„Die Moldau“ WDR Sinfonieorchester, Köln Philharmonie 22. Januar 2016

Die Moldau, der größte tschechische Fluss. Bedrich Smetana hat ihr im zweiten Teil seines Zyklus „Má Vlast“ (»Mein Vaterland«) ein Denkmal gesetzt und sie steht als bekanntestes Stück dieses Zyklus stellvertretend als Motto über dem heutigen Abend. Schon am Vorabend präsentierte Dirigent Jakub Hrůša zwei Teile aus dem musikalischen National Epos Tschechiens, heute also alle sechs Teile.

Am Anfang steht Vyšehrad, die große Burg Prags. Zwei Harfen malen zart ein Bild der Burg und wie ein Sonnenaufgang begleitet von den Bläsern kommen die Umrisse zum Vorschein. Mit den Streichern wird das Bild klar und die Burg kommt in ihrer gesamten Pracht zum Vorschein. Schon in diesen Anfang , in der Steigerung von der eröffnenden Erwähnung des Themas in den Harfen zur kräftigen Wiederholung des Themas in den  Bläsern, steckt  Jakub Hrůša die Euphorie die uns den ganzen Abend begleiten wird. ‚Seht her, aus welch herrlichen Land ich komme, was wir zu bieten haben‘ scheint er uns zu zurufen. Er hat das Orchester fest in der Hand oder sollte man sagen, das Orchester hat sich in seine Hand gegeben. Die Spielfreude und Präzession ist bekannt, aber man muss auch was daraus machen. Wenn in der Fortsetzung von Vyšehrad die Geschichte der Burg erzählt wird und die volle Dynamik gefordert ist beweist sich dieses gegenseitige Vertrauen. In getragenen Stelle wird schon mal das Tempo gebremst, in mehr dramatischen dann wieder angezogen.

Vltava (»Die Moldau«) und Šárka rissen mit, wie schon am Vorabend.

In ‚Z českých luhů a hájů‘ (»Aus Böhmens Hain und Flur«) nahmen uns Smetana und Hrůša auf einen Spaziergang durchs Land mit. Was für ein Land das ist: grüne Felder, bewaldete Hügel und so viel Gefühl. Und wieder die Euphorie die der Dirigent verbreitete , der Stolz auf die Heimat.

Die Teile fünf und sechs – Tábor und Blaník – beschäftigen sich mit zwei Symbolen der tschechisch Nation. Das von Hussiten gegründete  Tábor entwickelte sich Anfang des 19. Jahrhunderts zum Zentrum einer Nationalen tschechischen Bewegung. Im Berg Blaník ruht der Legende nach eine hussitische Armee unter Führung des heiligen Wenzel, die zu Hilfe kommen wird, wenn die Not am größten ist. Smetana verbindet beide Teile musikalisch indem er in ihnen als Thema den Hussiten Choral ‚Die ihr Gotteskämpfer seid!‘ gibt. Alle Sehnsucht Tschechiens die auch in der Legende stecken, die Dramatik der Geschichte verarbeitet Smetana und Hrůša und das WSO machen sie greif- und spürbar. Zum Ende sehen wir noch mal die Moldau und die Prager Burg, als Zeichen des stolzen Vaterlandes und voller Euphorie reitet der heilige Wenzel mit seiner Armee herbei.

Nach pausenlosen 120 Minuten brandet hochverdienter Applaus über Dirigent und Orchester, als Dank für einen euphorischen und mitreißenden Abend .

Das Konzert zum Nachhören im WDR 3 Konzertplayer.

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