Charlotte Wessels, Epica & Amaranthe – 16.01.2026, Palladium Köln

Epische Kontraste zum Tourauftakt

Mit dem Auftakt der Arcane Dimensions Tour 2026 machte am 16. Januar eines der hochkarätigsten Metal-Pakete des Jahres Station im Palladium Köln. Charlotte Wessels, Epica und Amaranthe vereinten an diesem Abend unterschiedliche Facetten moderner Rock- und Metal-Musik von introspektivem Art-Pop über symphonische Monumentalität bis hin zu moderner, tanzbarer Metal-Energie.

Charlotte Wessels
Den Auftakt gestaltete Charlotte Wessels, die mit ihrem Solo-Projekt einen bewusst anderen Akzent setzte. Ihr Auftritt war geprägt von einer emotionalen Tiefe und einer bemerkenswerten Atmosphärenvielfalt. Anstelle der typischen Metal-Kraft entführte sie das Publikum in eine cineastische, fast zerbrechliche Klangwelt, die von ihrer klaren und ausdrucksstarken Stimme getragen wurde. Ihre kurzen, persönlichen Ansagen verstärkten den intimen Charakter ihres Sets und schufen eine Verbindung, die weit über die eines gewöhnlichen Support-Acts hinausging.Das war ein deutliches Zeichen, dass Charlotte Wessels sich längst über ihr Image als ehemalige Frontfrau von Delain hinaus entwickelt hat und hat sich damit zu einer eigenständigen Künstlerin etabliert.

Setlist – Charlotte Wessels

1. Chasing Sunsets
2. Dopamine
3. The Crying Room
4. Soft Revolution
5. Tempest (Live-Debüt)
6. After Us, The Flood (Live-Debüt)
7. The Exorcism

Epica

Nach einem fesselnden Einstieg übernahmen Epica die Bühne und setzten sofort ein beeindruckendes Zeichen, das den Abend in eine neue Dimension der Intensität hievte. Die niederländische Symphonic-Metal-Band trat mit einer bemerkenswerten Konzentration auf, ihre technischen Fähigkeiten waren präzise, und visuell boten sie ein atemberaubendes Spektakel. Großformatige Projektionen mit Video Animationen und eine perfekt abgestimmte Lichtshow verstärkten dabei den epischen Charakter ihrer Musik. Besonders auffällig war die Energie, die selbst die neuen Songs des letzten Albums „Aspiral“ ausstrahlten und den Puls der Fans im Takt schlagen ließen.

Frontfrau Simone Simons agierte souverän und präsentierte sich stimmlich in Bestform. Ihre Ausstrahlung verlieh den komplexen Arrangements eine klare emotionale Tiefe, ohne dabei an Kraft zu verlieren. Epica gelang es, als Band-Einheit mit viel Bewegung, Abwechslung und immer veränderter Bühnenpräsenz der einzelnen Musiker, vorallem auch Keyboarder Coen Janssen und Gitarrist/Sänger Mark Jansen eine beeindruckende Live-Performance darzubieten.

Ein ganz besonderer Moment entstand durch die gemeinsame Darbietung mit Charlotte Wessels, die als musikalische Verbindung zwischen den beiden Bands fungierte und den kooperativen Geist dieser Tour eindrucksvoll zum Ausdruck brachte.
Setlist – Epica

1. Apparition
2. Cross the Divide
3. Martyr of the Free Word
4. Eye of the Storm (Live-Debüt)
5. Unleashed (erstes Verse akustisch)
6. Never Enough (erstmals live seit 2013)
7. Sirens – Of Blood and Water (feat. Charlotte Wessels)
8. Tides of Time
9. The Grand Saga of Existence – A New Age Dawns, Part IX (Live-Debüt)
10. Cry for the Moon
11. Fight to Survive
12. The Last Crusade
13. Beyond the Matrix

Amaranthe

Als krönender Abschluss des Abends sorgten Amaranthe für einen spürbaren Stimmungswechsel. Anstelle von Pathos und orchestraler Dichte, wie sie zuvor bei Epica zu erleben waren, wählten die Schweden eine direkte Ansprache und eine nahezu endlose Energie. Ihr Sound zeichnete sich durch Druckkraft und Modernität aus, klar ausgerichtet auf maximale Publikumsreaktionen. Amaranthe traten in Köln mit ihrem markanten Gesangs-Trio auf, bestehend aus Elize Ryd (Clean Vocals,Sopran), Nils Molin (Clean Vocals,Tenor) und Mikael Sehlin (Growls), das dem Live-Sound der Band seine charakteristische Dynamik verlieh.

Die energiegeladene Darbietung mit sehr guter Licht und Lasershow verband eingängige Melodien mit elektronischen Elementen und brachte die Stimmung im Saal zum Überkochen. Viele Zuschauer ließen sich mitreißen, tanzten und sangen lautstark mit, ein deutliches Zeichen für die breite Anziehungskraft des Bandklangs.

Amaranthe präsentierten sich spielerisch und nahbar, animierten das Publikum ständig zum Mitmachen und verwandelten das Palladium in einen lebendigen, lauten und euphorischen Ort. Deutlich war es natürlich als Queens „We will Rock You“ bei That Song verarbeitet wurde. Da musste jeder im Saal mitmachen. Damit lieferten sie den idealen Kontrapunkt zur epischen Inszenierung von Epica und rundeten den Abend mit einem kraftvollen Finale ab.

Setlist – Amaranthe

1. Fearless
2. Viral
3. Digital World
4. Damnation Flame
5. Maximize
6. Strong
7. PvP
8. Crystalline
9. Boom!1
10. The Catalyst
11. Re-Vision
12. Chaos Theory (Live-Debüt)
13. Amaranthine (Piano-Intro)
14. The Nexus
15. Call Out My Name
Encore:
16. Archangel
17. That Song (mit Snippets von Queen – „We Will Rock You“)
18. Drop Dead Cynical
Der Tourauftakt in Köln bewies eindrucksvoll, wie gut unterschiedliche musikalische Ansätze innerhalb eines Abends funktionieren können. Charlotte Wessels überzeugte mit emotionaler Tiefe, Epica mit symphonischer Größe und technischer Klasse, Amaranthe mit moderner Energie und direkter Wirkung.

Text und Credits: Ralph Hauwetter

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