SOHN – 09.12.2025 -Stadtgarten Köln

Während vor dem Konzertsaal im Restaurant oder ganz draußen auf dem Weihnachtsmarkt des Stadtgartens das das bunte Leben tobt, ist es in dem Konzertsaal sehr ruhig. Am heutigen Abend ist der komplette Konzertsaal des Stadtgartens bestuhlt – für mich in dieser Art und Form eine Premiere. Starten in den Abend wird allerdings ein Support. Henry Lee ist eine Künstlerin und Musikerin aus Köln, die auch den Podcast minneola_ und das Fanzine _grapefruits_ herausgibt. Ihr Debütalbum „TV IN THE CORNER“ erschien im Oktober 2022 auf ihrem eigenen Label tétégé records, das sie zusammen mit Jakob Lebsanft gegründet hat.

Auf dem Album kombiniert sie Lo-Fi-Pop-Melodien, inspiriert von Bands wie Electrelane, Stereolab und Broadcast, mit rauschenden Field Recordings und warmen Synthesizern, wodurch ein Sound entsteht, der zwischen Dream-Pop und frühen Radiophonic-Workshop-Experimenten wechselt. Das Resultat ist ein „vielschichtiges, sehr atmosphärisches Pop-Album mit Elementen aus Shoegaze und 90er Dream-Pop“ (1Live Heimatkult). Ihre musikalischen Anleihen sind nicht nostalgisch gebunden. Henry Lee schafft in ihren sanft gehauchten Texten eine Melancholie, die in einem zeitlosen Hier und Jetzt verortet ist. Solo auf der Bühne Bass spielend und der Rest gesampelt vom Computer, wirkt sie sympathisch nervös und aufgeregt. Im Schatten eines großen Flügels auf der Bühne ist das auch mehr als verständlich.

Und dann startet endlich SOHN, der mit bürgerlichen Namen Christopher Taylor heißt und im Stadtgarten überwiegend die Songs seines aktuellen Albums Albadas (Dawn Songs) live darbietet. Es sind alle acht, die er mit Synthesizer, Flügel, Samples und Loops perfekt rüberbringt. Dazu gesellen sich Hits wie Rennen und Stücke, die er mag. Die Instrumente und das Timing beherrscht er perfekt und gerade das Zusammenspiel zwischen Elektro und akustischen Klavier sowie seine helle für einen Mann eher ungewöhnlich hohe Stimmlage, sorgen bei mir für wohlige Gänsehaut. Musik und Gesang in dieser Form haben direkt etwas beruhigendes an sich. Zwischen den Stücken gibt er sich ungewohnt redselig und sagt etwas zur Entstehung einzelner Songs. So nah und warmherzig habe ich SOHN noch nicht erlebt.

Schade, dass diese Showcase bereits nach rund 70 Minuten beendet ist. Manchmal ist weniger eben leider doch nicht mehr.

Setlist SOHN:

Let Go
Seva
Oblivion
Ascent
Timelapse
Rennen
Breve
Bloodflows
In Unison
Harmonizer
Is Love Permanent, Or Does It Evaporate With Us?
The Wheel

Figureskating, Neusiedlersee
Lessons

Text: Jan Rombout

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