Villingen trifft Heidelberg, Analog trifft Digital: Mit „belooped“ führen De-Phazz und Deutschlands ältestes Jazzlabel MPS zusammen, was zusammengehört. De-Phazz-Gründer Pit Baumgartner hat für dieses außergewöhnliche Projekt Zugriff auf das das Archiv der „Musik Produktion Schwarzwald“ erhalten. Mit feinstem Gespür für Grooves und Melodien hat der Sound-Architekt Weltstars wie Oscar Peterson, Ella Fitzgerald und George Duke behutsam restauriert und in den Sound der Gegenwart überführt. Entstanden ist eine musikalische Collage, die den „Most Perfect Sound“ der 60er- bis 80er-Jahre mit den elektro-organischen Vibes der Lounge-Pioniere vereint und beweist, dass zeitloser Jazz und moderne Tanzflächen kein Widerspruch sind.
MPS und De-Phazz. Zwei Musikinstitutionen. Beheimatet in Süddeutschland, zuhause auf der ganzen Welt. Auf „belooped“ findet nun endlich zusammen, was viele Hipster in den vergangenen Jahrzehnten auf die Tanzflächen in Hamburg oder Honolulu, München oder Miami lockte. Hier der augenzwinkernde Spieltrieb des 1997 in Heidelberg von Pit Baumgartner aus der Taufe gehobenen Lounge-Exportschlagers De-Phazz mit seinen Abermillionen Streams auf Spotify & Co. Dort das von DJs und Rare-Groove-Jägern kultisch verehrte Archiv der 1968 von Hans-Georg Brunner-Schwer in Villingen gegründeten Plattenfirma MPS. Alt trifft neu, digital trifft analog. Was bleibt, ist die einzigartige Atmosphäre. Sowie der untrügliche Sinn für Grooves und wundervolle Melodien, die Brunner-Schwers zwischen den 1960er und 1980er Jahren aufgenommene Produktionen mit den elektroorganischen Vibes von De-Phazz verbinden.
Für den Musikcollagenkünstler Baumgartner war es nach eigenen Worten eine „Eintrittskarte ins Schlaraffenland“, als man ihm den Zugriff auf die über 500 Aufnahmen von Deutschlands erstem Jazzlabel gewährte – Platten mit Weltstars wie Oscar Peterson, Ella Fitzgerald, George Duke oder Sun Ra. Festgehalten mit dem besten Equipment, das zur damaligen Zeit verfügbar war. Nicht selten diente Brunner-Schwers Wohnzimmer als Aufnahmeort; zwei Stockwerke höher hatte sich der Mitinhaber der Radiofirma SABA in seiner Villa ein Studio eingerichtet. Unten lauschten Gäste einem Hauskonzert von Duke Ellington oder Bill Evans, oben schnitt Brunner-Schwer mit. Für seine „Musik Produktion Schwarzwald“. Oder „Most Perfect Sound“, wie das Plattenfirmenkürzel auch oft gedeutet wurde.
„Ich fühle mich unglaublich geehrt, Hand an die MPS-Juwelen legen zu dürfen“, sagt De-Phazz-Gründer Pit Baumgartner Er habe aber auch gleichzeitig eine große Verantwortung angesichts der phänomenalen Geschichte des Labels gespürt, das sich seit dem Jahr 2014 unter dem Dach des Hamburger Medienunternehmens Edel befindet. Deshalb bezeichnet der Heidelberger seine sorgsamen Bearbeitungen von MPS-Perlen wie Oscar Petersons „Wave“, Ella Fitzgeralds „This Girl’s In Love With You“, Monty Alexanders „Love and Happiness“ oder den chorischen Gedichten der Singers Unlimited auch nicht als Remixe oder Reworks. Es handele sich vielmehr um Restaurierungen, so Baumgartner. Wie bei einem schnittigen Oldtimer, der noch prima läuft, aber etwas Politur und ein bisschen mehr Druck auf den Reifen vertragen kann. Damit die Fahrt wieder so richtig Spaß macht. Und auch Leute zum Einsteigen bringt, die mit Jazz sonst nicht viel am Hut haben.
Das heißt in der Praxis: Der ausgebuffte Retroromantiker Baumgartner, der auch schon mit Familiensegen das Oeuvre Bert Kampferts grundüberholen durfte, sorgt für Farbintensivierung in den Bässen, frische Filter, einige moderne Überbrückungen. Zudem scheut er auch nicht davor zurück, hier und da neue Bauteile hinzuzufügen. Hinzu kommen handverlesene instrumentale und gesangliche Additive aus eigener De-Phazz-Herstellung – Trompeter Joo Kraus und Posaunist Jona Heckmann verzieren da etwa subtil Ernest Ranglins „Feel Like Making Love“, während die Sängerinnen Barbara Lahr und Sandie Wollasch Nummern wie „Shelda“ der Westcoast-Band Smoke oder Alphonse Mouzons „Do I Have To?“ textlich anreichern. Die Zeile „Not guilty for disco dancing“ ist durchaus programmatisch zu verstehen.
Ist so etwas jazzpolizeilich überhaupt erlaubt? Baumgartner hat zu seiner Verteidigung eine gute Formulierung gefunden: „Loop your idols“ anstelle von „Kill your idols“! Was bedeutet, dass man seinen Heldinnen und Helden die größte Verehrung erweist, indem man ihnen mit den Produktionsmitteln der Gegenwart eine Zukunft fernab elitären Dünkels eröffnet.
Wie gut die Welten von MPS und De-Phazz zusammenpassen, zeigt sich im Albumabschluss: Wenn da die aktuelle MPS-Künstlerin Malia zu George Shearings „The Continental“ aus dem Jahr 1976 singt, muss man unweigerlich an den De-Phazz-Hit „The Mambo Craze“ von 1999 denken. Es wirkt so, als reichten sich Pit Baumgartner und Hans-Georg Brunner-Schwer über Zeit und Raum hinweg mit einem anerkennenden Nicken die Hand. Der Gedanke erscheint gar nicht so abwegig: belooped hätte auch gut während der berühmten MPS-Partys in Brunner-Schwers Wohnzimmer laufen können. Der musikbegeisterte und technikaffine Hausherr hätte bestimmt seinen Spaß daran gehabt.
Das Album wird auf LP, CD und digital erscheinen.
Text: Pressemitteilung
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