Wohnzimmeratmosphäre

Max Prosa – Heimkehr

VÖ: 22.02.2018

Songpoet, Poppoet, Deutschpoet – diese und ähnlich Wortschöpfungen wurden und werden im Zuge der immer verbreiterten deutschsprachigen Texte in der Popmusik teilweise schon fast inflationär genutzt. Und wenn man ein wenig hinter die Fassade der Songs blickt, ist der Begriff Poet doch recht häufig deutlich zu hoch gegriffen.

Aber dann gibt es umgekehrt noch Musiker und Songwriter, die mit ihren Liedern nicht den Mainstreamweg in die Radiostationen nehmen, dafür aber wirklich poetische Texte und spannende Melodie kreieren. Hierzu zählt ohne Zweifel der Berliner Max Prosa, der in jeder Veröffentlichung Popmusik und Lyrik gekonnt kombiniert. Und fleißig ist er in letzter Zeit dazu auch noch gewesen.

Nicht einmal ein Jahr nach seiner letzten Veröffentlichung Keiner kämpft für mehr präsentierte der Berliner Songwriter vor Kurzem mit Heimkehr sein neuestes Album. Und Heimkehr ist ein besonderes Werk – alleine schon wegen der Entstehungsumstände. Nicht in einem Studio, sondern in Max Prosas Wohnzimmer – ausgestattet mit einer Telefunken Bandmaschine aus den 1970ern – sind die dreizehn Songs aufgenommen worden.

Die Songs sind wie häufig bei Max Prosa schwelgend-poetische Erinnerungen, lyrisch erzählte Geschichten und nacherzählte Zwiegespräche von deren Texten und Handlungsverläufen man sich als Zuhörer kaum lösen kann und es auch nicht möchte. Die Songs auf Heimkehr sind sehr persönlich und die Geschichten intensiv und lassen es zu, dass der Zuhörer ganz nah an das Leben des jeweiligen Protagonisten herangelassen wird und ihn als Bekannten oder gar vertrauten Freund wahrnehmen kann.

Für die Songs Solang ich darf und Wozu, wozu, wozu hat der Songwriter seine Wohnzimmertür für Gastmusikerinnen geöffnet. Alin Coen und Dota Kehr singen diese beiden Duette mit dem Berliner und verliehen Ihnen zusätzlichen Charakter und Stärke, da man das Gefühl gewinnt, dass man gleich von zwei Menschen auf eine Reise mitgenommen wird.

Am Ende aber ist es schwierig die passenden Beschreibungen für ein Max Prosa-Album zu finden, da sie zu den lyrisch-poetischen Worten immer nur wie Wörter wirken.

Und Max Prosas Worte reichten noch für mehr als dieses wunderbare Album. Wenige Tage später veröffentlichte er auch noch ein Buch. Im Stillen ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, Gedichten und Songtexten, die durch den Leipziger Künstler Lucian Patermann illustriert wurden.

Mit Buch und Musik wird Max Prosa auch wieder unterwegs sein und unter anderem am 17. Mai im Bonner Pantheon Station machen. Ein Besuch lohnt hier ganz sicher.

Text: René Kirschbaum

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