Gürzenich-Orchester Köln, 21.12.2015, Köln Philharmonie

Maurice Ravel gehört mit dem „Bolero“ auch in den Kreis von Komponisten, die ausschließlich mit einem einzigen Stück in Verbindung gebracht werden (siehe auch die Konzert Besprechung vom 18.12.2015 und mehr zum Bolero im Frühjahr zu einem Konzert des WSO), obwohl sie viel mehr und bedeutenderes geschrieben haben.

Maurice Ravel »Ma mère l’oye« – Cinq pièces enfantines
Unter der Leitung von Louis Langrée hatte das Gürzenich Orchester Ravel auf dem Programm, zuerst fünf Kinderstücke unter dem Titel »Ma mère l’oye«. Märchenhaftes erklingt da auf der Bühne, der Däumling, Dornrößchen, ein Feengarten…
Ravel ist ein Meister der Orchestrierung und Langrée führt das Orchester mit leichter Hand in diesen Klangzauber. Da säußeln die Streicher einen Wind, Vögel zwitschern, ein Kuckuck schreit, die Harfe erzeugt einen perlenden Bach. Die Steigerung des Hörerlebnisses erfolgt, wenn man erkennt, wie manche Töne erzeugt werden. Die Stimmung verändert sich kaum merklich, weil die Melodie übergangslos von der Oboe zum English Horn wandert. Harfe und Celesta (eine Art Glockenspiel mit Klavier Tastatur) erzeugen gemeinsam fast schwerelose, sphärische Melodien.  Es braucht einen Moment aus dieser Stimmung zurück in die Welt zu kommen, aber der zögerlich beginnende Applaus erreichte dann doch bald die verdiente Lautstärke.

Maurice Ravel Konzert für Klavier und Orchester G-Dur
Dann wurde das Klavier buchstäblich in den Mittelpunkt gerückt und an ihm nahm der Schotte Steven Osborne platz.
Kaum dort angekommen peitschte ein Knall durch die Luft und das G-Dur Klavierkonzert hatte begonnen. Es swingt und jazzed, das Leben tobt. Man könnte sich auf einem belebten Platz wähnen auf dem verschiedene Einflüsse zusammenkommen. Eine klebrige Klarinette jault, eine blecherne Trompete, plötzlich eine sanfte Harfe, dazwischen immer ein hüpfendes synkopisches Klavier. Das Orchester gibt alles, besonders die Bläser schaffen es den stark vom Jazz und Gerschwin beeinflussten Sound schmutzig über die Bühne zu bringen. Die Streicher klingen da mitunter blütenrein und man möchte doch ein paar mehr „Flecken“ hören.
Der zweite Satz – nicht nur von der Reihenfolge die Mittelpunkt des Konzerts – ist ein krasser Gegensatz: Die Nacht ist hereingebrochen, sogar der Mond ist schon untergegangen und ein melancholisches Klavier spielt alleine. Erst nach unendlich erscheinender Zeit setzt das Orchester ein und steigert die Stimmung ins sehnsüchtige. Dieser zweite Satz ist – wenn er schlecht gespielt wird – immer in der Gefahr kitschig zu werden. Aber heute Abend bestand diese Gefahr nie. Immer unter der Führung des Klaviers malte das Orchester weiter an dem Bild der sehnsuchtsvollen Nacht.
Der nächste Satz, der nächste Morgen. Der Platz füllt sich wieder mit Menschen und Musik, aber leider auch mit Hektik. Zu schnell geht Langrée das Finale an und bringt so das Orchester in Schwierigkeiten. Der Rhytmus stimmt nicht so präzise wie im ersten, die Bläser können ihre Melodien nicht mehr richtig spielen, alles einen Hauch zu rasch. Es fängt sich im zweiten Teil des Satzes, aber man sieht dem einen oder anderen Musiker die Unzufriedenheit an.  Das tut dem ganzen keinen wirklichen Schaden, nach einem furiosen Schluss bricht furioser Applaus los, besonders für den Pianisten.
Er bedankt sich auf seine Art und spielt uns passend zum amerikanisch geprägten Konzert einen dampfenden Blues auf dem Klavier als Rausschmeißer.

Weitere Informationen im Internet:

Pianist: Steve Osborne
Dirigent: Louis Langrée

Gürzenich-Orchester, Köln

 

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