Klassik Heute „Der Schwanendreher“ – Großer Sendesaal des WDR – 26. Februar 2016

Mit seiner Reihe „Klassik Heute“ kehrt das WDR Sinfonieorchester fünf mal in der Saison an seine alte Spielstätte, den Klaus von Bismarck Saal im WDR Funkhaus am Wallrafplatz – den großen Sendesaal des WDR – zurück.  In der – im Vergleich zur deutlich größeren Philharmonie – intimen Atmosphäre, bietet die Reihe Abende, die sich etwas abseits des großen sinfonischen Programms abspielen und sich oft durch kleinere, besondere Besetzungen des Orchesters auszeichnen.
Der Abend des 26. Februar kann als Beispiel dafür her halten.

Am Anfang des Abend stand das Trittico Botticelliano von Ottorino Respighi. Respighi malt drei Gemälde des italienischen Renaissancemalers Botticelli musikalisch nach. Zuerst „Der Frühling“; das Orchester lässt die  Blumen blühen, die Bäume ausschlagen und vertreibt den kalten Winterabends, durch den alle noch 30 Minuten vorher zum Konzert gegangen sind. Unter der Leitung des Briten Andrew Manze wird es dann fast noch mal weihnachtlich, das zweite Bild ist die Anbetung der drei Weisen. Der langsame Satz des Triptichons zeugt von der zarten Anbetung und der Erfurcht aus der man plötzlich durch orientalisch anmutende Klänge der Celestea herausgerissen wird. Zum Finale zeichnet uns der Komponist die Berühmte „Geburt der Venus“ . Die Violinen lassen die Wellen plätschern, während die Bläser die ganze Schönheit der Venus erklingen lassen. Ein Fest für die Ohren und die Emotionen. Das Orchester schwelgt, so gefühlvoll wie präziese, in wunderschönen Melodien und Harmonien

Vor dem zweiten Stück, dem titelgebenden Schwanendreher von Paul Hindemith musste die Bühne umgebaut werden. Wie erwähnt werden in den Konzerten „Klassik heute“ auch seltener gespielte Werke mit besonderer Besetzung auf die Bühne gebracht. So Der Schwanendreher von Paul Hindemith, für Bratsche und Orchester. Um die Solo-Bratsche nicht im Orchesterklang zu ertränken hat der Komponist Violinen und Bratschen aus dem Orchester entfernt. Allein sechs Celli und vier Kontgrabässe bleiben als Streicher übrig. Die Bläser sind meist zweistimmig besetzt und eine Harfe findet sich auch.
Solist an der Bratsche ist der Solobratschist im WSO, Junichiro Murakami. Der muss das Stück alleine beginnen und zeigt schon in den ersten Takten seine Virtuosität. Das Hindemith Konzert basiert auf einer Reihe deutscher Volkslieder die in drei Sätzen verarbeitet werden. Anders als der sehr eingängige Respighi, wirkt der Schwanendreher etwas sperrig. Aber trotz – oder wegen – seiner atonalen Einschübe wird es – auch Dank der klaren Musiksprache Paul HIndemiths – nie verwirrend oder unzusammenhängend. Am Anfang des zweiten Satzes steht ein Dialog von Harfe und Bratsche. Man kennt sich, ein kurzer Blick ein kurzes Kopfnicken reichen für makelloses Zusammenspiel. Den mehr als verdienten Applaus erhielten Solist, Orchester und Dirigent nicht nur vom Publikum, sondern auch von den „aussortierten“ Orchestermitgliedern, die sich in die Reihen gemischt hatten.

Nach der Pause stand die Serenade Nr. 2 von Johannes Brahms auf dem Programm. Das Stück des jungen Brahms war erst das dritte das er für Orchester geschrieben hat. Die Erwartungen in ihn von außen, wie auch die die er an sich selber hatte lähmten ihn, wenn es daran ging eine Sinfonie zu schreiben. Seine Bemerkung, dass man im Schatten der Sinfonien Beethovens keine neuen Sinfonien schreiben könnte, geben eine Ahnung von seinen Gefühlen. Also erst mal kleine Orchesterwerke, wie die Serenaden, die er in einer Tradition an Mozart knüpfend geschrieben hat. Die Besetzung sieht  – wie beim Schwanendreher – keine Violinen vor. Die Streicher bestehen aber diesmal neben Celli und Kontrabässen auch aus einer Bratschengruppe. Dafür um so mehr Bläser. Flöten, Oboen, Hörner, Klarinetten, Fagotte, Trompete und Posaune. Wenn auch in klassischer Tradition und Besetzung, klingt alles nach Brahms. Das ist mehr als eine technische Fingerübung, ein handwerkliches ausprobieren. Trotz der luftigen Grundstimmung – Serenaden waren ursprünglich „open Air“ Konzerte – klingt eine Vorahnung  auf das was wir später von Brahms bekommen würden schon hier durch. Von den schwermütigen Partien, die Spannung erzeugen zu den kraftvollen Entladungen. Die zarten Melodien in den langsamen Teilen und die jubelnden Ausbrüche in den schnellen. Die Form ist klassisch, aber die Musik durch und durch romantisch. Und durch das alles führt Andrew Manze das Orchester mit leichter Hand. Mal tänzelt er auf seinem Podest, dann wieder forciert er mit energischer Geste. Das Orchester folgt souverän seiner Leitung, den Tempi- und Stimmungswechseln.
Am Ende des Abends trat man mit der Zuversicht, dass der Frühling nicht mehr weit ist in die kalte Nacht.

Das Konzert kann man noch bis ca. 26. März im WDR Konzertplayer nachhören.

Webseite: WDR Sinfonieorchester
Facebook:  WDR Sinfonieorchester
Konzertplayer: Der Schwanendreher – 26.02.2016 

 

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