Der zweite Teil des Tryptichons

Gut eine Woche bevor der zweite Teil seines Jupiter-Tryptichons erscheint, hat uns der niederländischer Indie-Singer-Songwriter Johannes Sigmond – alias Blaudzun – einige Fragen zu seinem neuesten Werk beantwortet.

Vorab eine ganz allgemeine Frage. Laut der deutschprachigen Wikipedia-Seite ist dein Künstlername Blaudzun angelehnt an einen dänischen Radsportler. Stimmt das und wie kam es dazu?

Ja, das ist wahr, auch wenn es im Grunde keine Ehrerbietung an den Rennfahrer ist. Ich bin ein großer Radsport-Fan. Wann immer ich kann besuche ich Profi-Radrennen und schaue mir die Klassiker und die großen Rundfahrten wie den Giro D’Italia oder die Tour De France an. Als ich von dem Mann gelesen habe, habe ich mich in den Klang des Wortes „Blaudzun“ verliebt und dieses dann als Künstlernamen behalten.

Nun zu deinem neuesten Werk: Wie entstand die Idee, Jupiter als dreiteiliges Album in einzelnen Veröffentlichungen herauszubringen?

Popmusik ist fließend, das kann gleichsam Segen oder Fluch sein. Ich versuche mich auf die positiven Aspekte der Flüchtigkeit von Popmusik konzentrieren. Viele Künstler – ich inklusive – nehmen normalerweise ein Album auf und gehen dann für eine lange Zeit auf Tour und beginnen dann an neuer Musik zu arbeiten. Ich bin eine sehr ungeduldiger Mensch und diese Art zu arbeiten begann mich in die falsche Richtung zu treiben.  Während ich unterwegs war wollte ich inspiriert bleiben und das Aufnehmen und Veröffentlichen neuer Musik fortsetzen.

Gibt es bei der Produktion eines solchen musikalischen Tryptichons besondere Herausforderungen, die diese von der Produktion eines „normalen“ Albums unterscheiden?

Während der Clubtour zu Teil I begann ich die Songs für Jupiter II zu schreiben. Bis hier her war das ein harter Weg. Touren, schreiben, Songs aufnehmen und die ganze Promoarbeit ist in dieser kurzen Zeitspanne mitunter die Hölle. Aber gleichzeitig ist es sehr anregend, insbesondere die Geschwindigkeit mit der ich eine CD produzieren konnte. Es schwang immer ein gewisses Risiko mit und das habe ich wirklich genossen. Stell‘ es dir als eine frische Flasche Wein vor, für die die Trauben gepflückt und – ohne die Möglichkeit vollständig zu reifen – direkt verarbeitet wurden.  Das ist im Moment genau der Weg, auf dem ich mich meinen Songs nähere. Der Übergang von ersten Ideen zu fertigen Kompositionen geschieht relativ schnell. Es muss schnell gehen und das ist ein ganz anderer Ansatz.

Wo siehst du die größten Gemeinsamkeiten und wo die größten Unterschiede zwischen Jupiter I und Jupiter II?

Meldoie und Schlagzeug sind in Jupiter II die musikalischen Hauptverantwortlichen. Die Einflüsse von Bass und Schlagzeug wechseln sich – ein wenig wie in einem Ebbe- und Flut-Effekt – immer wieder ab. Außerdem enthält der zweite Teil mehr klassische Songstrukturen, als es noch in Jupiter I der Fall war.

Im Herbst bist du mit Jupiter I noch auf Tour gewesen. Jetzt im Januar sind die Songs für Teil II bereits fertig. Wann und unter welchen Umständen sind die neuen Songs entstanden?

Wie gesagt begann ich mit der Arbeit an den neuen Songs während des ersten Teils der Club-Tour. Daher entstanden die meisten Songs in Umkleiden im Backstage, während Nightliner-Fahrten, beim Spielen der Sound-Checks, an Off-Tour-Tagen im Studio oder mit einem Kater nach einer Partynacht. Im Grunde war es immer so, dass ich unterwegs Ideen hatte und sie innerhalb von sehr kurzer Zeit aufgeschrieben, zu Ende entwickelt und aufgenommen habe. Die Ausnahme hierzu ist Tear Gun: Die erste Idee hierzu ist bereits mehr als sieben Jahre alt. Schon vor den Aufnahmen zu Seadrift Soundmachine, Heavy Flowers und Promises of No Man’s Land habe ich hieran gebastelt. In gewisser Weise war der Song die Startrampe für die ganze Arbeit, die ich in meine vorherigen Alben gesteckt habe, aber ich war nie so zufrieden mit dem Song, dass ich dazu kam ihn letztlich fertig zu stellen. Trotzallem haben mich Konzept und Stimmung von Tear Gun zu ganz viel anderem inspiriert. Ich denke, dass ingesamt sicher um die sechzig Versionen von Tear Gun existieren. Nichtdestotrotz fühlte ich mich dieses Mal irgendwie verpflichtet den Song In Jupiter II unterzubringen. Vielleicht war dieses Mal die Zeit reif oder ich musste mich selbst nochmal für das Lied erwärmen – ja, ich glaube das ist es.

Jupiter II liefert Stücke mit einem facettenreichen 80er-Jahre-Sound. Würdest du sagen, dass dich dieses Jahrzehnt dich und deine Musik besonders geprägt hat?

Ich weiß nicht, ob es die für mich inspirierendste Ära ist, aber von dem einen oder anderen wird das Jahrzehnt sicherlich unterbewertet. Ich bin in dieser Zeit aufgewachsen, hörte den frühen Hip-Hop, den späten Krautrock, Metal und natürlich Prince und den legendären David Bowie. Let’s Dance war das erste Bowie-Album, das ich damals gehört habe. Später erst entdeckte ich dann sein gesamtes Werk. Es ist gleichsam gewaltig, mutig, sehr sexy und nachdenklich machend. Ich denke, wenn du sagst, dass Jupiter II von den 80ern beeinflusst ist, dann bezieht sich dies insbesondere wohl auf dieses Album.

Wer sind die größten musikalischen Vorbilder aus dieser Zeit?

A Tribe Called Quest, Radiohead, Kendrick Lamar und Nick Cave sind alle auf unterschiedliche Art und Weise meine musikalische Helden.

Du spielst unter anderem im Sommer auf dem A Summer’s Tale Festival in Deutschland. Werden deine deutschen Fans dich mit Jupiter II auch sonst noch live erleben können?

Auf jeden Fall. Mit meiner Band werde ich Headliner auf dem großartigen Orange Blossom Festival sein. Wir spielen im April ein Konzert in Berlin und außerdem noch ein großes Festival im August. Die meisten Termine sind aber zur Zeit noch in Planung. Also: Schaut bitte ab und an auf meiner Website oder in meinen Social-Media-Kanälen vorbei und bleibt auf dem Laufenden.

Zwischen dem Release von Jupiter I und II lagen 5 Monate. Wie lange wird es bis zum Teil III dauern?

Das kann ich zur Zeit noch nicht wirklich sagen. Derzeit frage ich mich noch welcher Teil des Werks den mittleren Part und welche Teile die äußeren Seiten des Tryptichons sein werden – wenn du verstehst, was ich meine. In der Geschichte der Malerei ist der Mittelteil immer der größte und die beiden kleineren haben einen Bezug dazu und flankieren es – also: Wer weiß. Im Moment konzentriere ich mich darauf die richtigen Melodien einzusammeln und Worte zu finden, die zu meiner Stimmung passen und die sich in die Geschichten einfügen, die ich erzählen möchte. Ich komme gerade zurück von einigen Schreibreisen und es ist vielversprechend. Das Beste kommt noch.

 

Zum Abschluss vervollständige bitte noch folgende Sätz: Musik ist bedeutet die Welt für mich, weil…

…ohne sie keine Welt existiert.

Du solltest zu einem meiner Konzerte kommen, weil…

…sonst verpasst du einen großartigen Abend mit tollen Leuten die eine fantastische Zeit verbringen in der sie das Leben, Verluste und die Liebe feiern.

Herzlichen Dank, dass du dir Zeit genommen hast unsere Fragen zu beantworten. Wir wünschen dir alles Gute für den Album-Release und eine tolle Tour durch die Niederlande.

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Interview: René Kirschbaum

Foto: Andreas Terlaak

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