Colter Wall in Köln

Drei schwere Türen, durch die man bis zum Konzertraum hindurch muss, geben dem Zuschauer das Gefühl sich komplett von der Welt draußen abzugrenzen. Das Yuca, das direkt in einem Bogen des Bahnviadukts des Ehrenfelder Bahnhofs liegt, nimmt den Konzertbesucher in eine neue Welt.

In dieser Welt gastierte an dem Tag, als Orkantief Friederike in NRW stürmte, der kanadische Countrysänger Colter Wall. Und obwohl der Bahnverkehr windbedingt eingestellt wurde, gab es Betriebsamkeit rund um den Bahnhof und die allermeisten fanden auch ohne Bahn einen Weg ins ausverkaufte Yuca zu gelangen.

Bevor Wall seine Songs, die er im vergangenen Jahr auf dem selbstbenannten Debütalbum und auf einer EP veröffentlicht hat, präsentierte gehörte die Bühne den Local Honeys einem Country-/Folk-Duo aus Kentucky. Linda Jean Stokley und Montana Hobbs präsentierten eigene Songs und Traditionals, die sie großteils auch auf ihrem Album Little Girls Actin‘ Like Men veröffentlicht haben. Der authentische Countrysound mit Gitarre, Geige und Banjo war die perfekte Einstimmung auf das Set von Colter Wall, an dessen Ende die Local Honeys auch für zwei Songs die Bühne mit dem Country-Newcomer teilten.

Den Rest seines Konzertes bestritt der junge Musiker aus Kanada alleine auf der Bühne. Ohne Band war Wall nach Köln gekommen, so dass er allein mit seiner etwas abgewetzten Westerngitarre seine Songs präsentierte. Auch wenn der einzige Wechsel der musiklaischen Grundausstattung darin lag, dass der Kapodaster das Griffbrett auf und ab wanderte, kam keine Langeweile auf. Colter Wall gelingt auch mit minimalistischer musikalsicher Ausstattung alleine durch seine markante Stimme und sein exzellentes Songwriting das Publikum in seinen Bann zu ziehen.

Beginnend mit dem Opener Thirteen Silver Dollars spielte Wall ein Set, dass neben Songs aus seinem Debütalbum und der EP Imaginary Appalachia auch Traditionals enthielt. Eben dieser Bezug auf Traditionals und Songs anderer Songwriter macht für mich die Besonderheit eines Countrykonzerts aus.  Es ging dem charismatischen Sänger nicht um die bestmögliche Inszenierung seiner Songs, sondern um die größtmögliche Würdigung der Musik. Und das bietet dann aber auch doch den bestmöglichen Rahmen für die eigenen Werke des Kanadiers.

Songauswahl und die Ankedoten, die Wall zu vielen Songs zu erzählen wusste trugen an diesem windigen Abend ihren Teil dazu bei, dass man sich hinter den schweren Türen des Yuca tatsächlich ein wenig fühlen konnte wie an einem Lagerfeuer irgendwo in den Weiten der Prärie.

Vielleicht zum Schluss nochmal ein Satz zum Yuca – in dem ich zum ersten Mal ein Konzert erleben durfte. Im vergangenen Jahr wurde unter großen medialen „Hallo“ der Underground geschlossen – aber dabei ging ein wenig unter, dass nur wenige Straßen weiter in unmittelbarer Nähe des Ehrenfelder Bahnhofs in den letzten Jahren einige neue Locations entstanden sind, deren Besuch auf jeden Fall lohnt.

Text/Bilder: René Kirschbaum

Erzählt von uns: Facebooktwitterby feather