Vom Suchen des Wegs

Tomberlin – At Weddings

VÖ: 10.08.2018

„Der glücklichste Tag im Leben“ – so wird der Hochzeitstag oft beschrieben. At Weddings, das Debütalbum der amerikanischen Musikerin Tomberlin aber bildet weniger diese fröhlichen und ausgelassenen Aspekte einer solchen Hochzeit ab. Vielmehr wirkt das Erstlingswerk der 23-jährigen Sängerin aus Illinois wie ein verwundbares Abbild eines Erwachsen-werdens- und Reifeprozesses, den man eben bis zu einer Hochzeit in der Regel durchlebt.

Sarah Beth Tomberlin,  aufgewachsen als Pastorentochter in einer Baptistengemeinde, liefert mit ihren modernen Folksongs einen Soundtrack des Erwachsenwerdens, des Suchens nach Orientierung und Halt, des Zweifelns an sich, am Glauben und des sich in einer Gesellschaft Einsortierens. Aber bei all dieser Labilität und Zerbrechlichkeit der Songs strahlen diese doch auch eine Klarheit und Selbstsicherheit aus. Die laute Rebellion vermeidet Tomberlin komplett, ruhige Nachdenklichkeit prägt ihr Debütalbum, dessen Songs die junge Musikerin mit 19 zu schreiben begann. In den Songs greift sie auch immer wieder Passagen aus Kirchenliedern auf und verarbeitet diese in ihren eigenen Lebenssoundtrack.

Die Songs auf At Weddings scheinen also einerseits eine Jugend aufzuarbeiten, die sicherlich nicht immer einfach war, die aber trotzdem auch Halt und Orientierung bot. Aber sie sind auch der Startpunkt eines Aufbruchs in ein selbstbestimmtes Leben, in dem auch die Fixpunkte in Frage gestellt werden und man seinen eigenen Weg bestreiten muss. Sarah Beth Tomberlin hofft mit ihren Songs Ehrlichkeit und Transparenz zu schaffen und nachdem sie sich selbst mit diesen Songs durch eine Phase ihres Lebens geholfen hat auch anderen damit eine Hilfe sein zu können.

Von daher ist auch sicherlich kein Zufall gewesen, dass Self Help die erste Singlauskopplung des Albums wurde. Dieser Song ist neben dem vielsaegenden Titel auch einer der Tracks, in denen Tomberlin auch neben den klassischen Folk-Elementen auch moderne Pop- und Indiestrukturen in den Songs einbindet. Diese Mischung ist dann auch das Sinnbild für das was ihre Musik umtreibt: Alte Strukturen nicht aufgeben, aber in Frage stelle und gleichzeitig eigene Wege beschreiten und sich dort ausprobieren.

Am Ende dieser Prozesse stehen viele junge auf ihrer Hochzeit vor dem Traualtar. Sarah Beth Tomberlin hält am Ende oder während des Prozesses ihr beachtlich reifes und doch irgendwo noch unsicher verletzliches Debütalbum At Weddings in Händen.

Text: René Kirschbaum

Foto: Jade Tomeny

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