Großer Rock auf kleiner Bühne

Es ist schon auf den ersten Blick etwas seltsam, wenn einer der größten Gitarristen unserer Zeit in einem kleinen Kellerkonzertraum in einer ehemaligen Molkerei in Zülpich aufschlägt um ein Konzert vor gut 100 Zuschauern und –hörern zu spielen. So war es am 20.05. als The Blue Poets, die im vergangenen Jahr neu formierte Band um Marcus Deml, dem bereits 2005 vom US-Magazin Guitar Player der Guitar Hero Award verliehen wurde, im LiveProberaum auftraten.

The Blue Poets haben sich dem Blues-Rock im Stil der 70er-Jahre verschrieben und präsentierten den Besuchern in Zülpich ein Programm, dass sich in erster Linie aus Songs des ersten – ebenfalls den Bandnamen tragenden – Albums nährte. Marcus Deml steuerte neben virtuosem Gitarrenspiel auch immer wieder unterhaltsame Anekdoten zu den Songs ein und stand von der Begrüßung bis zur Verabschiedung in ständiger Interaktion mit dem Publikum und auch innerhalb der Band war stets eine gut gelaunte Kommunikation untereinander spürbar, die weit über das gemeinsame präsentieren von Songs hinaus ging.

Im Zentrum aber stand natürlich die Musik, deren Herzstück natürlich die außergewöhnlichen Fähigkeiten Demls sind, in die sich aber auch alle anderen Musiker der Band mit ihren Qualitäten einbringen konnten. Insbesondere ruhigere Songs wie Alien Angel lebten von der guten Stimme und der expressiven Präsentation durch Lead-Sänger Gordon Grey, während in den rockigeren Stücken wie Won’t you suffer auch Schlagzeug und Bass zum Tragen kamen.

Bassist Phil Steen spielte eine zentrale Rolle im Requiem für den leider zu früh verstorbenen Gary Moore, der zu den prägenden Vorbildern Marcus Demls zählt und durch einen in Rock / Pop In Concert ausgetrahlten Gig Deml von der Jazzgitarre zum Rock & Blues brachte. Dieses Requiem war einer der Momente des Konzerts, an dem auch die leisen Töne zum Tragen kamen und das überwiegend rockerfahrene Publikum hatte ein gutes Gefühl dafür, wann es mitrockte und wann es einfach galt den Künstlern ruhiges Lauschen und Bewunderung zukommen zu lassen.

Der junge Schlagzeuger Felix Dehmel hatte seinen ganz großen Auftritt während des Covers von Deep Purples Strange Kind Of Woman. Innerhalb des ohnehin schon bemerkenswerten Songs legte Dehmel ein episches Solo auf den Drums hin, dass dem Publikum immer wieder Szenenapplaus abnötigte und das – wie ein gutes Feuerwerk – immer wieder einen drauf setzte, wenn man als Zuhörer den Höhepunkt erreicht wähnte.

Vier exzellente Musiker, die in kurzer Zeit zu einer Band  gewachsen sind und vor Spielfreude und musikalischer Klasse nur so strotzen, das sind The Blue Poets. Und das war die Basis für einen bemerkenswerten Abend in Zülpich, an dem der Funke von der Band zum Publikum übersprang und die Zeitlosigkeit des Blues-Rock-Sounds deutlich wurde. Es gelang Marcus Deml und Co perfekt den Sound der 70er einzufangen ohne dass die Musik der Blue Poets ihre Eigenständigkeit verlor. Die kleine Location verstärkte die Wirkung zudem, da die Kommunikation und Interaktion zwischen Band und Publikum keine Einbahnstraße war, sondern die Musiker immer wieder auch auf Zwischenrufe aus den Fanreihen eingehen konnten.

Nach fast zwei Stunden verließ die Band unter tosendem Beifall die Bühne um gleich danach noch am Merch-Stand für – teils außergewöhnliche – Autogrammwünsche und das eine oder  andere Gespräch bereit zu stehen. Und die Vielzahl der Autogrammanfragen und CD-Käufe zeigte, dass der LiveProberaum in Zülpich an diesem Abend Schauplatz eines außergewöhnlich großartigen Konzerts war.

Text: René Kirschbaum

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