Betterov – 18.03.2026 – Carlswerk Victoria

Manuel Bittorf alias Betterov ist zur Zeit in aller Munde oder besser gesagt Ohren. Ernste Texte, die sich mit der Wendezeit und die daraus resultierenden Sorgen und Schwierigkeiten seiner Eltern auseinandersetzen, aber eben auch Themen, wie Depressionen und Phobien spricht er wortgewaltig an und trifft den Nerv vieler Leute aus unterschiedlichen Schichten und Altersgruppen. Auch die Geschlechter sind gleichermaßen vertreten. Doch bevor Betterov auf die Bühne kommt, nimmt diese zunächst der Support MARYAM.fyi  für sich ein. Ihren Stil bezeichnet sie selbst als Dreamy Pop, dazu gesellt sich Rap-artiger Gesang, die Musik und Beats kommen vom Band oder werden geloopt und gesampelt.

Frauen auf der Bühne gibt es für meinen Geschmack immer noch zu selten, auch wenn dieser Style nicht so recht zu der Musik von Betterov passen will. Wer die Dame nicht kennt und auch mit ihrem Sound nicht so recht warm wird, kann trotzdem ab und an die Ohren spitzen. Denn sie hat auch Cover in ihrem Repertoire. So bringt sie mit „Baraye“ ein Cover von Shervin Hajipour aber auch „Demo (Letzter Tag)“ von Herbert Grönemeyer Bekannteres zum Vorschein.

Betterov eröffnet sein Konzert eindrucksvoll am Klavier mit dem Titelsong „Große Kunst“ aus seinem im letzten Jahr veröffentlichten gleichnamigen Album.

Dabei wird er von drei weiteren Musikern begleitet, die Gitarre, Bass und Schlagzeug spielen, wodurch ein voller und abwechslungsreicher Sound entsteht. Besonders emotional werden die beiden Stücke „17. Juli“ und „18. Juli“ dargeboten, die ausdrucksstark einen wichtigen Teil von Betterovs Familiengeschichte erzählen. Diese Lieder präsentiert er ebenfalls solo am Klavier, was der Performance eine sehr persönliche und intime Atmosphäre verleiht. Bei den lauteren, kraftvolleren Songs erhält er Unterstützung durch eine zusätzliche Gitarre, die den Sound noch energetischer und rockiger macht.

Das Konzert lässt sich in zwei Stimmungsbilder unterteilen: Die erste Hälfte ist geprägt von gefühlvollen, nachdenklichen und teils melancholischen Songs, die das Publikum zum Zuhören und Mitfühlen einladen. Im zweiten Teil des Abends steigert sich die Stimmung spürbar, als eine Reihe von tanzbaren und mitreißenden Liedern erklingen, die das Publikum zum Tanzen und Mitsingen animieren. Besonders bei älteren, bereits sehr beliebten Songs wie „Angst“ und „Nacht“ wird der Gesang aus den Reihen der Zuschauer lautstark unterstützt, wodurch eine intensive Verbindung zwischen Künstler und Publikum entsteht.

Der krönende Abschluss des Abends erfolgt in der Zugabe mit den beiden bekannten und geliebten Songs „Viertel vor Irgendwas“ und „Dussmann“. Mit diesen Titeln gelingt es Betterov, die Stimmung auf ein emotionales und lebhaftes Maximum zu bringen, sodass das Konzert in einem stimmungsvollen Höhepunkt endet und die Zuhörer begeistert zurückbleiben. So zeigt sich Betterov an diesem Abend nicht nur als begnadeter Musiker, sondern auch als charismatischer Performer, der es versteht, sein Publikum auf eine musikalische Reise mitzunehmen.

Dabei gibt sich Betterov stets als einer von uns, der genauso gut in der Menge mitfeiern könnte. Und das macht diesen Abend so besonders, denn er bekommt es hin das unterschiedliche Publikum homogen zu vereinen.

Setlist Betterov:

Große Kunst
So High
Nacht
Du hast in mein Herz gemalt
Jil Sander Sun
Sag nicht deinen Namen
Schlaf gut
Bring mich nach Hause
17. Juli 1989
18. Juli 1989
Alles nur ein Film
Papa fuhr immer einen großen LKW
Immer die Musik
Mücken Song
Hier wach ich
In meiner Straße
Angst
Mein Leben ist monoton
Platz am Fenster
In meinem Zimmer spielen sich Dramen ab
Viertel vor Irgendwas
Dussmann

Text: Jan Rombout

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