Nordkap, Albanien, Australien: Yes!

Vor zwei Wochen erschien Moritz Eckers Debütalbum Yes, dessen Songs auf einer Reise mit dem Rad quer durch Europa entstanden sind. In einem Interview gab uns der Berliner Songwriter jetzt einen Einblick in seine Reiseerlebnisse und die Planung für zukünftige Touren. Natürlich erzählt uns auch, wie die ungewöhnlichen Entstehungsumstände Einfluss auf seine Musik genommen haben.

Du bist im Vorfeld deines Debütalbums Yes 11.000 km mit dem Fahrrad quer durch Europa gefahren. Wie bist du auf die Idee für diese Reisen gekommen?

Eigentlich kam die Idee, mit dem Fahrrad zum Nordkap zu fahren, als ich mir dem Zug in Skandinavien unterwegs war. Das Problem beim Zugfahren ist ja, dass man an den schönsten Stellen nur vorbei rauscht und nicht aussteigen kann. Und dann habe ich ein ziemlich cooles und auch ziemlich schrottreifes Rennrad gefunden, repariert und bin damit losgefahren.

War das neue Album erklärter Zweck deiner Reisen oder ist es eher ein Ergebnis, dass sich letztlich einfach daraus ergeben hat?

Das war genau genommen überhaupt nicht geplant. Ich dachte eigentlich, dass ich mal eine Weile nicht Gitarre spielen würde aber als ich nach 2 Wochen in Stockholm angekommen bin war meine linke Hand eingeschlafen und ist nicht mehr aufgewacht. Also habe ich mir eine Ukulele gekauft auf der ich zwischendurch ein bisschen spielen konnte damit meine Hand bei der Sache bleibt.

Wie lange warst du auf deiner Reise bzw. auf deinen Reisen unterwegs?

Von Berlin zum Nordkap und zurück hat es ungefähr 2 Monate gedauert, aber ich hab auf dem Rückweg ein wenig getrödelt, deswegen musste ich in Polen schummeln und  ein Stück mit dem Zug fahren. Nach Istanbul und nach Tirana braucht man jeweils ungefähr einen Monat.

Wie hast du deine Touren geplant? Hast du vorab schon die einzelnen Etappen und die Übernachtungsorte ausgeguckt oder bist du einfach ins Blaue gefahren?

Das ist das Schöne an Europa, man braucht eigentlich gar nichts planen und kann einfach losfahren. Das einzige was man machen sollte ist, die Freunde die auf dem Weg wohnen vorzuwarnen, dass man demnächst verschwitzt und vollbärtig vor der Tür steht. Auf der anstehenden Tour ist das leider nicht ganz so einfach, da muss ich mich vorab um Visa kümmern und auch die politische Weltlage im Blick behalten, und die wendet sich ja meistens nur langsam zum guten aber manchmal schnell zum schlechteren.

Warst du auf deinen Touren immer alleine unterwegs oder hattest du Begleitung?

Ich bin immer alleine losgefahren und war auch die meiste Zeit alleine unterwegs aber es gibt tatsächlich ziemlich viele Verrückte, die mit dem Fahrrad, Einrad, Tretroller oder zu Fuß durch die Welt ziehen und mit denen man die eine oder andere Etappe fahren kann.

Wenn man mit dem Fahrrad durch die Lande fährt, kommt man ja auch regelmäßig mit Land und Leuten in Kontakt. Kannst du uns von der einen oder anderen spannenden Begegnung berichten?

Ja, man trifft sehr viele sehr verschiedene Menschen. Zum Beispiel hat mich in Albanien eine Gruppe Kinder gestoppt um mir die Hand zu schütteln, das war ziemlich cool. Und in einer Taverne im hintersten Winkel von Griechenland hatte ich eine sehr unterhaltsame Mittagspause mit einer Gruppe griechischer Rentnern, die alle mal in Deutschland gelebt und gearbeitet haben und ein ziemlich breites Schwäbisch gesprochen haben.

Was war der beeindruckendste Ort, den du mit dem Fahrrad bereist hast?

Wahrscheinlich war für mich das Nordkap am beeindruckendsten weil es mein erstes weit entferntes Ziel war und ich bis dahin ja gar nicht wusste ob ich das schaffe. Zumal man ja ständig gesagt bekommt, dass das gar nicht geht und man irgendwo im Wald verhungert oder von wilden Tieren aufgefressen wird. Das Nordkap an sich ist allerdings nur ein ziemlich unbeeindruckender Felsen mit Massen von Reisebussen und schlechtem Wetter auf dem man den wahrscheinlich teuersten mittelmäßigen Kaffee Europas kaufen kann. Die Berge in Albanien sind sehr beeindruckend und ähnlich kräftezehrend.

Die Songs für dein Album sind ja unterwegs entstanden. Wie kann man sich den Songwriting-Prozess auf dem Fahrrad vorstellen?

Naja, man hat eben sehr viel Zeit nachzudenken und neben alle möglichen Ideen für Erfindungen, Rezepte, Geschenke, die Rettung des Klimas und der Weltwirtschaft kommen eben auch ein paar Songs dabei heraus.

Instrumente sind ja mit dem Fahrrad nicht ganz einfach zu transportieren. Welches musikalisches „Handwerkzeug“ hattest du unterwegs zur Verfügung?

Zu Anfang die besagte Ukulele, dann hab ich aber eine sehr kleine Folk-Gitarre dabeigehabt, die ich auf dem Rücken getragen hab. Und seine Stimme hat man ja immer bei sich.

In wie weit haben Erlebnisse und Begegnungen Einfluss auf Sound oder Inhalt deiner Songs genommen?

In Schweden habe ich Musiker kennengelernt, die mich inspiriert haben, selber anzufangen, Songs zu schreiben und mit denen sich eine intensive Zusammenarbeit entwickelt hat. Wir sind danach sogar zusammen auf Tour gegangen, das war sehr spannend und hat sicher Spuren in meiner Musik hinterlassen. Und in einer Bar in Riga habe ich Tom kennengelernt, der danach für eine Zeit in Berlin gewohnt hat und von dem ich sehr viel übers Schreiben, Programmieren und Meditieren gelernt habe. Ein Song, den wir zusammen geschrieben haben ist auch auf dem neuen Album.

Wir würdest du deinen musikalischen Stil beschreiben? Von wem oder was – außer deinen Reisen – ist deine Musik beeinflusst?

Ich würde meine Musik als handgemachte Popmusik beschreiben auch wenn das wahrscheinlich nicht als Stil durchgeht. Oder umgekehrt – kein Techno, kein Balkan, kein Metal, kein Schlager aber auch keine Deprimucke. Definitiv haben mich die Platten von meinen Eltern beeinflusst: Pink Floyd, The Kinks, Leonard Cohen, Jimi Hendrix, Bob Dylan der ganze Hippie Kram aus England und den USA.

Wie viel Nachbearbeitung musste an den Songs noch nach deinen Reisen vorgenommen um sie studio- und letztlich albumfähig zu bekommen?

Sehr viel. Ich kann ewig an den Songs herumschrauben und würde es wahrscheinlich immer noch tun wenn ich sie nicht irgendwann aufgenommen und ans Presswerk geschickt hätte.

Bald bist du wieder unterwegs. Allerdings nicht durch die Clubs und Bühnen Deutschlands um dein Album zu präsentieren, sondern du schnappst dir wieder das Fahrrad und fährst los Richtung Singapur und dann nach Australien. Warum hast du dich entscheiden dein Album nicht zunächst auf Tour zu bringen?

Tatsächlich gehe ich mit meinem Album auf Tour, nur nicht durch die Clubs in Deutschland sondern mit dem Rad in Richtung Kaukasus und weiter nach China. Ich hab meine Gitarre dabei und werde Konzerte und Straßenmusik spielen. Ich glaube das passt gut zur Musik und ich hoffe damit Leute zu erreichen, die ich sonst nicht erreichen würde. Hauptsächlich bin ich aber einfach neugierig darauf was mich erwartet. Und außerdem muss ich mich ein wenig beeilen um bis September über den Pamir rüber zu sein, dann wird es da glaube ich sehr kalt.

Wie kam es zu der Auswahl deines nächsten Reiseziels?

Ich habe einfach überlegt was am weitesten entfernt ist und dabei ist Australien herausgekommen. Viel weiter kann man glaube ich nicht fahren.

Welche Route hast du geplant und wie lange schätzt du unterwegs zu sein?

Zuerst geht es über die Ukraine und Russland nach Tiflis, dann nach Teheran und weiter über die Seidenstraße und Almaty nach China und in Richtung Hongkong. Wenn das alles so klappt fahre ich weiter nach Bangkok und Singapur. Durch Indonesien und von Bali dann mit dem Schiff nach Darwin und weiter nach Melbourne. Vielleicht brauche ich ein Jahr, vielleicht aber auch länger.

Denkst du, dass am Ende der Australienreise dein zweites Album stehen wird?

Gute Frage. Keine Ahnung. Wahrscheinlich ja.

Vielen Dank & gute Reise

 

Mehr zu Moritz Eckers Debütalbum Yes findet ihr hier: Radtour mit Musik

Viele weitere Bilder von den Reisen gibt es auf Instagram.

Homepage: Moritz Ecker

Facebook: Moritz Ecker

Instagram: Moritz Ecker

Interview: René Kirschbaum

Fotos: Moritz Ecker

 

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