Erdmöbel lassen die Hoffnungsmaschine laufen

Fünf Jahre dauerte es seit dem letzten Studioalbum bis Hinweise zum Gebrauch Anfang 2018 erschien. Und mit ihrem bislang – nicht nur aufgrund des vom Album blickenden Ex-US-Präsident Barack Obama, der auch bei Konzerten den Bühnenhintergrund bildet – politischsten Album kamen Erdmöbel auf ihrer Tour im Kölner Gloria vorbei.

Im „schönsten Club Deutschlands“ – wie Markus Berges befand – eröffneten sie den Abend mit dem Titeltrack des Albums und hatten vom ersten Takt an die volle Aufmerksamkeit des Kölner Publikums und auch alle Zuhörer, die mit dem neuen Album noch nicht vertraut wurden dann spätestens mit dem darauf folgenden Erdmöbel-Klassiker In den Schuhen vonAudrey Hepburn abgeholt und mitgenommen in einen tollen Konzertabend.

Noch bevor Markus Berges, Ekki Maas und Co. auf die Bühne kamen durften Eric Pfeil und die Realität das Programm eröffnen und das Publikum auf Erdmöbel vorbereiten. Und diese Aufgabe nahm Eric Pfeil – der vielen durch seine Kolumne im Rolling Stone bekannt sein dürfte – auch sehr direkt und spielte in nahezu jeder Moderation zu seinen sechs Songs launisch, unterhaltsam und ein wenig ironisch auf Erdmöbel oder Ekki Maas an. Diese Leichtigkeit übertrug schon so früh am Abend auch auf das Kölner Publikum, das aufmerksam den besonderen Songwriter-Songs mit teils kreativ-skurrilen Texten wie Der depressive Detektiv oder Marzipan in Michigan folgte und Eric Pfeil nach sechs Songs mit viel Applaus verabschiedete.

Und diese Leichtigkeit und die entspannte Stimmung nahmen Erdmöbel dann auch auf und schafften – trotz nach eigenem Bekunden vorhandener Heimspielnervosität – eine Nähe zu ihrem Publikum, die in Köln auch größtenteils wohl Besitzer und Kenner der neuen Platte sind. Denn auch die neuen Songs wurden zur offensichtlichen Freude der Band bei der Ankündigung oder dem Verklingen der letzten Töne von den Zuhörern mit viel Applaus und freudigen Zwischenrufen bedacht. Und auch komplexe und ungewöhnliche Songs wie die in einen Song verwandelt youtube-Tränenerzeugungs-Anleitung Tutorial erhielten volle Aufmerksamkeit und freudiges Feedback der Fans.

Die Resonanz der Fans und der Umgang der Band mit selbiger machten den Abend besonders. Die Musiker nahmen sich Zeit auf Zwischenrufe einzugehen, zu antworten und bei Bedarf den anderen Besuchern im Gloria Hintergründe zu erläutern. Diese Unmittelbarkeit in der Kommunikation zwischen Band und Fans war immer wieder zu spüren, egal ob bei Zwischenrufen oder einfach nur dann wenn das mitsingende Publikum den Musikern ein Lächeln ins Gesicht zauberte.

Und Erdmöbel fanden für diesen Abend eine nahezu perfekte Mischung aus Nachdenklichkeit beispielsweise bei Wort ist das falsche Wort und guter Laune, die bei Blinker und Dreierbahn auch kurz fast überschwänglich wurde. Im Set mischten sie stimmig ALLE Songs des neuen Albums mit vielen Erdmöbelklassikern, die inzwischen aus den Alben von 22 Jahren stammen.

Und so endete ein Set aus kunstvollen, detailverliebten und liebevoll arrangierten Songs, die aber trotzdem die Kunst schaffen nie abgehoben oder für den Zuhörer unzugänglich zu sein, mit dem melancholisch-schönen Die Devise der Sterne als zweite Zugabe und passendes Finale eines Konzertabends, der wie gemacht war für das Gloria Theater mit seiner gemütlichen Wohlfühlatmosphäre.

 „Schreib eine Zeile pro Tag in die Hoffnungsautomatgebrauchsanweisung“, so lautet die vielleicht zentrale Aufforderung der Hinweise zum Gebrauch. Und dieser Aufforderung kamen Markus Berges, Ekki Maas, Wolfgang Proppe und Christian Wübben,  die wie beim schon beim Album auch auf Tour musikalische Unterstützung von Henning Nierstenhöfer und Christa Becker erhielten, auch bei ihrem Heimkonzert nach. Sie schrieben eigentlich ein ganzes Konzert in die Hoffnungsmaschine, das man aber auch mit dem Titel des letzten Songs des Haupteils des Konzert treffend zusammenfassen kann: Das Leben ist schön.

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Text / Bilder: René Kirschbaum

 

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