Die Musikwelt zu Gast in Köln

The Parlotones, LUXOR, 18.10.18 und John Butler Trio, Palladium, 19.10.18

Zwei Bands, die in ihren Land absolute Größen sind, waren in der vergangenen Woche zu Gast in der Domstadt und spielten an aufeinanderfolgenden Tagen im Luxor und im Palladium auf. Die Rede ist von The Parlotones aus Südafrika und dem John Butler Trio aus Australien.

Wie gesagt: Beide Bands gehören seit Jahren zu dem besten was die Musikmärkte ihrer Länder hergeben und spielen dort Konzerte in großen Hallen. Internationale Aufmerksamkeit erhielten The Parlotones unter anderem mit ihrem Auftritt bei Live Earth 2007. Und auch in Deutschland schafften sie es – vielleicht für den einen oder anderen unbemerkt – einen Song markant zu platzieren. Während der WM 2010 – bei der sie mit Push Me To The Floor auch an der Eröffnungsfeier beteiligt waren – wählte die ARD Come Back As  Heroes als ihren WM-Song aus.

Wie groß das Repertoire der Band um Sänger und Songwriter Kahn Morbee ist, zeigt sich schon daran, dass sie diesen in Deutschland wohl bekanntesten Song in Köln wie schon beim letzten Auftritt vor 2 Jahren nicht im Set hatten. Aber immerhin blicken The Parlotones auch schon auf 20 Jahre Bandgeschichte zurück und so finden sich natürlich viele Songs um ein 100-minütiges Set für das Luxor zu füllen. Aber die musikalische Globalisierung geht (leider) noch nicht so weit, dass The Parlotones auch in Deutschland die größeren Hallen füllen. Im Gegenteil selbst im vergleichsweise kleinen Luxor blieben einige Plätze frei. Aber für die Fans die den Weg auf die Luxemburger Straße fanden hat sich der Abend, der vom ebenfalls aus Südafrika stammenden Adventure Man eröffnet wurde, definitiv gelohnt. Die Bandjubilare aus Johannesburg eröffneten ihr Set passend mit Life Design. Denn „This is our story / this is our life design“ ist wohl die passendste Überschrift für die Mischung aus Best Of – und New Album-Set? New Album? Ja, tatsächlich. Zu ihren Konzerten brachten die Indie-Rocker ihr neues Album China mit, das man exklusiv auf den Konzerten für recht kleines Geld erwerben kann. Und auch aus diesem Album fanden Songs den Weg auf die Bühne des Luxors und machten das Set zu einer runden Sache.

Aber die Stimmungshighlights lieferten natürlich Songs wie I’ll Be There, We Were Just Having Fun oder auch Remember When, das die Zugabe eröffnete. Alle Songs – alt wie neu – leben davon wie Kahn Morbee sie präsentiert und wie intensiv er sie mitlebt und gleichzeitig auch immer wieder den Kontakt mit seinem Publikum suchte. Man würde sich wirklich für die fünf Musiker freuen, wenn ihnen auch in Deutschland noch so der Durchbruch gelingt, dass sie auch mal größere Hallen bespielen können oder vielleicht mal auf einem attraktiven Slot auf einem Festival gebucht werden. Die dafür notwendige Ausstrahlung, Bühnenpräsenz und auch die Entspanntheit im Umgang miteinander haben die Musiker um Morbee. Für die Fans aus Köln und Umgebung lieferten sie auf jeden Fall einen perfekten Konzertabend, an dem sich jeder im Luxor über großartige Musik gefreut haben dürfte. Auch Adventure Man mit seinen Solosongs hatte hieran seinen Anteil und das Glück und Vergnügen mit Freunden durch Europa touren zu können und hierbei einem neuen Publikum seine Songs, die durch eine Verbindung aus Pop-, Indie- und Retrosounds geprägt sind, zu präsentieren.

Aber auch noch ein Wort zur Location: Es war sehr erfreulich zu sehen, dass das Luxor mit „Kein Kölsch für Nazis – Kein Raum für Rassismus“-Bierdeckeln weiterhin ein offensichtliches Zeichen gegen Rechts setzen. Immerhin war es der Tag, an dem Feine Sahne Fischfilet ein Konzert im Dessauer Bauhaus untersagt wurde.

Nur 24 Stunden später stand auf der anderen Rheinseite John Butler mit seiner Band auf der Bühne. Kurioserweise stand das John Butler Trio zu fünft auf der Bühne des Palladiums. Und am Ende des Abends stand da im Grunde ein gegenteiliges Fazit: Wäre es bei Kahn Morbee & Co. toll sie mal auf großen Bühnen zu erleben, wäre es bei John Butler und Band ein Traum sie mal in einem kleinen, intensiven Clubkonzert zu erleben.

Denn intensiv ist schon das was das fünfköpfige Trio aus Australien auf die Bühne der leider ebenfalls nicht komplett ausverkauften Konzerthalle in der Schanzenstraße gebracht haben. Die Songs mischen Folk- und Surfersound mit einem typisch australischen Musiksound und schaffen es damit eine entspannte Begeisterung bei den Kölner Fans hervor zu zaubern, so dass man ab und an auch den Hang-Loose-Surfergruß erblicken konnte.

Auch John Butler hat seinen Support aus der Heimat mitgebracht: Bobby Alu, der auch als Drummer für Xavier Rudd schon 2016 in Europa unterwegs war, präsentierte solo mit Ukulele seine Songs, die man vielleicht am besten als Südsee-Reggae bezeichnen kann und musikalisch durch die Heimat seiner Mutter – Samoa – geprägt sind. Die Kölner Zuhörer reagierten auf jeden Fall sehr positiv auf den Musiker mit der markanten Lockenpracht.

Passend dazu eröffnete das John Butler Trio dann sein Set auch mit dem in einem ähnlichen Tune schwingenden Tahitian Blue, das auch der erste Track des neuen Albums Home ist. Für Wade In The Water nahm Butler dann zum ersten und einzigen Mal das Lapsteel auf den Schoß und lieferte einen wirklich rockigen Moment.

Die beiden Songs waren der Auftakt eines bemerkenswerten Konzertabends, der nicht nur mit großartiger Musik brillierte. Nein, auch die Lichttechnik bewies auf der Bühne des Palladiums ihr Können und schaffte es die Songs farblich perfekt ins Bild zu setzen.

Ältere Songs wie Better Man erfreuten das Publikum, aber auch die Songs des neuen Albums gingen die Kölner Musikfans begeistert mit – auch weil die gesamte Band eine mitreißende Spielfreude an den Tag legte. Den Höhepunkt der Spielfreude erlebten die Fans, als John Butler von seiner Band auf der Bühne allein gelassen wurde und ein minutenlanges, mitreißendes Solo auf der Akustikgitarre in das aufmerksam und gleichsam begeistert lauschende Palladium zauberte. Insbesondere die kurzen pianissimo-Phasen des Solos, in denen man sprichwörtlich eine Stecknadel in der Halle hätte fallen hören können, waren echte Gänsehautmoment. Definitiv eines meiner Konzerthighlights 2018, das mit tosendem Beifall gefeiert wurde.

Auch der Song Coffee, Methadone and Cigarettes und die bewegende dahinter stehende Geschichte, die John Butler erzählte, war ein emotionaler Höhepunkt des Konzerts. Und es passte dann irgendwie ins Bild, dass dieser Song für mich auch im aktuellen Album ein zentraler Song und irgendwie auch ein Wendepunkt ist.

Auch John Butler & Band standen fast zwei Stunden auf der Bühne ehe sie mit Zebra das gefeierte Finale ihrer Zugabe lieferten. Für alle Fans, die den Weg nach Köln-Mülheim an diesem Abend gefunden haben, hat sich dieser mit Sicherheit gelohnt, denn sie wurden mit mitreißender Musik von beeindruckenden Musikern bestens unterhalten.

Text: René Kirschbaum
Bilder: Andre Badenhurst / Because Music

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