Der Zauber des Neuanfangs

Clueso

Köln, Palladium, 09.10.17

Neuanfang ist nicht nur der Albumtitel des jüngsten Werks von Clueso, sondern gleichsam bei ihm aktuell auch Programm. Um sich herum hat er eine neue Band formiert, wobei der Drummer Tim Neuhaus an Bord geblieben ist.

Und diese Mischung aus bewährtem und neuem brachten Clueso & Band auch im Palladium vom ersten Moment an auf die Bühne. Der Opener Neue Luft öffnete die Bühne für ein faszinierendes Konzerterlebnis, in dem sich zeigte, welch großartigen Verlauf ein solcher Abend nehmen kann, wenn sich ein begeisternder Sänger und ein gut aufgelegtes und begeisterungsfähiges Publikum immer weiter aufwühlen und gegenseitig von einem musikalischen und stimmungsmäßigen Höhepunkt in den nächsten treiben.

Gleich im ersten Konzertviertel schien der Erfurter mal alles raus hauen zu wollen, was er so an Hits eigentlich auch gut über ein ganzes Konzert verteilen könnte. Nach – unter anderem – den beiden Singles Achterbahn und Neuanfang, dem alten Song Love The People und spätestens nach Chicago hatten die Fans bereits das latente Bedürfnis „Zugabe“ zu fordern – dabei hatte gerade erst begonnen, was noch großartiger werden sollte.

Neben dem eigenen Repertoire, griff Clueso an diesem Abend auch auf Songs von Blumentopf und Udo Lindenberg zurück – zu dem er ausschweifende, unterhaltsame und kurzweilige Anekdoten zu berichten wusste und den er beeindruckend imitierte – und präsentierte dem Kölner Publikum eine übersetzte Version von Bruce Springsteens I’m On Fire.

Aber das Herzstück waren natürlich seine eigenen Songs und hier vor allem auch die Lieder des neuen Albums, die sich nahtlos und nahezu perfekt zwischen Klassiker wie Keinen Zentimeter oder Gewinner einfügten und selbst für großartige Highlights sorgten. An dieser Stelle muss dann auch unbedingt die in Berlin lebende Australierin Kat Frankie erwähnt werden, die – wie schon auf dem Album – als Duett-Partnerin bei Wenn du liebst mitwirkte und live außerdem in der scheinbar nicht enden wollenden, energiegealdenen Version von Anderssein die Hookline sang und das Publikum noch zusätzlich Mitriss. Hierbei unterstützte auch der Deutsch-Rapper Chefket, der auch schon als Support Act den Abend rund zweieinhalb Stunden zuvor eröffnet und das Publikum in gute Stimmung gebracht hat.

Ohne Zweifel war dieses Publikum auch ein weiterer Faktor für diesen außergewöhnlich gelungenen Konzertabend: Stimmlich voll da, wenn es hieß mit zu singen, bereit zu tanzen, zu klatschen und im Takt zu winken, wenn es möglich war, aber dann auch ruhig wenn es nötig war. Immer dann wenn Clueso Geschichten und Anekdoten – zum Beispiel auch aus der Zeit, als er in Köln gelebt hat – erzählte oder bei den ruhigeren Songs wie Auf Kredit oder dem scheinbar spontan und auf Zuruf gespielten Fanpost brachte das Publikum auch die notwendige Ruhe und Aufmerksamkeit auf.

So waren dann tatsächlich alle Voraussetzungen gegeben für einen überragenden Konzertabend und Clueso und Band (und alle übrigen Mitwirkenden) haben diese perfekte umgewandelt. Verstärkt wurde dies noch durch intelligent  – und immer nur unterstützend und nie die Songs übertrumpfenden – eingesetzte Bühnenbilder auf den LED-Wänden, die das Palladium an diesem Abend zum Schauplatz eines wirklichen wunderbaren Konzerts machten.

Aufgrund des gelungenen Albums Neuanfang und aufgrund dessen, dass Clueso mir bereits vorher als großartiger Live-Künstler bekannt war, hatte ich hohe Erwartungen an dieses Konzert. Und wenn man dann, nachdem die letzten Töne von Barfuss verklungen waren, auf dem Weg durch die Kölner Nacht feststellt, dass diese Erwartungen noch weit übertroffen wurden, weiß man, dass man Teil eines außergewöhnlich guten Konzerts gewesen ist.

Text: René Kirschbaum

 

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