Austria in Köln

Was war das für ein Abend? Diese Frage klang diese Woche bei mir im Kopf noch lange nach. Offen gesagt: Vor dem Konzert im Gloria am letzten Dienstag kannte ich die Formation Seiler & Speer nicht wirklich. Auch von mir kamen sicherlich einige der inzwischen 32 Millionen Klicks, die Ham kummst auf youtube inzwischen erreicht hat und im Vorfeld des Konzerts habe ich mich auch mal durch die Alben der beiden eigentlich vom Film kommenden Musiker Christopher Seiler und Bernhard Speer, die im Gloria durch eine Band unterstützt wurden, gehört. Aber es stellte sich mir schon die Frage, wie diese österreichische Mischung aus Rock, Pop und Gassenhauermelodien, die mal mit humorvollen und mal mit nachdenklichen Texten in Mundart kombiniert werden bei einem Publikum so fern der Alpenrepublik ankommen würden.

Aber alle Bedenken erwiesen sich als unbegründet. Im Gegenteil: Im gut gefüllten Gloria entwickelte sich eine tolle Musikparty, die ich so gar nicht erwartet habe. Und auch die Musiker selbst wirkten – auch wenn sie ja vom Schauspiel kommen – ehrlich überrascht, erfreut und stellenweise fast überwältigt von der Begeisterung die ihnen soweit im Norden entgegenschlug, nachdem für sie nach eigenem Bekunden Passau ja bislang schon musikalisches Grenzgebiet war. Diese Grenzen wurden an diesem Abend deutlich gen Norden verschoben. Die Fans und die Zuhörer, die wohl an diesem Abend dann Fans geworden sind, feierten schon einzelne Songs so als hätte die Band gerade die Bühne verlassen und müsse mit tosendem Beifall von einer weiteren Zugabe überzeugt werden. Immer wieder schallte auch der Band-Schlachtruf „Gitte“ durchs Gloria und es wurde getanzt und gesungen. Und doch gelang es der Band auch immer wieder die volle Aufmerksamkeit zu erlangen für ruhigere Songs, deren Texte man gar nicht in Gänze verstehen musste um zu merken wie geschickt Seiler & Speer die inhaltliche Tiefe dieser Lieder abgrenzen von ihren teilweise fast schon Après Ski-Party-tauglichen Gassenhauern.

In einem Rückblick auf diesen Konzertabend mit einer großartigen Stimmung an einem heißen Sommertag in Köln darf auch der Support-Act nicht unerwähnt bleiben. DRDW – Da Rocka und da Waitler aus Bayern heizten das Kölner Publikum richtig auf für den Hauptact aus Österreich. Sie liefert „Quetsch’n-Crossover“, eine Mischung aus Hard-Rock den „da Rocka“ mit seinem AC/DC-Shirt verkörperte und volkstümlichen Sounds, den „da Waitler“ in Lederhosen mit dem Akkordeon beisteuerte. Mit eigenen Songs und spannenden Coverversionen von Rock-Klassikern in Kombination mit bayerischem Schuhplattler riefen sie bereits Begeisterungsstürme im Kölner Publikum hervor und brachten es in Stimmung für Seiler & Speer.

Dieser Abend dürfte allen Besuchern und auch allen Musikern in toller Erinnerung bleiben und er zeigte, wie einfach Musik Grenzen überschreiten kann. Und er zeigte, dass in Köln nicht nur Rock, Pop und moderne Stimmungsmusik in der eigenen Mundart funktioniert.

 

Text: René Kirschbaum

Bilder: Stefan Joham (Titel), René Kirschbaum (Konzert)

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