Kein Boxer aber ein Kämpfer für mehr

Max Prosa – Keiner Kämpft Für Mehr

Vier Jahre nach Rangoon präsentierte Max Prosa vor einigen Tagen sein neuestes Werk Keiner kämpft für mehr. Dem Berliner Songwriter ist es erneut gelungen seine Gedichte und Geschichten mit eingängiger Musik, die unterschiedliche Genres umspannt und sich letztlich doch als Pop zusammenfassen lässt, zu kombinieren.

Seine Texte hält Max Prosa häufig in der ersten oder zweiten Person, was ihnen eine gewisse Verbindlichkeit verleiht, egal ob sie gerade positive oder negative Assoziationen und Stimmungen auslösen. Im Vergleich zu seinen ersten Werken sind die Texte des Songwriters direkter und weniger verspielt und gehen eine deutlich engere Beziehung mit der Musik ein, die im neuen Werk mehr ist als nur begleitendes Beiwerk zu den Gedichten Max Prosas. In vielen Stücken ist es so dass es die Musik ist, die die Geschichte die erzählt wird einleitet und dann auch durch den Song trägt.

Der Sound von Keiner kämpft für mehr ist poppiger als auf den ersten beiden eher folkigen Alben. Es schwankt zwischen tanzbarem und mainstreamradiotauglichem Indie-Pop wie in Seiltanz und typischem Songwriter-Gitarrensound in Glauben An  oder Auf der Suche nach Mehr. Ein spezieller Sound-Ausreißer ist Der Boxer – hier versucht sich Max Prosa als Rapper und irgendwie will man ihm diesen Casper-Sound nicht so wirklich abnehmen – wohl auch weil es so überhaupt nicht in das Gesamtbild des Albums passen möchte.

Ein deutlich gelungenerer Stilbruch seines eigenen Schaffens ist der Song Rob a bank. In dem Song singt Max Prosa die Dialoge der Geschichte in Englisch und kombiniert dies mit der auf Deutsch gehaltenen Erzählung. Das Sprachkonstrukt erinnert ein wenig an Songs von Ja, Panik – aber trotz oder gerade wegen dieser Besonderheit ist der Song für mich eines der Highlights des Albums.

Der textliche Höhepunkt des Albums ist der Titeltrack des Albums. Hier findet Max Prosa den Sprung aus den zwischenmenschlichen Themen und Bildern, die das Album prägen. hin zu globalen Problemen und steigert sich von der Resignation einer gescheiterten Beziehung über die Wut über das Geldverdienen an Kriegen hin zu erneuter, dieses Mal aber globaler Resignation in der letzten Strophe:

Trotz Leuchtzifferuhren wird es zu spät,

Wenn alle nur reden und niemand sich regt.

Der Schutzengel weint – ruft uns hinterher: 

„Was sollte ich machen? – Keiner kämpft für mehr.

Als wenn da gar nichts wär‘.“

Insgesamt liefert Max Prosa in seinem neuesten Werk eine Mischung aus Bewährtem und Neuem. Und auch wenn der eine oder andere musikalische Gehversuch nicht so funktioniert hat, wie man sich es gewünscht hätte, so machen doch Songs wie Rob a Bank, Die Phantasie wird siegen, das auch durch den namentlichen Rückgriff auf das Debütalbum Aufmerksamkeit erregt, oder eben der bemerkenswerte Titeltrack das neueste Werk von Max Prosa hörenswert. Und möglicherweise erweitert der etwas poppigere musikalische Weg am Ende sogar die Zielgruppe für den Berliner Songwriter.

Homepage: Max Prosa

Facebook: Max Prosa

 

Text: René Kirschbaum

 

 

 

Erzählt von uns: Facebooktwitterby feather