Die Highway Queen macht Halt im Blue Shell

Ein besonderer Konzertabend bot sich an Christi Himmelfahrt dem Kölner Publikum im Blue Shell. Die US-Countrysängerin Nikki Lane hatte sich angekündigt und viele Countryfans füllten bereits früh die ersten Reihen. Zu diesem überwiegend älteren Semester mischte sich später auch das für’s Blue Shell eher typische jüngere Publikum.

Den Support für diesen Abend lieferte die aus Australien stammende Country-Pop-Sängerin Ruby Boots, die nicht nur das Vorprogramm stellte, sondern später tatsächlich auch bei einigen Songs von Nikki Lane gesanglichen Support lieferte.

Ruby Boots präsentierte in 30 Minuten einen Blick in ihr Repertoire, zu dem auch einige Songs zählen, die sie gemeinsam mit Nikki Lane geschrieben hat. Und so nutzten die beiden Musikerinnen auch die Gelegenheit um Don’t talk about it gemeinsam zu präsentieren.

Anschließend gehörte die Bühne dann Nikki Lane und der dreiköpfigen Band, die mit ihr auf Tour quer durch Europa gegangen ist. In ihrem fast klischeehaften Südstaaten-Look mit Jeanslatzhose, floral gemusterter Bluse und einem Hut mit breiter Krempe konnte man sich Lane auch direkt mit der Gitarre auf der Veranda eines Anwesens irgendwo in Tennessee vorstellen. Und so entspannt wie ihr Look wirkte, so relaxt wirkte auch der Auftritt der 33jährigen Sängerin, die sich sogar auf dem Weg zur Bühne – den man sich im Blue Shell noch durch das Publikum suchen muss – Zeit für ein Fanfoto.

Die stetige und immer gut gelaunte Kommunikation mit dem Publikum Lanes beeindruckte genauso wie ihr Gesang. Beides erreichte seinen Höhepunkt, als Lane ihrer Band eine Pause gewährte und zwei Wunschsongs des Publikums a Cappella beziehungsweise nur sich selbst auf der Gitarre – auf deren Griffbrett der letzte Albumtitel Highway Queen zu lesen war – begleitend präsentierte.
So wurde die a Capella-Version von  zu einem echten Highlight des Abends und die Version des zweiten Wunschsongs zu einer Live-Probe, da Lane sich die Akkorde des Songs erst selbst noch erarbeiten musste. Dies löste sie ebenso souverän und unterhaltsam wie sie den gesamten Abend durch ihr Programm führte.

Bei diesem smart-sympathischen und gleichsam musikalisch versierten Auftritt ließ sich nicht wirklich nachvollziehen, warum Lane sich in der Presse den Titel Badass, der im Country-Genre nicht zwingend negativ besetzt sein muss, eingehandelt hat. Außer dem ausgestreckten Mittelfinger, den sie dem Protagonisten eines Songs entgegen hielt, war keinerlei Outlaw-Attitüde erkennbar.

Außerhalb der Gesetzmäßigkeiten der Popmusik ist aber der Sound von Nikki Lane. Sängerin und Band passen sich nicht modernen Strömungen an, sondern sie liefern klassischen Country-Rock-Sound, der die Fans begeistern konnte.

Im letzten Drittel ihres Sets gab Lane ihrer Tourbegleiterin Ruby Boots die Gelegenheit ebenfalls noch einen Song mit Band zu performen und behielt sie dann als Background-Sängerin auf der Bühne, so dass auch ihr der Beifall des Publikums am Ende eines Countryabends entgegenschlug.

Nach dem Konzert begab sich Nikki Lane ohne Umwege zum Merchstand, den sie bereits vor dem Konzert selbst betreute, um Autogrammwünschen der Fans, die teilweisen die Setlists von der Bühne als Souvenir mitnahmen, zu erfüllen. Wie gesagt: Von Badass keine Spur.

Homepage: Nikki Lane

Facebook: Nikki Lane

 

Text & Bilder: René Kirschbaum

 

Erzählt von uns: Facebooktwitterby feather