab und sorgen noch einmal für Schwung in den Schlussminuten. Auch „Darts of Pleasure“ mit den deutschsprachigen Textzeilen („Ich heiße Super Fantastisch / Ich trinke Schampus mit Lachsfisch / Ich heiße Super Fantastisch.“) sorgt für zusätzliche Stimmung.

Nach rund 90 Minuten ist klar, Franz Ferdinand können es noch und Köln hat sie weiterhin lieb. Bis zum nächsten Mal, egal in welcher Halle.

Setlist Franz Ferdinand:

The Dark of the Matinée
Night or Day
Walk Away
40′
Build It Up
No You Girls
Michael
Audacious
Do You Want To
Stand on the Horizon
The Doctor
Evil Eye
Jacqueline
Take Me Out
Outsiders

Hooked
Darts of Pleasure
Love Illumination
Bar Lonely
This Fire

Text: Jan Rombout

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