Zwischen Büro und Mondlandung: Andreas Liebert hebt ab – aber nur kurz!

Sieben Städte, sechs kostenlose Konzerte und jede Menge Songs im Gepäck: Im November geht Andreas Liebert mit seiner „Mondlandung“-Tour auf Reisen. Während andere nach Feierabend die Füße hochlegen, tauscht der Musiker den Büroalltag gegen kleine Bühnen, neue Orte und Begegnungen mit bislang unbekanntem Publikum. Dass seine Kolleginnen und Kollegen vermutlich gar nicht wissen, dass er musikalisch ein Doppelleben führt, macht die Sache nicht weniger spannend. Im Interview mit Soundchecker.koeln spricht Liebert über die Erholung auf Tour, die Freiheit unbekannter Spielorte, musikalische Vergleiche und darüber, warum eine Mondlandung manchmal ganz persönliche Bedeutung hat.**

**Soundchecker.koeln:** Andreas Liebert, im November geht es für dich auf „Mondlandung“-Tour. Andere fahren im Urlaub ans Meer, du fährst mit deiner Musik durch sieben Städte. Ist das Erholung oder eine besonders charmante Form von Stress?

**Andreas Liebert:** Für mich ist das Erholung. Im Alltag muss vieles funktionieren. Auf Tour muss das nicht auch noch sein. Die Bahn kommt zu spät, etwas klappt nicht wie erhofft. Kann alles passieren. Ich spiele trotzdem meine Songs. Für ein paar Tage gelten andere Regeln.

**Soundchecker.koeln:** Du schreibst, dass die meisten deiner Kolleginnen und Kollegen im Büro vermutlich gar nicht wissen, dass du Musik machst. Wie fühlt es sich an, musikalisch ein Doppelleben zu führen?

**Andreas Liebert:** Meine Musik findet im Alltag in Etappen statt. Ich aktiviere die Abwesenheitsnotiz und lege den Fokus um. Ich mag es, zwischen diesen Welten zu wechseln. Manchmal muss man kurz woanders sein, um das Vertraute wieder anders zu sehen.

**Soundchecker.koeln:** Montagmorgens um 6:30 Uhr klingelt nach der Tour wieder der Wecker. Wie gelingt dir der Wechsel vom Bühnenlicht zurück in den ganz normalen Arbeitsalltag?

**Andreas Liebert:** Zwischen dem letzten Konzert und dem ersten Arbeitstag liegt immer ein freier Tag. Der Wechsel zurück ins Büro ist nicht besonders dramatisch. Trotzdem ist es schön, für eine Weile aus den gewohnten Abläufen herauszukommen. Danach ist der Alltag noch da, aber man selbst war vielleicht ein bisschen woanders.

**Soundchecker.koeln:** Sieben Städte, teilweise Neuland für dich, und sechs kostenlose Konzerte: Was ist dir bei dieser Tour wichtiger – neue Menschen mit deiner Musik zu erreichen oder selbst neue Orte und Erfahrungen kennenzulernen?

**Andreas Liebert:** Wahrscheinlich eher die neuen Orte. Ich mag es, dort aufzutreten, wo mich vorher niemand kennt. Da gibt es weniger Erwartungen, und das ist einfacher für mich. Ich spiele meine Songs, erzähle zwischendurch und beobachte, was passiert. Vielleicht findet sich jemand in der Musik wieder, vielleicht auch nicht. Beides ist in Ordnung.

**Soundchecker.koeln:** Deine Musik wird mit Blumfeld, Gisbert zu Knyphausen und PeterLicht verglichen. Sind das Künstler, bei denen du dich selbst wiedererkennst, oder entstehen solche Vergleiche eher in den Köpfen der Kritiker?

**Andreas Liebert:** Die Vergleiche kommen oft von außen, aber ich nehme sie gerne an. Sie helfen mir auch, meine eigene Musik besser einzuordnen. Gitarre und deutsche Texte sind die offensichtlichen Gemeinsamkeiten. Was mich an den Songs interessiert, ist meistens das, was sich nicht so leicht vergleichen lässt.

**Soundchecker.koeln:** Linus Volkmann bescheinigt dir „hinreißende kleine Hits“, die aufwühlen und emo sind. Was muss ein Song für dich können, damit er mehr ist als eine nette Melodie für zwischendurch?

**Andreas Liebert:** Bei meiner eigenen Musik mache ich mir viele Gedanken darüber, in welche Richtung ein Song gehen soll. Bei anderer Musik bin ich kompromissloser. Das erste Gefühl muss stimmen. Eine nette Melodie kann dafür schon reichen.

**Soundchecker.koeln:** Deine EP „Mondlandung“ wurde von laut.de in die Auswahl der besten EPs des Jahres 2024 aufgenommen. Hat dich diese Anerkennung überrascht, und verändert so etwas den eigenen Blick auf die Musik?

**Andreas Liebert:** Ich habe mich natürlich gefreut. Man steckt viel Zeit in diese Songs und hofft, dass sie auch andere erreichen. An meinem eigenen Blick auf die Musik ändert das aber nicht viel.

**Soundchecker.koeln:** Der Titel „Mondlandung“ klingt nach großen Schritten, unbekannten Welten und vielleicht auch ein bisschen Größenwahn. Was steckt für dich hinter diesem Titel?

**Andreas Liebert:** Die Mondlandung ist für mich immer auch eine Randnotiz in dem Jahr, in dem mein Großvater gestorben ist. Ich habe ihn nie kennengelernt, aber für die Menschen, die ihn kannten, wird dieses Jahr immer auch mit seinem Tod verbunden sein. Mich interessiert der Gedanke, dass ein Jahr für einen Menschen etwas ganz anderes bedeuten kann als für die Welt, in der zur selben Zeit Menschen auf dem Mond landen.

**Soundchecker.koeln:** Sechs der sieben Konzerte sind kostenlos. Ist das für dich eine bewusste Entscheidung, Musik möglichst niedrigschwellig zugänglich zu machen, oder steckt eine andere Idee dahinter?

**Andreas Liebert:** Ich möchte, dass möglichst wenig zwischen den Menschen und einem Konzertabend steht. Nicht jeder kann Geld für ein Konzert ausgeben. Ich finde es gut, wenn man einfach vorbeikommen, sich selbst ein Bild machen und das geben kann, was man geben möchte.

**Soundchecker.koeln:** Wenn am Ende der Tour wieder der Büroalltag wartet: Was wäre für dich das schönste Ergebnis dieser sieben Konzerte – ein voller Raum, neue Fans, ein unerwarteter Moment oder einfach das Gefühl, genau das Richtige getan zu haben?

**Andreas Liebert:** Wenn ich gute Tage hinter mir habe. Das kann ein gutes Gespräch mit Gästen oder Veranstaltenden sein, ein gutes Essen, nette Worte für meine Musik oder einfach jemand, der über einen Witz lacht. Das reicht mir eigentlich schon. Wenn daraus neue Zuhörer*innen oder weitere Begegnungen entstehen freue ich mich natürlich. Große Erwartungen muss ich vorher nicht formulieren.

Vielen Dank für das nette Gespräch. Wer Andreas Liebert live erleben möchte, der soll sich hier einfinden.

Termine:

7.11. – Bremen, Calavera
8.11. – Kassel, Kaffee Rösterei Kühn+Carter
10.11. – Darmstadt, Goldene Krone
11.11. – Hannover, Kulturpalast Linden
12.11. – Hildesheim, Sands
13.11. – Frankfurt, Netzwerk Seilerei
14.11. – Bonn, Mausefalle 33 1/3

Fragen: Dennis Kresse

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