Mittelalter, Gegenwart und Zukunft

Am Freitag spielten Subway To Sally ein begeisterndes Konzert in der Essigfabrik in Köln. In der kurzen Tourpause bevor am Donnerstag ins Tourfinale geht, nahm sich Bodenski die Zeit uns einige Fragen zu dem NEON-Projekt und zu den Zukunftsplänen der Band zu beantworten.

Zum Einstieg die Frage, die ich mir als erstes gestellt habe, als ich von NEON gelesen habe: Wie kommt man auf die Idee Mittelalterrock und Dub Step zusammenzubringen?

Die treibende Kraft dahinter war unserer Gitarrist Ingo Hampf. Er ist immer auf der Suche nach neuen Einflüssen und wurde irgendwann auf Künstler wie Skrillex aufmerksam. Er hat sich dann intensiv mit dieser Soundkultur auseinander gesetzt und diese Einflüsse in unsere Welt hinein gezogen.

Wie kam der Kontakt zu Cop Dickie zu Stande? Was war seine erste Reaktion als er von eurer Idee gehört hat?

Wir wollen diesmal einen Gastmusiker einladen, der aus einem komplett anderen Genre kommt. Da wir mit dem Mannheimer Johannes Schlump, a.k.a. Cop Dickie, auf unserem letzten Studioalbum „Mitgift“ zusammen gearbeitet hatten, lag es nahe, ihn zu fragen, ob er uns bei NEON unterstützen würde. Seine Tätigkeit ist vielleicht am treffendsten mit „Soundperformer“ zu beschreiben.

Zwei wichtige Eigenschaften von Cop Dickie sind Offenheit und Neugier, deshalb fand er unsere Anfrage sofort sehr interessant. Er besitzt auch genügend musikalisches Verständnis um zu erkennen, dass er in der Zusammenarbeit mit Ingo Hampf selbst sehr viel mitnehmen kann.

Wie lange musstet ihr gemeinsam tüfteln und ausprobieren bis ihr einen bühnenreifen Sound kreiert hattet? Was waren die besonderen Herausforderungen in dieser Findungsphase?

Wir konnten auf ein paar Erfahrungen der Mitgift-Produktion zurück greifen, alles andere musste in mühsamer Kleinarbeit geschaffen werden. Viele Titel wanderten mehrmals zwischen Ingo und Cop Dickie hin und her, bevor sie bei uns im Proberaum landeten. Eine ganz andere Frage war dann, wie man so etwas live spielt, denn immerhin wird das elektronische Zeug genau wie jedes Instrument auch in Echtzeit performt. Mit allem brauchten wir ca. ein halbes Jahr dafür.

Ihr seid bekannt dafür eine große Anzahl unterschiedlichster Instrumente für eure Songs einzusetzen. Wie viele unterschiedliche Instrumente habt ihr auf dieser Tour dabei? Was ist das ungewöhnlichste Instrument, das ihr im Gepäck habt?

Es dürften allein 10 verschiedene Saiteninstrumente sein. Dazu noch verschiedene Flöten und der Dudelsack von Eric, Drums und elektronisches Zeug oben drauf – da kommt einiges zusammen. Ungewöhnlichstes Instrument ist sicher die Harfencister von Ingo, die nach seinen Vorgaben in Österreich gebaut wurde. Wenn man das googelt kommt auch sofort ein Bild von Ingo.

Ihr seid jetzt genau in der Mitte eurer zweiten Ekustik-Tour. Welche Pläne habt ihr nach der Tour? Wird es im Herbst einen Teil 3 geben oder geht ihr ins Studio um an neuem Material zu arbeiten?

Nun, im Herbst sollten wir mal die Köpfe zusammen stecken und darüber reden wohin die Reise dann gehen soll. Ein neues Album wäre das Ziel, allerdings nur, wenn wir musikalisch und inhaltlich was zu sagen haben. Allerdings ist mir da nicht bange.

Werdet ihr im Sommer Open Air Festivals spielen?

Ja klar, es sind auch wieder mal Lieblingsfeste wie Wacken oder M’era Luna dabei.

Nach über 25 Jahren: Welche Pläne habt ihr als Band generell für die Zukunft? Gibt es noch nicht verwirklichte Träume, die ihr euch erfüllen wollt?

Inzwischen spielen wir sogar auf Kreuzfahrtschiffen – was sollte da noch kommen? Aber im Ernst: Man muss den „höher, schneller, weiter“-Gedanken irgendwann beiseite lassen und sich auf das Wesentliche konzentrieren. In unserem Fall ist es die Frage, ob wir uns künstlerisch noch entwickeln können. Nach Mitgift und Neon dürfte die Antwort klar sein.

In eurer langen Bandgeschichte habt ihr ja nicht ausschließlich deutsche Texte geschrieben. Könntet ihr euch vorstellen ein Album komplett auf Englisch oder in einer anderen Sprache zu machen?

Haben wir überlegt und verworfen. Das wären nicht wir.

Mittelalterrock, Mittelaltermärkte, -rollenspiele und so weiter. Diese Epoche scheint in den letzten Jahren und Jahrzehnten einen gewissen Boom zu erleben. Was denkt ihr: Woran liegt das? Was macht die Faszination für diese Epoche – die ja historisch betrachtet nicht den besten Ruf genießt – aus?

Das ist ja alles sehr verschwommen. Neben den wenigen Bands, die sich um echte alte Musik verdient machen, gibt es ja fast alles. Inzwischen singen auch Piraten und Musketiere auf besagten Events, was nicht annähernd etwas mit Mittelalter zu tun hat. Mein Vater hat in den 70er Jahren Tanzmusik gemacht, da war die Berufsbezeichnung klar. Gespielt wird was gefällt. Punkt. Historisch muss man das nicht übertrieben interpretieren, auch wenn einige Gassenhauer der alten Musik zu fast jedem Programm der genannten Veranstaltungen gehören. Wir Deutschen haben im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern keine so lebendige Volksmusik, vielleicht kompensieren (oder verwechseln) wir das mit Mittelalterrock, den es so nirgendwo sonst auf der Welt gibt.

 

Unseren Konzertbericht und den Review des Albums findet ihr hier:

Subway to Sally begeistern in Köln

Mitelalterrock und Dub Step

 

Interview: René Kirschbaum

 

 

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