Colter Wall im Doppelpack

Bei dem Begriff Country-Musik kommt mir immer das Bild von dem Cowboyhut tragenden, rauchenden älteren Mann mit Gitarre und dunkler Stimme in den Kopf. Einen Großteil dieser Klischeebilder bedient auch Colter Wall – zumindest wenn man das Cover seines ersten Albums heranzieht – nur das mit dem „älteren Mann“ kann man ihm absolut nicht nachsagen. Der irgendwo in den Weiten Saskatchewans aufgewachsene Musiker ist Jahrgang 1996 – also gerade einmal Anfang 20.

Er klingt aber wie ein Alter und das nicht nur in der Stimme, sondern auch der Style seiner Songs folgt dem von Genre-Legenden wie Hank Williams oder Townes Van Zandt, lässt aber auch etwas zeitgemäßere Folk- und Americana-Einflüsse zu.

Für die Colter Wall-Fans in Deutschland gibt es kommende Woche gleich doppelten Grund zur Freude: Acht Monate nach seinem selbstbetitelten Debütalbum veröffentlicht Wall jetzt die digital bereits 2015 erschienene EP Imaginary Appalachia als Vinyl. Der Extended Player umfasst immerhin sieben Songs, die sich alle auch nicht auf dem Album befanden.

In den Songs gelingt es Colter Wall mit leichten Varianten in Stimmfarbe und –lage jedem Song einen eigenen Charakter zu verleihen ohne dabei sich selbst in den Vordergrund zu treiben. Die Aufmerksamkeit gehört immer dem Song, der Stimmung und dem Gemütszustand des Protagonisten. Imaginary Appalachia wirkt ungemein ausgereift, wenn man bedenkt, dass Colter Wall bei der digitalen Veröffentlichung gerade einmal 19 Jahre alt war. Also quasi ein Greenhorn in der amerikanischen und weltweiten Country-Szene.

Diese Visitenkarte die er damals abgegeben hat und seine Album-Premiere genügten der amerikanischen Ausgabe des Rolling Stone um ihn unter den „10 New Country Artists You  Need To Know“ zu listen. Und für Steve Earle, der selbst seit 1986 neun Alben in den Top 10 der US Country Charts platzieren konnte, ist Colter Wall der beste Singer/Songwriter, den er in den letzten 20 Jahren gesehen hat. Ein berechtigtes Kompliment von jemandem, der sicherlich schon einige aufstrebende Kollegen gehört und auf der Bühne erlebt hat.

Und „auf der Bühne“ liegt dann der zweite Grund zur großen Freude bei den Countryfans im Land. Vom 17.-19.01. wird der junge Kanadier dreimal live in Deutschland zu sehen. Den Auftakt macht ein Konzert in Berlin, den Abschluss bildet ein inzwische ausverkauftes Nachholkonzert in der Hamburger Prinzenbar. Dazwischen macht Wall dann in Köln Halt. Im Yuca Club in einem ausgebauten Bahnbogen in unmittelbarer Nähe des Ehrenfelder Bahnhofs können sich Fans aus Köln und Umgebung von den Livequalitäten dieses Rising Star der Country Szene überzeugen. Man darf sich schon darauf freuen sich von dem markanten, tiefen Bariton in die authentischen Geschichten, die Colter Wall in seinen Songs zu erzählen versteht, entführen zu lassen.

Text: René Kirschbaum

Bild: Ram Accoumeh

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