Rockabend im Blue Shell

Einen sommerlichen Abend bot der 26.05.2017 in Köln. So schön und einträglich dieses Wetter wohl für Biergarten- und Außengastronomiebetreiber gewesen sein dürfte, so ungünstig war es für drei junge Bands, die an diesem Abend im Blue Shell auf ein möglichst volles Haus hofften um ihre Musik zu präsentieren.

Wenn sich in Köln der Sommer einstellt zieht es die Leute natürlich mehr in die sonnigen Parks und in die Biergärten, als in die dunklen Clubs, so dass nur wenige Gäste an diesem Abend den Weg in den kleinen Club an der Luxemburger Straße fanden. Insbesondere kurzentschlossene Gäste blieben an diesem Abend leider aus.

Mit den ersten Takten der Kölner Rockband Secret Vaccine strömten dann die wenigen Zuschauer, die schon zur ersten Band anwesend waren in den Club. Die junge Indie-Rock-Band aus Köln, die das Blue Shell als ihr „kleines Wohnzimmer“ bezeichnen und ihm auch den Song Blue Shell Tuesday Nights gewidmet hat, eröffnete den Abend gut gelaunt, kämpfte aber leider mit einigen technischen Problemen und damit das richtige Sound-Setup für den sehr spärlich gefüllten Raum zu finden. Dennoch gelang es den vier Musikern Ihr Potential zu zeigen, ehe dann nach kurzer Umbaupause die Weseler Band Meine Zeit als zweiter Support-Act die Bühne betrat.

Mit intensivem eigenem Einsatz gelang es Sänger Daniel Gilberg die Reihen zumindest schon etwas besser zu füllen. Hierfür nahm er es auch auf sich selbst nach Beginn des Gigs die Besucher, die sich noch im kleinen Außenbereich des Blues Shells aufhielten nach drinnen zu holen und nach vorne an die Bühne zu bitten, so dass ansatzweise eine angemessene Konzertatmosphäre entstand, die Meine Zeit nutzten um ihre deutschsprachigen Indie-Rock-Pop-Songs wie Echolot, Landungsbrücken und die erste Video-Single der Band – Aquamarin – angemessen zu präsentieren. Insbesondere durch seine energisch engagierte Art der Präsentation gelang es Gilberg immer wieder das Publikum mit auf die Reise in seine Songs zu nehmen.

Für den Hauptact des Abends haben dann letztlich immerhin noch geschätzte 80 Zuhörer den Weg gefunden, um dem vorletzten Konzert der ersten Headliner-Tour der Alternative-Rock-Band Kyles Tolone beizuwohnen. Die vier Musiker aus Göttingen zeigten live das, was ihr vor wenigen Wochen erschienenes Debütalbum Of Lovers and Ghosts schon ahnen ließ: Geradlinigen Alternative Rock.

Neben den Songs des Debütalbums wie Aftermath, Kryptonite oder Revive nahm die Band um Frontmann Eric Alexander Pulverich auch verschieden ältere Tracks in die Setlist des Abends auf. Darunter mit All Bound To Your Soul auch der erste Song, den die Band je gemeinsam geschrieben hat. Als besonderes Highlight hatte die Band zudem auch eine Coverversion von Robyns Dancing On My Own im Gepäck.

Pulverich freute sich sehr darüber, dass er im Publikum viele Fans und Freunde der Band entdecken konnte, die bei den meisten Songs sehr textsicher mitsingen konnten und hielt zu Beginn der Zugabe noch ein weiteres Highlight für die Fans bereit. Nachdem man kurz im Backstagebereich war, kehrte er alleine mit einer Akustikgitarre zurück um dann im Publikumsbereich ohne Mikrofon und Verstärker Demons zu singen, ehe im letzten Song des Abends die Band noch einmal auf der Bühne richtig Gas gab.

Man merkte Kyles Tolone an, dass sie inzwischen über eine gewisse Bühnenroutine verfügen, so dass sie es auch trotz des nur knapp zur Hälfte gefüllten Saals schafften mit ihren ruhigeren Songs wie A Wonderful Place das Publikum zu erreichen.

Am Ende stand ein Abend, an dem nicht alles so lief, wie es sich die drei Bands wohl vorgestellt haben. Aber dennoch konnten, alle, die den Weg ins Blue Shell gefunden haben am Ende trotzdem auf einen schönen Konzertabend zurückblicken und den Bands wünscht man einfach, dass bei ihrem nächsten Besuch in der Domstadt das Wetter vielleicht nicht ganz so gut ist.

Mehr zum Debütalbum von Kyles Tolone gibt es hier:

http://soundchecker.koeln/liebe-und-geist

 

Text & Fotos: René Kirschbaum

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