Starke Worte

DOTA – Die Freiheit

VÖ: 14.09.2018

Schon der Titel von DOTAs neuem Album klingt groß und das Werk dahinter muss sich auch keineswegs verstecken. Die Berliner Songwriterin, die als Kleingeldprinzessin in den Nuller-Jahren in der Musikwelt auftrat, liefert ein Album ab, das nah am Zeitgeist ist, sich dabei aber keineswegs krampfhaft den aktuellen Themen und Problemen nähert und auch den Blick für die kleinen Dinge und das Private wahrt.

In Die Freiheit beschreibt Dota Kehr nicht nur das was die Freiheit ausmacht, sondern auch das was wir leider aus der Freiheit machen. So behandelt sie Themen wie Sexismus oder den alltäglichen Rassismus und packt diese in facettenreiche Songwriter-Pop-Gewänder, die teilweise bei der Schwere der Themen fast befremdlich daher kommen. So zum Beispiel bei dem als Single ausgekoppelten Raketenstart, das einen Text über das akute Herunterwirtschaften unserer Welt auf den verschiedensten Ebenen auf tanzbare Popmusik treffen lässt. Und die Hookline Wir haben die Katastrophe kommen sehen und den Griff nach der Macht mit viel Witz kommentiert beißt sich in ihrer Klarheit erschreckend direkt am Zeitgeist fest, obwohl der gesamte Song eigentlich eher noch wie eine apokalyptische Utopie wirkt.

Und auch das ist ein Sinnbild für das was DOTA 2018 ausmacht. Die Lieder variieren in den Szenarien zwischen sehr konkreten Erzählungen und sehr verklausulierten und schemenhaften Beschreibungen und Andeutungen. Und hieraus zieht das Album seinen Reiz: Auch beim dritten oder vierten Hören finden sich immer wieder noch Elemente die sich einem noch nicht wirklich erschließen – wie bei mir zum Beispiel bei In der Hand – während andere Passagen gleich beim ersten Hören mit faszinierender Klarheit im Raum stehen. Gleichzeitig bleib Dota Kehr trotz (oder gerade wegen) all der negativen Beobachtungen eine pointierte Beschreiberin, die aus einem Mikrokosmos eine große Geschichte gestalten kann um im nächsten Moment große Themen in Kürze auf den Punkt zu bringen.

Dota nimmt sich die Freiheit musikalisch das zu machen was ihr gefällt und die Texte so zu gestalten wie es ihr behagt. Und es fehlt auch nie das Händchen für die kleine, liebevolle Geschichte wie die Liebeserkenntnis im Späti nach einer Party oder die sich andeutende Liebe eines Tanzschülerpärchens, die dann bei aller Fröhlichkeit mit einem Mal in eine – am Ende ungelöste – Rassismusdiskussion umschlägt. Typisch für Die Freiheit.

Und typisch für DOTA ist wohl, dass der Titeltrack ein 77-sekündiger Zweizeiler ist: So viel Freiheit. Ich bin überfordert. Was mach ich daraus? – Ich such mir einen Yogalehrer, der mir sagt, wann ich einatmen soll und wann aus. Es ist halt nichtssagend und doch irgendwie entwaffnend.

Letztlich kann man festhalten: Dieses Album lässt den Zuhörer regelmäßig lächeln, aber das Lachen gefriert einem doch ab und noch im Hals. Aber: Die Freiheit macht Spaß!

Text: René Kirschbaum

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