Cowboy- und Biker-Sound im Gloria

Mit seinem Album Darkest Darks, Lightest Lights, das im Oktober 2017 erschienen ist, im Gepäck kam The White Buffalo den Weg über den Atlantik um drei Club-Konzerte in Deutschland zu spielen. Den Auftakt machte er am Montag im Kölner Gloria und zur Feier des Tages schaute auch der WDR mit dem Rockpalast vorbei.

Und wie das Album auch eröffnete Jakob A. Smith – wie der weiße Büffel bürgerlich heißt – mit Hide And Seek seinen Abend. Doch bevor es mit dem intensiven Folkrock losging gehörte die Bühne dem norddeutschen Songwrither Brother Grimm, der mit Megaphon, Gitarre, Mundharmonika, Gesang, Drums, Verzerrer und Loop-Maschine einen experimentellen Lo-Fi-Rocksound auf die Bühne brachte.

Leider ging dies musikalisch – trotz der zweifellos sicht- und hörbaren künstlerischen Qualität des 38-jährigen – ein wenig an dem deutlich sichtbar auf Cowboy-Country-Sound, Saloon-Rock und Biker-Musik eingestellten Publikum vorbei.

Aber genau diese musikalischen Sehnsüchte der Fans erfüllte The White Buffalo, der mit Schlagzeuger und Bassisten auf die Bühne kam, vom ersten Moment an. Smith bringt von Haus aus eine Bühnenpräsenz mit, die man nicht lernen kann, sondern mitbringen muss. Hinzu kommt die voluminöse, raumfüllende, tiefe Stimme. Mit diesen Bordmitteln ausgestattet und mit großartigen Songs im Gepäck, kann in der besonderen Atmosphäre des Gloria Theaters – die allerdings durch die Kameras des Rockpalasts ein wenig gestört wurde – wenig schief gehen.

Und über diese tollen Songs verfügt The White Buffalo, so dass er problemlos ein gefeiertes 90-minütiges Set zusammenstellen konnte, dass alle unterschiedlichen Erwartungen des Publikums bediente. Smiths Songs sind energiegeladen und vermitteln trotzdem eine gewisse Weite wie in Go The Distance. Und das Publikum dankt es ins besondere in den ruhigen Passagen wie dem Auftakt The Observatory mit großer Aufmerksamkeit und gerade in diesen Momenten kommt dann die Stimme und Ausstrahlung von Jake Smith am stärksten zu tragen.

Ihm gelingt aber auch immer wieder der Wechsel zwischen eben diesen stillen aber – wie bei Into The Sun – emotionalen Momenten und Folk-Rock-Drive wie bei Avalon oder dem frenetischen Drum-Finale von Joe and Jolene, das vom Publikum gefeiert wurde. Ebenso waren auch The Whistler, Oh Darling What Have I Done und Come Join The Murder Gänsehautmomente, bei denen sich die Fans teilweise singend in den Armen lagen.

Kein Wunder also, dass das Kölner Publikum nach dem finalen Rock-Höhepunkt Pilot The White Buffalo zweimal zu Zugaben aus dem Backstage quasi rausklatschten und er sich dann nach insgesamt drei Zugabesongs von seinem Publikum mit The Highwayman verabschiedete. Und alle Fans im Gloria hofften, dass Jake Smith das gesungene Versprechen „And I’ll come back again, and again, and again, and again“ wahr machen wird.

Und auch wenn den einen oder anderen die Kameras des Rockpalasts vielleicht ein wenig gestört haben, so liefern sie die tolle Möglichkeit das Konzert erneut im heimischen Wohnzimmer zu erleben. Das Konzert wird am 07. Mai um 00.15 Uhr im WDR Fernsehen ausgestrahlt.

Homepage: Rockpalast

Text / Bilder: René Kirschbaum

 

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