Es gibt Bücher, die einen zum Lachen bringen. Und dann gibt es Bücher, bei denen man sich dabei ertappt, wie man mitten im Satz grinst. Tilman Birrs **„Wie sind Sie hier reingekommen?“**, das jetzt als Taschenbuch erscheint, gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Schon der Titel weckt Erinnerungen an den Großmeister des feinsinnigen Humors: Loriot. Wer bei dieser Frage sofort an einen Herrn denkt, der mit stoischer Höflichkeit das Absurde zur Perfektion treibt, liegt gar nicht so falsch. Mehr sei an dieser Stelle aber nicht verraten.
Im Mittelpunkt steht Wolfgang Schneider – ein Name, der nach Vorruhestand und Kleingartenverein klingt, tatsächlich aber einem Mann Anfang zwanzig gehört. Er schlägt sich durch das Berlin der Nullerjahre, sammelt Missverständnisse, Peinlichkeiten und Absurditäten wie andere Menschen Bonuspunkte. Dabei ist er selten Held der Geschichte, sondern meistens ihr erstes Opfer.
Tilman Birr erzählt das mit einer Leichtigkeit, die beeindruckt. Seine Beobachtungen sind messerscharf, sein Humor nie laut, sondern angenehm hintergründig. Er vertraut darauf, dass seine Leser die Pointe selbst entdecken – und genau das macht den Reiz aus. Während anderswo jeder Gag mit der Brechstange serviert wird, reicht Birr oft ein einziger Satz, um den Alltag komplett aus den Angeln zu heben.
Besonders sympathisch ist, dass weder Autor noch Hauptfigur den Fehler machen, sich für die klügsten Menschen im Raum zu halten. Im Gegenteil: Beide begegnen der Berliner Kulturszene mit einer gesunden Portion Selbstironie. Das wirkt nie überheblich, sondern herrlich menschlich.
Dass Birr selbst Kabarettist ist, merkt man dem Buch an – allerdings im besten Sinne. Die Dialoge sitzen, das Timing stimmt, und selbst die kleinen Nebensächlichkeiten entwickeln plötzlich komisches Eigenleben. Man lacht nicht über aufgesetzte Pointen, sondern über Situationen, die erschreckend nah an der Realität sind.
*Wie sind Sie hier reingekommen?* ist kein Buch für Freunde der Kettensäge-Humorfraktion. Es ist feinsinnig, klug und wunderbar beobachtet. Wer Loriot schätzt, wird sich hier schnell zu Hause fühlen – nicht, weil Tilman Birr ihn kopiert, sondern weil auch er weiß, dass die größten Katastrophen oft mit einem ganz harmlosen Satz beginnen. Oder eben mit der Frage: **„Wie sind Sie hier reingekommen?“**
Text: Dennis Kresse
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