Plan M @ Philharmonie, 14. Januar 2016

Seit ein paar Jahren hat der WDR seine Jugendkonzert Reihe „Plan M@Philharmonie“ am Start. Die Klangkörper des WDR – Das WDR Sinfonieorchester (WSO), das Funkhausorchester, die WDR Big Band und der WDR Chor – gestalten Konzerte für junge Menschen in der Kölner Philharmonie. Durch die Konzerte führen gewöhnlich die WDR Radiomoderatoren Isabel Hecker und Nicolas Tribes.

Der Abend am 14. Januar wurde vom WSO unter Howard Griffiths bestritten und stand unter dem Motto „Sinfonisches“. Das Programm sollte einen Bogen schlagen, vom Großmeister der Sinfonien Joseph Haydn zu seinen Anhängern Alfred Schnittke und Sergei Prokofiew.
Es wurde ein unterhaltsamer, wenn auch ungewöhnlicher und etwas unruhiger Abend.
Am Anfang Stand Haydns Abschiedssinfonie. Da war schon das erste ungewöhnliche, der Abschied am Anfang? Der besondere Gag der Sinfonie besteht darin, dass im letzten Satz nach und nach die Musiker die Bühne verlassen. Sobald sie ihren letzten Ton gespielt haben, machen sie das Licht am Pult aus und gehen. Die Mitglieder des WSO lieferten amüsante Abgänge zu dessen Höhepunkt ein Kontrabassist samt seines über mannshohen Instrumentes auf der Bühne umherirrte, bis er den Ausgang fand. Das neben der Show das musikalische hochwertig war, muss beim WSO nicht groß erwähnen.
Als zum zweiten Stück nicht nur die Moderatoren, sondern auch die Inspizienten die Bühne betraten klärte sich auch die Frage, weshalb die Abschiedssinfonie den Anfang machte. Die Bühne wurde für Alfred Schnittkes „Moz Art a la Haydn“ umgebaut. Während der Zwischenmoderation wurde ein Halbkreis für  11 Musiker aufgebaut und zwei Pulte in der Mitte für Solo Violinen. Schnittkes „Moz Art“ verwendet Bruchstücke diverser Mozart Melodien und verschränkt sie mit sinfonischen Elementen nach Art Josephs Haydns. Das klingt kompliziert und das ist es auch. Manchmal vermischen sich die verschiedenen Schichten, dann stehen sie nebeneinander. Für ein Jugendkonzert eine mutige Wahl, denn es widerspricht bekannten Hörgewohnheiten. Howard Griffiths – nicht nur ein großartiger Dirigent, sondern auch ein unterhaltsamer Musikpädagoge – wusste aber mit einem Trick die  Schwere zu lösen. Wenn die Musik „verschmolz“, verschmolzen auch die Musiker, der Halbkreis rückte näher an die Solisten. Als diese einen besonders traurige Melodie anstimmten brachen die übrigen Musiker in Heulen und Schluchzen aus, Taschentücher wurde auf der Bühne rumgereicht. Zum Ende distanzierten sich die Stimmen wieder, also wurde der Halbkreis auch wieder größer. Als „Hommage“ an Haydn schickt auch Schnittke die Musiker zum Ende von der Bühne.
Puristen würden beklagen, dass die Gimmicks von der Musik ablenken und bis zu einem gewissen Grad haben sie Recht. Aber ein Jugendkonzert will die Zuhörer nicht durch ungewohnte Klänge verschrecken, sondern abholen und mitnehmen.
Wieder war die Bühne leer und wieder kamen die Inspizienten mit den Moderatoren um die Stühle und Notenständer für das dritte Stück – die Symphonie classique von Sergej Prokofjew – aufzubauen. Die Pause nutze Howard Griffiths um dem Publikum das dirigieren beizubringen. Unter seiner Leitung wurde „Happy Birthday“ gesungen und er erklärte was und wie ein Dirigent mit seinem Taktstock anstellt.
Die erste Prokofiew Sinfonie ist seine Hommage an Joseph Haydn. Er weicht völlig von seiner gewohnten Tonsprache ab und hat ein locker humorvolles Stück hervorgebracht. Für diesen Abend hätte man sich – besonders im ersten Satz – eine etwas schwungvollere Interpretation gewünscht. Es ist nicht schlecht, es hüpft und schwingt, aber die belebenden Läufe in den Bläsern wirken abgehackt und steif. Das gibt aber höchsten Abzüge in der B-Note für einen sehr gelungenen Abend.

Seit diesem Jahr hat der WDR das Format der Plan M Konzerte gestrafft und das tut dem Ziel der Reihe – junge Menschen für Musik zu begeistern – bestimmt gut. Daher ist es besonders Schade, dass die Kölner Philharmonie nicht mal zur Hälfte gefüllt war. Am Programm oder am Eintrittspreis – 5,50 € für alle unter 25 –  kann es kaum liegen. Vielleicht haben die Konzerte der letzten Jahre  – ein volles Konzertprogramm mit Moderation und einer Dauer von bis zu 150 Minuten – dem Ruf der Reihe geschadet. Man kann nur hoffen, dass sich das neue Format bald rumgesprochen hat.

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