Anker in Hamburg, musikalischer Fixpunkt in London

Anfang Februar erscheint Denmark Street – die Debüt-EP der vielseitigen Musikerin Friede Merz. In einem Interview gibt sie einen Einblick in ihre ersten Karriereschritte und verrät wo sich der Londoner Einfluss verbirgt.

Hallo Friede, stell dich unseren Lesern doch bitte zunächst einmal kurz selbst vor.

Hallo, ich bin Friede Merz. Ich bin Singer/Songwriter und lebe in Hamburg.

Auf deiner Homepage beschreibst du dich mit – sinngemäß – das Herz in London, die Hände in Berlin und die Füße in Hamburg. Wo ist für dich Heimat und Zuhause und wo siehst du dich musikalisch verankert?

In Berlin hab ich die letzten sechs Jahre gelebt, bevor ich vorläufig in Hamburg Anker gelegt hab. Und in der Zwischenzeit führten meine Wege immer wieder über London. Heimat ist da wo ich Vertrautheit, Geborgenheit, Liebe und Akzeptanz spüre. Das hat also nicht notwendigerweise etwas mit einem bestimmten Ort als vielmehr mit besonderen Menschen, die an diesen Orten sind zu tun.

Zuhause ist da wo mein Bett gerade steht. Das ändert sich aber auch mit schöner Regelmäßigkeit.

Wie würdest du deinen musikalischen Stil selbst beschreiben?

Das ist schwer, die Songs sind wie sie sind und sie sind sehr unterschiedlich. Mit Indie-Pop habe ich immer das Gefühl am wenigsten was Falsches zu erzählen.

Du hast dich auch in der Klassik und im Jazz versucht? Warum bist du musikalisch doch im weitgefassten Feld der Populärmusik gelandet?

Weil es weitgefasst ist. Wie Klassik und Jazz es eigentlich auch sind, nur vergisst man das immer mehr je länger diese Musikrichtungen institutionalsiert sind.

Bei uns zu Hause gab es diese Unterscheidung nie. Meine Eltern, die auch beide Musik studiert haben, haben ALLES zu Hause gehört. Bach, Beatles, Bowie, Irish Folk, Klezmer, Hollywood Soundtracks… Meine Hörgewohnheiten sind also seit jeher nicht auf ein Genre festgelegt. Mir ist also völlig klar, wieso ich das als Musikerin auch nicht sein kann.

Inwiefern beeinflussen die Erfahrungen aus anderen Musikrichtungen dein Songwriting?

Sehr. Wenn man sich jahrelang ausgibig mit etwas beschäftigt hat, hinterlässt das Spuren und beeinflusst zwangsläufig wie man Musik aufnimmt und verarbeitet. Und somit auch wie man singt/spielt und letztlich auch schreibt.

Deine erste Single Soho und auch der EP-Titel Denmark Street weisen eindeutig nach London. Welchen Einfluss hatten die Stadt, der Stadteil und die Straße auf deine Debütveröffentlichung.

Ein Großteil der Musik, die mich schon mein ganzes Leben begleitet kommt aus Großbritannien oder wurde dort aufgenommen/produziert/gemischt. Zum Beispiel PJ Harvey, Björk, Joy Division, die Beatles etc.
Der Sound, der durch den London-Filter geht ist es was mich so geprägt hat, auch wenn das auf’s erste Hören ganz unterschiedliche Songs und Stile sind. Diese Stadt scheint der magische Kleber zu sein, der sie verbindet.
Daher ist es auch kein Wunder, dass ich die perfekten Ingenieure für Mix und Mastering in London gefunden habe (Alex Killpartrick und Mandy Parnell).
Die Denmark Street ist eine der bedeutendsten Straßen für die englische Musikindustrie. Früher waren da die Verlagshäuser, Gitarrenläden, die Studios in denen Leute wie David Bowie oder die Sax Pistols ihre ersten Aufnahmen machten usw. Heute ist leider außer ein paar wenige Gitarrenläden nicht mehr viel davon übrig. Aber noch genug um beim Mischen zwischendurch mal ein paar neue Gitarreneffektpedale auszuprobieren.

In den fünf Titeln lässt sich ja bereits deine große musikalische Bandbreite erahnen. Wo liegen die Gemeinsamkeiten in den Songs und worin unterscheiden sie sich für dich am stärksten?

Ich unterscheide eigentlich nur zwischen akustisch/unproduziert und verstärkt/produziert. Also wie sehr der ursprüngliche Klang manipuliert wird, sowohl vom Einzelnen als auch von der Band als Ganzes.
Zum Beispiel „Astarte“ haben ich und meine Musiker direkt so eingespielt wie wir vier im Studio waren. Drumset, Gesang, ein Flügel und ein Kontrabass. Ich glaub wir haben das ein paar Mal gespielt und dann war’s im Kasten.
Bei „Soho“ hingegen sind viele E-Gitarren am Start, ein E-Bass, ein verfremdetes Fender Rhodes und viele Gesangsstimen. Das einzig „akustische“ daran ist das Drumset. An dem Song hab ich nach der Studiosession noch ewig rumgeschraubt, bis er so war, wie ich ihn mir vorgestellt hab.

Welche Künstler würdest du für dich beeinflussend, stilprägend oder sogar als Vorbild bezeichnen?

Vorbilder hatte ich nie. Aber alles was in meiner Jugendzeit länger als ein halbes Jahr in meinem CD-Player lag oder bei mir aufm Notenpult stand, hat mit Sicherheit seine Spuren hinterlassen. In den letzten paar Jahren am meisten beeinflusst hat mich wohl Elliott Smith. Sein Songwriting, sein Gitarrenspiel und sein Lo-Fi-Sound hauen mich immer wieder um.

Gibt es Musiker mit denen du gerne mal gemeinsam auf der Bühne stehen würdest?

Adam Granduciel von The War on Drugs.

Die erste EP ist ja sicherlich so etwas wie ein Meilenstein in deiner musikalischen Karriere. Was hast du als nächstes vor?

Es wird noch eine weitere EP Veröffentlichung dieses Jahr geben, die ich, wenn alles gut geht, mit der ersten EP zusammen als Doppel-EP auf Vinyl rausbringe. Ansonsten bereite ich die Aufnahme meines Albums vor. Dafür will ich komplett alles selbst einspielen. Und den Weg dorthin dokumentieren. Ich hab jetzt schon ein Kribbeln im Bauch, wenn ich dran denke…

Und wo siehst du dich mit deiner Musik in zehn Jahren?

Weiter als in neun Jahren.

Wird es demnächst die Möglichkeit geben dich live auf der Bühne zu sehen? 

Ja, am 02.02. im Grünen Jäger in Hamburg und am 29.03. im Donau115 in Berlin.

Danke dir, dass du dir Zeit für unsere Fragen genommen hast. Wir wünschen dir viel Erfolg für 2018 und den Release deiner EP Denmark Street.

Danke euch für das Gespräch!

Interview: René Kirschbaum

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