Tim Neuhaus im Interview

Drei Wochen vor der Veröffentlichung seines Albums Pose I + II gibt Tim Neuhaus uns einen ersten Einblick in sein neuestes Werk und dessen Entstehung.

Am 22. September erscheint dein drittes Soloalbum Pose I + II. Was erwartet den Hörer auf deiner neuen Platte?

Menschen, die mich schon lange kennen könnten denken: Da ist er ja wieder, der, mit dem ich Abi gemacht habe. Für die Leute, die die letzten beiden Alben kennen könnte es ungewöhnlich werden. Einige könnten es als MixTape empfinden. Ich empfinde es auch als meine chaotischste, ungeplanteste Zusammenstellung von Songs, aber das ist sehr in Ordnung für mich.

Würdest du widersprechen wenn ich sage, dass es sich eigentlich um zwei getrennte Werke handelt, die man auch getrennt voneinander – beispielsweise als EPs – hätte veröffentlichen können?

Mit etwas Distanz kann ich sagen: Es ist gut ist, daß „Pose I & II“ gleichzeitig erscheinen. Die Idee kam NACHDEM ich 15 Songs aufgenommen habe und sie mir angeschaut habe. Ich fand es besser, sie in 2 Gruppen aufzuteilen. Erst waren es sogar 3 Gruppen. Das war ein inspirierender Vorgang. Aufgrund dessen ist schon „Pose III & IV“ in Planung. Diese allerdings könnten zum jetzigen Zeitpunkt gerne getrennt veröffentlicht werden. Es ist gerade schön, unterschiedliche Musik machen, und sie an verschiedenen Orten aufzubewahren – in einem für mich schlüssigen Konzept.

Wo liegen die größten Unterschiede zwischen den beiden Teilen des Albums? Wo die Gemeinsamkeiten?

Ich wollte, daß auf beiden Seiten der Fluß stimmt. Es gibt mehr Gemeinsamkeiten als man denkt. Jedoch ist Pose I vielleicht etwas zugänglicher und Pose II etwas kantiger und unvorhersehbarer. Das betrifft aber mehr die musikalische Umsetzung und die Art der Produktion. Am Ende des Tages kann ich dir trotzdem das komplette Album auf der Akustik-Gitarre auf der Bettkante vorspielen.

Wie würdest du den Entstehungsprozess des Albums bzw. der beiden Teile beschreiben?

Wie gesagt, im Nachhinein sind 2 Teile entstanden. Es waren ursprünglich sogar 3. Ich habe dann Songs weggelassen, um das Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Die anderen finden sich dann vielleicht noch woanders. Auf Pose III oder IV !

Vor deiner Albumproduktion warst du mit der Tour of Tours mit einer Reihe anderer Musiker unterwegs. Wie war es für dich, dass sich andere Künstler mit deinen Songs musikalisch auseinandergesetzt haben?

Die Tour Of Tours Band ist ein Geschenk. Die eigenen Songs in einer so großen Gruppe zu spielen.  Das ist was ganz besonderes und seltenes (das muß man erst mal organisiert bekommen). Wenn 9 andere sagen: „Wahnsinns-Song! Was für eine Kraft!“ Dann hat man das Gefühl, daß man irgendwas richtig gemacht hat. Und der Arrangeur in mir hat unheimlich dazugelernt. Wir müssen das wieder machen. Die Songs von Pose I & II eigenen sich perfekt für diese Riesenband!

Den umgekehrten Weg kennst du ja als Studio und Live-Musiker sehr gut. Wer waren die spannendsten Künstler mit denen du bislang zusammengearbeitet hast?

Mein Herz schlug schon bei einigen musikalischen Begegnungen höher. Zitternde Knie hatte ich allerdings als sich spontan an einem Abend herausstellte, dass Clueso & ich nun spontan Glen Hansard & Joan Baez bei 2 Songs begleiten würden.

Wie haben die unterschiedlichen Kollaborationen Einfluss in deine eigenen Songs und dein neues Album gefunden?

Die schönsten Kollaborationen sind ja die, wo man sich gesehen fühlt und der sein darf, der man ist. Das sind dann für mich oft die AHA-Momente, wo ich wieder spüre, wo die eigenen Stärken liegen. Die Energie wandelt sich dann bei mir schnell in Musik um, die ich versuche einzufangen für meine eigenen Platten. Klingt vielleicht komisch, ist aber so.

Aktuell liegt deutschsprachige Popmusik sehr im Trend. Könntest du dir vorstellen auch Songs auf Deutsch zu singen?

Englisch ist für mich eine natürliche „Musiksprache“ geworden. Auf eigenen Konzerten kam es auch vor, daß ich mal einen deutschen Text singe, aber das ist die Ausnahme. Wenn ich z.Bsp. mit meinem Buddy Clueso Songs schreibe, dann singen wir gemeinsam auf Deutsch, das macht viel Spaß. Ich habe gerade einen französischen Text geschrieben. Ich probiere mich gern aus, mal sehen. Ein deutsches Album wird es aber erst mal nicht geben. Ein deutscher Song hat es auf das neue Album fast geschafft, habe ihn aber weggelassen. Er war viel zu traurig.

Mit Pose I + II gehst du im Dezember auf Tour. Stehst du mit deinen Songs lieber auf den Bühnen oder tüftelst du lieber im Studio an deinem Sound?

Ich vertiefe mich in beiden Welten für mein Leben gern.

Warum sollten unsere auf jeden Fall zu einem deiner Konzerte auf der kommenden Tour kommen?

Ich werde neben der Gitarre wieder am Schlagzeug sitzen und singen! Das gab es zuletzt als ich 18 war.  Oh Gott, die Tour wird so gut. Ist sie schon, in meinem Kopf ! Oder wie Thees Uhlmann zu mir sagte: „Tim, das was du machst wird immer klein bleiben. Aber genau DAS kann ganz groß werden!“ 🙂

Interview: René Kirschbaum

Foto: Christoph Koestlin

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