Alice Merton – 02.03.2026 – Kantine Köln

Rund zehn Jahre ist es her, da gelang Alice Merton mit dem Song „No Roots“ ein Welthit. Sie lässt sich mit ihren Alben durchaus Zeit, doch das dritte Studioalbum „Visions“, erblickte im Januar 2026 das Licht der Welt. Folgerichtig geht Alice Merton damit im März auf Tour und macht in der Kantine in Köln Station. Gut gefüllt aber nicht ausverkauft fällt auf, dass Leute aus allen Altersgruppen da sind und die Menge an Frauen und Männern sehr ausgewogen ist. Es zieht sich etwas als um zwanzig Minuten nach acht der Support Lias mit seinen Songs beginnt.

Lias – ein deutscher Singer-/Songwriter besitzt ein Markenzeichen, welches heraussticht: seine Stimme. Oder besser noch, seine wandelbare Stimme. Da gibt es einen Song, da klingt er emotional und melancholisch und trotzdem kräftig. Das hört sich nach einer deutschen Anrwort auf Lewis Capaldi an. Beim nächsten Song ist die Stimmlage deutlich tiefer und klingt ein bisschen nach Alex Band, dem Sänger und ehemaligen Frontmann der Band The Calling. Kein Wunder, dass Lias die Herzen des Kölner Publikums sehr schnell für sich gewinnen kann. Den Namen Lias aber auch seine Stimme sollte man sich merken, gut möglich, dass hier eine größere Karriere startet.

Nach der Umbaupause startet Alice Merton ihr Set. Ausdrucksstark und mit einer ordentlichen Portion Sex-Appeal betritt Alice Merton die Bühne und hat drei weitere Musiker (Keyboard, Schlagzeug, Gitarre) dabei. Auffallend bekleidet mit einem orangenen Lederkleid und einer Brille mit orangenen Rahmen, kann sie alle Blicke auf sich ziehen, noch bevor sie mit ihrer klaren Stimme weitere Pluspunkte sammelt. Manchmal geht ihre Stimme unter den lauten Instrumenten etwas unter aber bei leiseren Balladen am Klavier ist der Sound top. Mit elf von 13 Stücken steht das aktuelle Album Visions stark im Vordergrund. Alice Merton bezieht das Publikum toll ein, erklärt worum es in den Liedern geht und wie ihr persönlicher Bezug zu den Themen ist. Und diese sind überwiegend ernster Natur. Ob man sich nicht wohlfühlt, einsam ist, sogar mit dem Tod setzt sie sich auseinander.

Eine schöne Geste von ihr ist, dass sie das Publikum auch einen Song wählen lässt. Es wird „Honeymoon Heartbreak“, den sie einen verstorbenen Fan widmet. Aber auch das Publikum gibt Alice Merton etwas zurück. So werden Knicklichter untereinander verteilt, die für zusätzliche Stimmung und wohlige Atmosphäre sorgen. Das Album Visions ist zwar poppiger als die beiden Vorgänger, trotzdem gibt es auch viel rhxthmische Klänge, die zum Tanzen sowie Klatschen animieren. Zum Schluss hat sie dann noch zwei Asse im Ärmel, indem sie ihre größten Hits „No Roots“ sowie „Why so serious“ zum Besten gibt.

So geht ein bemerkenswert facettenreicher Abend mit einem auffallend bunt gemischten Publikum zu Ende, der alles bietet. Laute, tanzbare Töne aber eben auch nachdenkliche Momente zum Innehalten. Und Alice Merton selbst? Auch sie gibt sich authentisch, gibt viel von sich und ihrer Gemütslage preis, kann aber auch auf der Bühne aufdrehen, damit kein Längen entstehen. Starker Gig!

Setlist Alice Merton:
Coasting
Visions
Mirage
Boogie Man
Vertigo
Treasure Island
Joyriding / how well do you know your feelings? / Homesick
Honeymoon Heartbreak
Willow Trees in Tokyo
Ignorance Is Bliss
Jane Street
run away girl
I Don’t Hold a Grudge
Landline
On the Wire
Marigold
No Roots
Why So Serious

Text: Jan Rombout

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