Agnes Obels Musik ist mehr. Sie ist regelrecht Kunst, die durch exakte Kompositionen und Arrangements perfekt klingt. Abseits vom Radio-Mainstream hat es Agnes Obel trotzdem oder gerade deswegen geschafft, sich immer weiter zu etablieren und ihre Fanschar immer größer werden zu lassen.
Umso verwunderlicher ist dann doch eine deutlich geringere Teilnahme als üblich auf dem Bonner Kunstrasen. „Nur“ 1500 Zuschauer und -hörer sind anwesend, als der Support Peter Gregson den Abend eröffnet. Dieser spielt instrumental mit seinem Cello Stücke, die sehr melancholisch wirken. Er selbst macht nur kurze, aber sympathische Ansagen, in tiefem schottischem Dialekt.
Gregson zeigt mit seinen Stücken, was den Abend prägen wird: Musik zum Genießen, zum Runterkommen und Schwelgen. Zum Glück besitzt er ein gutes Zeitgefühl und beendet sein Set, bevor das Cellospiel dann doch ein wenig zu viel wird.
Nach dem üblichen Umbau ist es dann so weit. Agnes Obel und ihre international besetzte Band betreten die Bühne. Und ich verliebe mich schlagartig in ihre golden-farbige Hose.
Obels aktuelles Album „The Meaning Of Flowers” erscheint erst im September, daher sind wir bei den neuen Stücken – immerhin sechs an der Zahl – die Versuchskaninchen, wie sie uns ironischerweise nennt. Sonst gibt sich Obel eher wortkarg und zugeknöpft. Sie entschuldigt sich noch dafür etwas erkältet zu sein. Von Stimmeinbußen ist allerdings glücklicherweise nichts zu spüren. Auch die Sorge, dass der Ton aufgrund der Beschränkungen, die der Location auferlegt sind, nicht laut oder ausgewogen genug ist, treffen nicht zu. Ehrlicherweise betreibt Obel mit ihrer Band so gut wie kein Entertainment, dafür gibt es aber erstklassig gespielte Songs, wo jeder Ton sitzt und auch das Zusammenspiel untereinander wunderbar harmoniert.
Musikalisch top, atmosphärisch dicht, handwerlich vorzüglich bieten Agnes Obel ein außergewöhnliches Konzert, was Lust auf das neue Album macht. Dass die Dänin und Wahlberlinerin eher reserviert bleibt, sei ihr verziehen.
Und für alle Fans kommen zwei ihrer größten Songs als Zugabe des rund 90-Minütigen Gigs zum Schluss.
Und danach bin ich nicht mehr nur in ihre Hose verliebt, sondern auch etwas in Agnes Obel.
Setlist Agnes Obel:
Red Virgin Soil
Fuel to Fire
Camera’s Rolling
The Meaning of Flowers
Laymelli
Familiar
Run Cried the Crawling
Faustian Deal
Gemini
Never Been
Blood So Red
Stretch Your Eyes
Riverside
The Curse
Text: Jan Rombout
Erzählt von uns: