Tex ist solo unterwegs

„Auf seiner aktuellen Tour ist Tex solo unterwegs und dennoch mit seinen Songs auf der Bühne nicht alleine.“ So kann das Resumee des sechsten von insgesamt 33 Konzerten der bislang längsten Tour des Songwriters und Gastgebers von tvnoir lauten.

Denn auch wenn sich Tex alleine auf den Weg durch die Republik gemacht hat, so hatte er doch eine Idee wie er seine Songs über seine eigene musikalische Begleitung auf Piano und Gitarre hinaus inszenieren kann. So ist es ihm über Projektionen gelungen sich für verschiedene Songs wie Haut oder den neuen Song Bitte denk nicht mehr an mich virtuelle Duettpartnerinnen auf die Bühne zu holen. So wurden für je einen Song auch beispielsweise Alin Coen und Ida Wenoe gesanglicher Teil des Konzerts und auch Tim Neuhaus begab sich im Artheater im Kölner Stadtteil Ehrenfeld virtuell für einen Song ans Schlagzeug.

Auch wenn es sich hierbei strenggenommen natürlich um Teilplaybacks handelt, so hat diese kreative Form der Präsentation auf zwei Leinwänden die Songs aufgewertet und deren Intensität nochmals gesteigert. Und wenn es für Tex keine musikalische Unterstützung von den Leinwänden gab, dann musste – nein, dann durfte – das Kölner Publikum als bis zu dreistimmiger Chor den Berliner Musiker unterstützen und tat dies mit voller Kraft und wurde somit vom Zuhörer direkt zum Teil der Songs.

Die Einbeziehung des Publikums ist einer der Gründe warum Tex-Konzerte etwas Besonderes sind. Und das nicht nur durch die gesangliche Interaktion. Auch in der Moderation seiner Songs geht Tex immer wieder auf seine Zuhörer ein und schafft es, dass die Fans seinen Anekdoten aufmerksam folgen. Er erzählt persönliche Geschichten – wie den Hintergrund zu Where is the Good in Goodbye – und gibt Einblicke in die Geschichte von tvnoir und erzählt, dass in der Anfangszeit der Sendung ein gewisser Philipp Poisel für 70 EUR und einen Schlafplatz im Wohnzimmer der Songwriter aufgetreten ist.

Aber es sind nicht nur Themen aus seinem Mikrokosmos, die Tex seinen Zuhörern ans Herz legt. Sondern er äußert sich auch recht lange und kritisch zur aktuellen Lage in Syrien und zieht Parallelen zu  dem ersten Golfkrieg. Hierzu gibt es dann auch einen weiteren neuen, sehr politischen Song in dem er sich von all diesen Entwicklungen distanziert. Hierbei ist es dann fast verstörend, dass im Hintergrund – wo sonst Künstler Duetten die zweite Stimme geben – unter anderem Fetzen aus Nachrichtensendungen und aus Reden von Donald Trump zu sehen und zu hören sind.

Aber dieser kurze Ausflug in die Weltpolitik kann aber an diesem Abend die tolle intime Konzertstmmung nicht drücken. Das Publikum im nicht ganz ausverkauften Artheater sang und lebte die Songs und die darin erzählten Geschichten mit und verabschiedete den Berliner Songwriter mit frenetischem Beifall als der Hauptteil des Konzerts mit einer im Publikum gespielten Version von Cola endete. Auch zum Abschluss der Zugabe mischte sich Tex mit der Gitarre unter seine Fans und spielte Rio Reisers Junimond, der zu einem finalen Mitsingsong eines wunderbaren Konzertabends in Köln wurde.

Am Ende sei noch eines angemerkt: In Zeiten, in denen man für Konzerttickets mitunter inzwischen dreistellige Summen hinblättern muss, kann man auch für unter zwanzig Euro einen außergewöhnlich guten Konzertabend verbringen. Und es bleiben noch 26 Termine bei denen man sich von den Livequalitäten Tex‘ überzeugen kann.

Homepage & Tickets: tv noir

Text: René Kirschbaum

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