Daniel Benyamin Life After Music erscheint am 15.05.!

Wenn Daniel Benyamin Musik schreibt, sind es nie einfach nur schöne Songs.Immer findet sich bei ihm ein größerer Gedanke, ein übergeordnetes Konzept, eine Perspektive auf bestimmte Aspekte des Lebens, die er evaluiert. Mit seinem zweiten Soloalbum betrachtet er nun nicht mehr solche Teilaspekte – sondern das Leben als Ganzes; das Leben nach der Musik. Ein kleines Studio auf einem Kliff am Fuße des Olymp. Die Einsamkeit hier ist perfekt. Nur ganz in der Ferne erahnt man Leben. Hört sich so absolute Stille an? „Dolphin Palace“ heißt der Ort, an dem Daniel Benyamins zweites Soloalbum „Life After Music“ entstand.

Ein Doppelalbum mit vier thematischen Seiten: Es geht um Einsamkeit und Weite, Leben und Stille. Musikalisch und inhaltlich stellt es die Frage, ob mit dem Ende der Stille auch die Musik vorbei sein könnte. Kann die Schönheit, die uns an Musik ursprünglich gefangen nahm, im nervtötenden „White Noise“ von unendlichen Playlists und KI-Musik existieren?

Oder ist Musik selbst als Hintergrundrauschen zum Feind von Ruhe und Inspiration geworden?

Das Ausmaß der Ausbeutung durch Streamingdienste ist längst klar, doch geht das Problem viel tiefer: Mit „veränderten Hörgewohnheiten“ sind wir selbst Teil des Problems geworden. Wo früher der Stolz aufs Entdecken unbekannter Musik regierte, hat aktuell der „Play“-Button der Streamingdienste das Zepter übernommen, der uns ohne Unterlass im Random-Mode 08/15-Musik zuführt, bei der es völlig egal ist, ob sie gehört wird oder nicht. Wo dereinst Songs lebensnotwendig waren zur Selbstdefinition und der Zugehörigkeit zu einer Peer Group, gibt es heute im Grunde überhaupt keinen Soundtrack der Jugend mehr.

Und die Kunst? Biedert und passt sich an – sofern sie überhaupt noch von Menschen gemacht wird, kürzere Songs entstehen, um mithalten zu können. Hier stellt Daniel Benyamin die entscheidende Frage: Haben sich unsere Hörgewohnheiten verändert oder haben wir verlernt, zu hören? Er möchte mit diesem Album eine Lupe auf das Problem richten. Eine Lösung hat er nicht. Eher einen Vorschlag: So veröffentlicht er das neue Album nur physisch als Gesamtwerk, digital in mehreren Schritten, Seite für Seite. Mehr Fragen als Antworten im Kopf, führten diese zu einer Abhandlung über Lebendigkeit undleeren Raum, Einsamkeit und Stille.

Statt sich der erwähnten Anpassung zu unterwerfen, öffnet Daniel Benyamin den Hörer*innen lieber andere Türen: Er legt das Künstliche in der Kunst ab, er zeigt echtes Handwerk und gehaltvolle Inhalte, die aus der Not einen Soundtrack machen. Für das Leben mit, in und nach der Musik. Umso überraschender fängt das Album eher zugänglich an. Kleine, eingängige und experimentelle Popmeisterwerke, sanfter als bei seinem Vorgänger „Eral Fun”, trotzdem knallbunt und voller musikalischer Diversität. Dann, ganz langsam, löst sich das Album bewusst immer mehr auf. Buntes bekommt immer mehr Kontur, wird monochrom. Optimismus wird melancholisch, Grooves rollen in die Ferne. Lautes wird leise. Irgendwann wird Musikalität und Kreativität zu einer Randerscheinung. Passend zur aktuellen Entwicklung.

Denn genau davon handelt das Album musikalisch wie inhaltlich eben auch: Stille und Einsamkeit ls Gegenteil von Lärm. Ohne Pessimismus, sondern im Aussteigen das Positive suchend. Das Gesamtpaket stoppt nicht bei der Musik und den Texten. Als eine Art vitales Gesamtkunstwerk fügt Daniel Benyamin diesem leisen Meisterwerk eine menschlich-soziale, ja politische Ebene hinzu, indem er mit anderen Artists die Ghost Palace Artist Society gegründet hat, eine Initiative, die sich für bedingungsloses Grundeinkommen für Künstler*innen stark macht.

Das Artwork und die dazugehörenden Videos wurden von der Leipziger Künstlerin Laura Straubel in enger Zusammenarbeit entwickelt. „In meinem Kopf läuft ständig Musik“, sagt Daniel Benyamin. „In Städten, wo ständig überall fertige Musik ist, ist es für mich schwer auszuhalten. Lautstärke war nie ein Problem, denn Geräusche inspirieren. Das meiste was man heutzutage hört ist aber eher Werbung als Musik. Und das erschöpft.“

Mit „Life After Music“ bietet er uns nun wunderbare Musik an, die unserem von der alles zudeckenden Konfektionsmusik erschöpften Organismus neues Leben einhauchen kann. Wenn man es zulässt und bereit dafür ist.

Sascha Krüger

Text: Pressemitteilung

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